Neue Filme über Attentate

12. Oktober 2018 07:00; Akt: 11.10.2018 22:02 Print

Darf man Breivik diese Bühne geben?

Gleich zwei Filme arbeiten das Massaker auf der norwegischen Insel Utöya auf, das 69 zumeist Jugendlichen das Leben gekostet hat. Moralisch sind die Projekte fragwürdig.

Der Trailer zum neuen Netflix-Film «22 July» über das Maßaker in Norwegen. (Video: Netflix)

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Am 22. Juli 2011 ereignete sich die unfassbare Tragödie. Der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik (39) lässt im Osloer Regierungsviertel eine Bombe detonieren. Acht Menschen sterben. Zwei Stunden später setzt er auf der Insel Utöya seinen Rachefeldzug fort.

Er jagt und erschießt Jugendliche und Betreuer im Sommercamp der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. 69 von ihnen sterben. Das jüngste Opfer ist erst 14.

Unvorstellbares vorgestellt

Die Narben in Norwegen werden wohl viele Generationen lang nicht verheilen. Breivik agierte gnadenlos, schoss sich tot stellenden Menschen aus nächster Nähe in den Kopf. Die Angst der Opfer, die im Kugelhagel um ihr Leben rannten, ist unvorstellbar.

Doch genau dieses Trauma haben jetzt gleich zwei Filmemacher visualisiert. Sieben Jahre nach den Anschlägen empfinden das viele Norweger als zu früh.

72 Minuten Terror

In «U – July 22» dramatisiert Regisseur Erik Poppe (58) das Massaker auf der Insel nahe Oslo in einer einzigen Einstellung. Die Kamera folgt dabei stets der jungen Hauptfigur Kaya, die in dem Chaos ihre Schwester sucht.

72 Minuten dauert die Sequenz im Film, genauso lange wie der echte Anschlag von 2011. Das ist filmisch gut gelungen, wirft aber ethische Fragen auf. Darf man den Massenmord an Kindern zur Unterhaltung des Publikums – und darum geht es bei Spielfilmen letztendlich immer – zeigen?

Breivik im Fokus

Dass es diesbezüglich viel Kritik geben würde, sah Poppe natürlich voraus. Er erzählt den Anschlag deshalb bewusst aus Sicht der Opfer. Der Täter Breivik ist nur ganz kurz in einer Einstellung zu sehen.

Anders beim zweiten Projekt. Neu zeigt Netflix den Spielfilm «22 July» von Paul Greengrass (63), der sich dem Thema umfassender widmet. Breivik spielt bei ihm eine zentrale Rolle, der Anschlag selbst nimmt aber nur die ersten 30 Minuten des Films in Anspruch.

Nachbeben des Anschlags

Die folgenden zwei Stunden beschäftigen sich mit den Nachwirkungen der Tragödie. Parallel zeigt Greengrass den schweren Weg eines Opfers zurück ins Leben und den Gerichtsprozess, der Breiviks vergiftete Ideologie erklärt und im Schuldspruch endet.

Damit gibt er allerdings den verqueren Ansichten Breiviks einmal mehr die große Bühne, nach der sich der Terrorist so sehr sehnt.

Der Trailer zu «U – July 22». (Video: Praesens Film)

(L'essentiel/cat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meine Meinung am 12.10.2018 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin der Meinung die Menschen sollen solche Tragödien bildlich gemacht bekommen, damit wir diese in Zukunft stärker verurteilen. Ich persönlich habe den zweiten Film auf Netflix gesehen und habe die Todesstrafe für solche Monster wie Breivik wieder in betracht gezogen, obwohl ich an sich dagegen bin.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Meine Meinung am 12.10.2018 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin der Meinung die Menschen sollen solche Tragödien bildlich gemacht bekommen, damit wir diese in Zukunft stärker verurteilen. Ich persönlich habe den zweiten Film auf Netflix gesehen und habe die Todesstrafe für solche Monster wie Breivik wieder in betracht gezogen, obwohl ich an sich dagegen bin.