Schändlich unterschätzt

10. Juni 2018 14:14; Akt: 10.06.2018 14:17 Print

Darum ist «Tully» besser als jeder Superhelden-​​Film

Bisher lief das Mutterschafts-Drama mit Oscar-Preisträgerin Charlize Theron eher unter dem Radar. Dabei ist der Film ein Meisterwerk. Fünf Gründe.

Das Mutterschafts-Drama um die heillos überforderte Dreifachmama Marlo (Charlize Theron) unterhält mit Witz und Dringlichkeit. (Trailer: Ascot Elite)

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In der Startwoche schnitt «Tully» in den Kino-Charts mäßig ab. Weit abgeschlagen von «Star Wars» und anderen Superhelden- und Action-Blockbustern, die die Top 10 dominieren.

Ist das ungerecht? Kaum. Die Fantasy-Helden sind in diesem Jahr besonders stark und wir alle lechzen mal nach Eskapismus. Trotzdem schafft «Tully», was keine der großen Popcorn-Produktionen kann: Der Film betrifft uns – und zwar alle.

Fünf Gründe, warum «Tully» auf jede Watch-List gehört:

1. Der Film schafft Verständnis und Wertschätzung für den Elternjob

Schlafentzug und postnatale Depression dürften nach Celebrity-Outings weitläufig ein Begriff sein. Von Windeln im Wochenbett, blutenden Brustwarzen und veränderten Post-Baby-Folgen für Ü40-Bodies erfahren manche aber erst, wenn das Kind da ist. «Tully» zeigt auch die vermeintlich kleinen Leiden zwischen großen Dramen.

2. Die Dialoge treffen den Nerv

«Mom, was läuft mit deinem Körper falsch?», «Warum ist es so sauber im Haus?», «Du kannst doch nicht dein ganzes Leben outsourcen?» Was im Film besprochen wird, sagt weit mehr über Stereotype und gesellschaftlichen Druck aus als über Marlos (Charlize Theron) allfällige Unzulänglichkeit.

3. Der Reminder: Kinder zu bekommen bedeutet, das Ego abzugeben

Selbst wenn eine eigene Familie schon immer der große Traum war, stellt sich mit der Umsetzung die Frage nach dem eigenen Ego. Im Film opfert Marlo ihres auf, Gatte Drew schützt seines mit Ignoranz. Am Ende wird klar: Kommunikation ist der Schlüssel, dass beide überleben – vor wie nach dem Entscheid.

4. Die Nachtnanny-Diskussion zeigt Lösungen auf

Versager-Stigma, finanzieller Druck: Der Fall Marlo zeigt, wie in Zeiten von Zukunftsangst und Selbstoptimierung die mentale Gesundheit unserer Gesellschaft den Bach runtergeht. «Tully» macht klar, wie dringlich Unterstützung wäre. Aber auch, dass sie für die meisten Familien aktuell Utopie bleibt. Der Staat ist gefragt.

5. Womöglich sehen wir einen Oscar-Kandidaten im Kino

Der gesamte Cast spielt gut, Charlize Theron einmal mehr in einer anderen Liga. «Tully» kann fachlich wie inhaltlich außerhalb der Kinosäle Wellen schlagen. Sprich, der Film hat Oscar-Potenzial.

(L'essentiel/mel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hun keng Nanny am 11.06.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Oder villeicht as et haut modern sein EGO virun seng Kanner ze setzen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hun keng Nanny am 11.06.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Oder villeicht as et haut modern sein EGO virun seng Kanner ze setzen?