«Shape of Water»

31. Januar 2018 19:52; Akt: 31.01.2018 20:12 Print

Erwachsenenmärchen voll zauberhafter Genialität

Guillermo del Toro erschuf ein Meisterwerk abseits aller Genre-Schubladen. Der Film ist jetzt für 13 Oscars nominiert.

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Vom ersten Moment an – dem Auftakt des melancholischen Soundtracks, der langsamen Kamerafahrt durch ein versunkenes Schiffswrack von Appartement – wähnt man sich in «Shape of Water» in einem französischen Liebesfilm der Sorte magischer Realismus. Dass Guillermo del Toro seine eigene Auffassung (und Ausführung) der Stilrichtung hat, wird ebenfalls schnell deutlich.

Keineswegs Romantik pur

Der mexikanische Filmemacher («Pans Labyrinth») setzt auf scharfe Kontraste zwischen verspielter Traumwelt und roher Wirklichkeit. Seine stumme Heldin Elisa (Sally Hawkins) mag für schwarzweiße Fernseh-Idyllen schwärmen und auf dem Weg zum Bus durch den Flur steppen, ihre Orgasmen in der Badewanne timt sie trotzdem mit der Eieruhr – penibles Zeitmanagement und körperliche Bedürfnisse statt fantastischer Romantik.

Auch Elisas Nachbar Giles (Richard Jenkins) kann sich nicht lange in seinen Tagträumen verstecken, obwohl er schnell den Kanal wechselt, sobald Berichte von Rassenunruhen über die Mattscheibe flimmern. Der süße Kellner im Tortensalon ums Eck entpuppt sich als Ekel, das nur von Berufs wegen freundlich zu ihm ist. Verfügen die Gäste nicht über die richtige Hautfarbe und sexuelle Orientierung, werden sie auf die Straße gesetzt.

Kalter Krieg, toller Schurke

Elisa und Giles passen nicht so recht ins Baltimore der späten Fünfziger, in dem Männer wie Richard Strickland (Michael Shannon als umwerfend fieser Bösewicht) das Sagen haben. Der sadistische Strickland sieht sich als Krönung der Schöpfung, hat seine Frauen gerne still und seinen Elektroschockknüppel in Griffweite. Er leitet ein geheimes Regierungslabor, in dem Elisa an der Seite ihrer ständig plappernden Kollegin Zelda (Octavia Spencer) die Gänge putzt und sich beim Saubermachen mit einem wertvollen Versuchsobjekt anfreundet.

Der Amphibienmann (Doug Jones) soll den Vereinigten Staaten im kalten Krieg einen Vorteil verschaffen, sein Atmungssystem in der Raumfahrt Anwendung finden. Als Elisa erkennt, dass Strickland das Wesen foltert und bei lebendigem Leibe sezieren will, plant sie mit Giles dessen Befreiung.

Erwachsenenmärchen

Ist das nun ein Liebesfilm auf Horror-Abwegen, ein Creature Flick mit romantischen Anwandlungen oder gar ein Sci-Fi/Spionage-Thriller? Guillermo del Toro, der gemeinsam mit Vanessa Taylor auch das Drehbuch von «Shape of Water» verfasste, vermengt die Genres so gekonnt, dass sein Erwachsenenmärchen von Beginn an in keine Schublade passt. Dank exzellentem Cast und elegant konstruierten Nebenhandlungssträngen wird der Film endgültig zum Meisterwerk. In Venedig gewann der Film bereits den goldenen Löwen; seine Rolle als Oscar-Favorit (mit 13 Nominierungen) ist mehr als verdient.

(L'essentiel)

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