«An Open Secret»

07. November 2017 13:28; Akt: 07.11.2017 13:30 Print

Hollywood will nicht, dass Sie diesen Film sehen

Erst Weinstein, dann Spacey – endlich geht ein Beben durch Hollywood. Der Dokfilm «An Open Secret» versuchte schon 2015, die Mauer des Schweigens einzureißen.

Der Trailer zur Enthüllungs-Dok von Amy Berg. Quelle: Youtube.com

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Vorwürfe gegen die Mächtigen der Traumfabrik laut werden. Mit Dutzenden Frauen, die Produzent Harvey Weinstein sexuelle Belästigung bis hin zu Vergewaltigung vorwerfen, kam die Lawine letzten Monat ins Rollen.

Mit dem wahrscheinlichen Karriere-Aus von Kevin Spacey hat Hollywoods größter Skandal nun einen vorläufigen Höhepunkt gefunden: Der Oscar-Preisträger soll sich, so der Vorwurf, seit Jahren an Kollegen und Crew-Mitglieder herangemacht haben. Darunter auch minderjährige Jungen.

Missbrauchsopfer outen Täter nicht

Dass die Filmindustrie ein Problem mit Kindesmissbrauch hat, legt auch der Dokfilm «An Open Secret» nahe. Regisseurin Amy Bergs Streifen lief 2015 in einigen wenigen US-Kinos. Doch das Thema war Hollywood zu heiß. Kein großer Filmverleih wollte den Film promoten.

Trotzdem oder gerade deswegen wurde er fast eine Million Mal illegal heruntergeladen. Nun haben die Produzenten beschlossen, den Film aufgrund des Weinstein-Skandals für alle legal auf Videoplattformen wie Youtube zugänglich zu machen. Seither haben sich drei Millionen Leute die erschütternde Doku angesehen.

«An Open Secret», zu deutsch «Ein offenes Geheimnis», setzt sich mit dem Tabuthema Pädophilie in Hollywood auseinander. Jedes Jahr fassen Tausende von Kindern den Traum, Schauspieler zu werden. Oder werden von ehrgeizigen Eltern ins Business getrieben. Das macht sie zu leichter Beute für Kinderschänder. Der Druck, es unbedingt schaffen zu müssen, macht es den Kindern beinahe unmöglich, die Täter zu enttarnen. Denn wer sich als Missbrauchsopfer outet, hat in der Branche keine Chance mehr.

Nackt im Pool

Berg lässt in ihrem Film Männer zu Wort kommen, die als Jugendliche von einer Gruppe von Agenten, PR-Leuten und Managern systematisch sexuell missbraucht worden seien. Die ehemaligen Kinderdarsteller schildern, wie sie mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht wurden und mit ihren «Betreuern» nackt in den Pool steigen und sexuelle Handlungen an ihnen vornehmen mussten. An den Folgen der Übergriffe leiden die Betroffenen noch heute.

Einige der Täter wurden zwar überführt und verurteilt, büssten aber nur geringfügige Strafen ab. Noch erschreckender: Viele von ihnen arbeiten immer noch im Business, zum Teil sogar mit Kindern. Das Wegschauen hat in Hollywood eine lange Tradition.

Regisseur Roman Polanski gab zu, 1977 eine 13-Jährige vergewaltigt zu haben, arbeitet aber trotzdem mit den Topstars der Branche zusammen. Und auch Woody Allen, dem von seiner Ex-Frau sexueller Missbrauch an seiner Tochter Dylan vorgeworfen wird, schafft es alljährlich, das Who is Who der Branche für seine Filme zusammenzutrommeln – zuletzt Kate Winslet und Justin Timberlake. Ex-Kinderstar Corey Feldman findet in «An Open Secret» deutliche Worte: «Hollywoods Problem Nummer eins ist Pädophilie.»

(L'essentiel/cat)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.