Als Möchtegern-Inder

12. September 2013 15:02; Akt: 12.09.2013 15:26 Print

Moritz Bleibtreu zur Vorpremiere in Luxemburg

LUXEMBURG - In seinem Film «Vijay und ich» verwandelt sich Moritz Bleibtreu in einen charmanten Inder. Wie das funktioniert, zeigt der Schauspieler am Freitag in Luxemburg.

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In der hinreißenden Verwechselungskomödie «Vijay und ich - Meine Frau geht fremd mit mir» erobert Moritz Bleibtreu nach seiner Verwandlung in einen Inder das Herz seiner Frau neu. Die Klamotte in bester Screwball-Manier feiert am Freitag Vorpremiere in Luxemburg. Dazu ist der Hauptdarsteller auch selbst am Start. Zusammen mit Regisseur Sam Gabarski kiommt Bleibtreu ins Kino Utopolis auf dem Kirchberg (siehe Infokasten).

Und der Film? Schon der Titel klingt so altmodisch, dass er zu einer amerikanischen Komödie der 50er oder 60er Jahren gehören könnte. Zudem scheint «Vijay und ich - Meine Frau geht fremd mit mir» den kompletten Plot zu erzählen. Doch natürlich geht es in Sam Garbarskis Verwechslungskomödie - eine Koproduktion aus Deutschland, Belgien und Luxemburg - um weit mehr als ums Fremdgehen. Klassiker-Vorlagen wie «Manche mögen's heiß» (1959) von Billy Wilder bleibt er trotzdem treu. So behutsam und gemütlich entwickelt er seine Charaktere und Geschichte, dass einem unverzüglich Vokabeln wie hinreißend-komisch und entzückend in den Sinn kommen.

Ein Neustart mit 40

Ausgerechnet an seinem 40. Geburtstag scheinen die pubertierende Tochter Lily (Catherine Missal) und Ehefrau Julia (herrlich spröde: Patricia Arquette) den Schauspieler Will (Moritz Bleibtreu) zu ignorieren. Im Studio - Will ist das in ein monströses grünes Kostüm gesteckte Pech-Kaninchen einer erfolgreichen Kinderserie - schmeißt er plötzlich alles hin. Und wenig später fällt er an einer Tankstelle auf den dämlichen Trick eines Autodiebes herein. Da steckt er immer noch in dem Kaninchen-Kostüm - und entzückt damit die Kinder um ihn herum. Ein unfreiwillig komischer und tragischer Held.

Trost und Zuflucht findet Will an dem Abend bei seinem Freund, dem indischen Restaurant-Besitzer Rad (Danny Pudi). Der verwandelt seine lateinamerikanischen Kellner gerne mit viel Schminke, Kontaktlinsen, künstlichen Bärten und Turbane in waschechte Inder. Am nächsten Tag erfährt Will aus dem Radio, dass sein Auto in einen Unfall verwickelt war und er für tot gehalten wird. Nach anfänglichem Entsetzen wittert er seine Chance, noch einmal ganz von vorne zu beginnen.

Neue Liebe

Will lässt sich von Rad zum Inder verwandeln und läuft künftig also als indischer Geschäftsmann durchs Leben - zunächst aber zu seiner eigenen Beerdigung.

Mit Ausnahme seiner Tochter und seines senilen Vaters (Michael Gwisdek) scheint ihn dort niemand zu erkennen - auch seine Frau nicht. Die ist vielmehr von dem charmanten, exotischen Sikh angezogen. Schon wenig später macht sie ihm eindeutige Avancen. Von den anderen erfährt er, was Freunde und Familie tatsächlich über ihn gedacht haben und das ist nicht nur Gutes.

Das alles hat bereits viel Komik. Der in Deutschland geborene und aufgewachsene belgische Filmemacher Garbarski («Irina Palm», 2007) inszeniert das noch dazu mit so leichtem, unverkrampftem Witz, dass den Charakteren die Herzen zufliegen. Und natürlich spickt er die Geschichte mit reichlich Absurditäten.

Gute Unterhaltung

Bei der Beerdigung wirft die vermeintliche Witwe Wills Baseball-Karten mit ins Grab, die dem Mann angeblich das Liebste waren und die ihm Freund Rad zur Hochzeit geschenkt hat. Als sich die Trauergesellschaft vom Grab entfernt, holt Rad sie kurzerhand wieder aus dem Grab. Schließlich ist Will ja gar nicht tot.

Schon bald kommt es zu amourösen Verstrickungen zwischen Julia und Will alias Vijay. Julia entdeckt einen neuen Mann, Will ganz neue Seiten an seiner Frau. Und beide fühlen sich wohl damit, auch als die Maskerade auffliegt. Plötzlich ist Will der, der er immer sein wollte.

In bester Tradition der Screwball-Comedy stattet Garbarski seine Figuren mit skurrilen und daher umso liebenswerteren Angewohnheiten aus - eine davon lässt Julia schließlich Vijay als Will entlarven. Die sexuellen Anspielungen sind so verhalten-prüde, dass es geradezu wohltuend ist. Und die Geschichte, angesiedelt in New York, doch irgendwie mit europäischem Interieur nicht nur wegen des teils deutschen Casts, plätschert sanft dahin. So schön, intelligent und unterhaltsam kann eine Verwechslungskomödie im 21. Jahrhundert sein.

(L'essentiel Online mit dpa)

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