Luxemburgische Doku

20. September 2017 18:20; Akt: 20.09.2017 18:23 Print

«Musik ist meine Inspirationsquelle»

Der luxemburgische Filmemacher Andy Bausch blickt in seinem neuesten Film «Sixty8» auf eine legendäre Epoche zurück.

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In «Sixty8» geht Andy Bausch den wilden Sechzigern in Luxemburg auf den Grund.

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«L'essentiel»: Nach «D’Belle Époque» (2012) und «D’Fifties» (2013) setzen Sie Ihre luxemburgische Geschichtsforschung mit «Sixty8» fort... Andy Bausch: Man darf auch «Streik» (2016) nicht vergessen, der der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung nachspürt, oder «Entrée d'Artistes» (2007) über die Tanzmusik der 40er- bis 60er Jahre bis hin zu «Leslie Kent» (2007) , der sich mit den Anfängen des Rock'n'Roll in Luxemburg auseinandersetzt. Ich habe in der Dokumentar-Filmerei mein zweites Zuhause gefunden. Ich mag es, in beiden Genres tätig zu sein, Fiktion und Dokumentation. Und wie Sie sicher festgestellt haben, interessieren mich vor allem die kleinen Geschichten, die einfachen Leute, am Rande der Gesellschaft... Für mich bringen Anekdoten die Atmosphäre einer Epoche viel besser zum Vorschein als große historische Heldentaten.

Geht es in «Sixty8» um jene Epoche, die Ihnen am meisten am Herzen liegt? Ich bedaure es schon seit ich 13 oder 14 Jahre alt war, dass ich diese Generationenkonflikte nicht erleben durfte. Dass ich nicht dafür kämpfen musste, Rockmusik zu hören oder an den Umwälzunge nicht teilhaben konnte. Und natürlich sind Rock, Beat, Soul, Jazz, Kitsch, die Musik im Allgemeinen, auch Quellen der Inspiration.

Mit welchem Material arbeiteten Sie für dieses Projekt? Ich sammelte alte Magazine und Zeitungsartikel. Ich habe auch viel in öffentlichen Archiven gewühlt, aber das Angebot war eher dürftig. Die Musik kannte ich bereits in- und auswendig. Aber «Sixty8» ist ein Film, der vor allem auf Interviews basiert. Es berührt einen, den alten Maoisten, Kommunisten und Hippies dabei zuzusehen, wie sie diese mystische Epoche mit derart viel Humor und einer gewissen Distanz Revue passieren lassen.

War Ihr Plan, Zeitzeugenberichte, Dokumente und Illustrationen aus der Zeit miteinander zu verbinden, um der Doku ein gewisses Tempo zu geben? Ich glaube, ich habe meinen eigenen Stil beim Schreiben von Dokumentationen. Es wäre traurig, wenn das nicht so wäre. Es ist ein Puzzle aus Interviews, Archiven, animierten Bildern. Das Resultat muss lebhaft sein, weil ich die Leute im Kino ja auch unterhalten will. Dokus haben manchmal einen zu akademischen Touch.

Die Musik spielt eine wichtige Rolle, wie schon in Ihren vorangegangenen Werken. Ja, absolut. Ich fange immer mit der Auswahl der Musik an. Das ist meine Inspirationsquelle. Und es war eine gute Entscheidung, diesmal keinen Komponisten zu engagieren, sondern das gesamte Filmmusik-Budget für Lizenzgebühren der gespielten Songs zu wenden.

Sie veröffentlichen ein bis zwei Filme pro Jahr und arbeiten auch an anderen Projekten. Wie kommen Sie mit dem Arbeitsaufwand zurecht? Glauben Sie mir, ich mache viel weniger Filme, als ich eigentlich möchte. Ich bin natürlich, wie viele andere europäische Filmemacher, auf einen Finanzierungsfonds angewiesen. Eine Sache, die oft übersehen wird, aber auf mich zutrifft: Je mehr ich arbeite, desto mehr habe ich auch Lust zu arbeiten. Ich mag es, mich um zwei Projekte gleichzeitig zu kümmern, das ist inspirierend.

Welche Projekte haben Sie noch vor? Mit meinem Ko-Autor von «Rusty Boys» und meinem Produzenten will ich ein Langzeit-Projekt angehen, aber es ist noch nicht endgültig fixiert, es könnte länger dauern als wir gerne hätten. Ich arbeite auch an einer neuen Dokumentation, aber es ist noch zu früh, darüber zu sprechen.

(Cédric Botzung/L'essentiel)

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