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06. Juni 2018 07:28; Akt: 06.06.2018 15:08 Print

Kanye West leidet unter einer bipolaren Störung

Auf seinem neuen Album rappt West offen über seine psychischen Probleme. Zuvor warf er sein gesamtes Album über den Haufen.

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Es gibt zwei Arten von Menschen: Diejenigen, die Kanye West für ein Genie halten und diejenigen, die falsch liegen. Was Kanye ausmacht, ist, dass er stets auf Erwartungen pfeift und sowohl in Sachen Marketing als auch Produktion jegliche Konventionen bricht, ohne mit der Wimper zu zucken. Diesen Drang zur Unberechenbarkeit beweist er auch auf seinem achten Album «Ye».

Um den aktuellen Kanye zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Vorgeschichte. Nachdem er während seiner letzten Tour einen Nervenzusammenbruch erlitt, der in einem 20-minütigen Rant auf der Bühne endete, ließ er sich in eine psychiatrische Anstalt einweisen. Diagnose: bipolare Störung.

Nach der Therapie zog sich der Rapper in die Einsamkeit Wyomings zurück und schuf dort sein neues Werk. Als er vor wenigen Wochen an die Öffentlichkeit zurückkehrte, löste er sogleich einen Shitstorm aus: In einem Interview mit TMZ.com frotzelte er, die Sklaverei sei «eine Wahl» der schwarzen Bevölkerung gewesen. Autsch.

Mordfantasien und Untreue

Laut eigener Aussage warf West im Anschluss sein ganzes Album über den Haufen. Der Inhalt wäre zu heikel gewesen, wie ihm erst nach dem Sturm der Entrüstung über den Sklaverei-Kommentar bewusst worden sei. Vielleicht liegt es daran, dass «Ye» nun ein sehr introvertiertes, nachdenkliches Album geworden ist.

Der Opener ist ein ziemlicher Schocker: «Heute hab ich darüber nachgedacht, dich zu töten», trägt er darin mit ruhiger Stimme vor. «Ich liebe mich selbst viel mehr als dich und wollte mich umbringen – also glaub mir: Heute hab ich darüber nachgedacht, dich zu töten.» Statt von fetten Beats wird das morbide Geständnis nur von einer gespenstischen Synth-Fläche begleitet. Alleine das Intro ist Gänsehaut pur.

Im Laufe des Albums philosophiert Kanye über seine bipolare Störung, die er nicht als Last sondern als «Superkraft» sieht («Yikes»), denkt laut darüber nach, seine Ehefrau Kim Kardashian zu betrügen («All Mine») und beichtet seine Unsicherheit im Umgang mit den Medien («Wouldn't Leave»). So viel Selbstkritik hätte niemand vom vermeintlich narzisstischsten Rapper unsere Zeit erwartet. Diese introspektive Ehrlichkeit in Kombination mit den verhältnismäßig sanften Arrangements macht «Ye» zu einem fast schon meditativen Werk.

Kanye ist jetzt auch ein Schneeflöckchen

Trotzdem hat Kanye seinen Humor nicht ganz verloren, wie bereits die Single «Lift Yourself» (der Rap-Part besteht nur aus Nonsense wie «Whoop-di-scoop-di-poop») zeigte. Der Song war wohl eher ein Scherz und landete schlussendlich auch nicht auf dem Album.

Dort erkennt man den Ye'schen Schalk dafür an Zeilen wie «Ich liebe deine Brüste, denn sie beweisen, dass ich mich auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren kann». Und obwohl «Ye» relativ in sich gekehrt klingt, gibt es mit «All Mine» trotzdem noch einen ziemlich eingängigen Party-Song.

«Ich hasse es, bipolar zu sein. Es ist großartig!», lautet der Schriftzug auf dem Cover von «Ye», das er angeblich einen Tag vor dem Release mit seinem Smartphone schoss. Das Album zeigt Kanye von einer sensiblen, geläuterten Seite. Damit befindet er sich auf Augenhöhe mit der überempfindlichen Generation Snowflake, was seine Fangemeinde einmal mehr spalten wird. Selbst mit einem versöhnlichen Werk polarisiert Kanye und genau das macht ihn aus.

Weil es (noch) kein Video zu einer «Ye»-Single gibt, legen wir dir hier diese fantastische Performance von «All Day» ans Herz. (Quelle: Youtube / Kanye West)

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sylvie am 06.06.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Typ gehört eingesperrt!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sylvie am 06.06.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Typ gehört eingesperrt!!!