«Jukebox»

12. Mai 2020 08:41; Akt: 12.05.2020 08:59 Print

Diese Hits schrieb eine Maschine

Die unabhängige wissenschaftliche Organisation Open AI hat ein neurales Netzwerk programmiert, das moderne Musik computergeneriert. Das Ergebnis ist verblüffend.

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Als die ersten Töne des Interpreten «Jukebox» durch die Kopfhörer strömen, klingt das Lied noch nicht verblüffend. Vertraute Beats unterstützen eine poppige Stimme, die jener von Katy Perry oder Ariana Grande ähnelt. Der Songtext ist zwar etwas schwierig zu verstehen, aber auch das macht im ersten Moment nicht stutzig. Erst als die Stimme abrupt lauter wird und es zu einem seltsamen Übergang in der Background-Musik kommt, fällt auf, das mit diesem Song etwas nicht stimmt.

Denn eigentlich ist es gar kein Song – jedenfalls keiner, der von einem Musiker komponiert wurde. Bei «Jukebox» handelt es sich nämlich um ein neurales Netzwerk, das eingängige Lieder aus bereits bestehenden Liedern aller möglicher Genres komponiert. So beispielsweise diesen Song, der im Stil von Simon & Garfunkel geschrieben wurde.

1,2 Millionen Songs analysiert

Zwar gibt es bereits seit rund 50 Jahren Musik, die von Computern generiert wurde. Allerdings war es laut MIT Technology Review bisher um einiges einfacher, ein Lied automatisch zu generieren, das klassische Musik nachahmt, wie beispielsweise Johann Sebastian Bach sie geschrieben hat. Schwieriger ist es, Pop-, Rock- oder Country-Musik nachzustellen. Das komme daher, dass klassische Musik oft einem mathematisch verständlichen Schema folge, während andere Musikstile freier in ihrer Komposition sind.

Nun hat die unabhängige wissenschaftliche Organisation Open AI eine künstliche Intelligenz programmiert, die 1,2 Millionen Songs analysiert hat. Mithilfe eines neuralen Netzwerks konnten auf diese Weise gewisse sich wiederholende Melodien erkannt werden, die in moderner Musik immer wieder vorkommen. Diese wurden schließlich in neue Lieder umgeschrieben, wie beispielsweise dieses, das an die Heavy-Metal-Band «Rage» erinnert.

Dass es sich nicht um normal komponierte Lieder handelt, fällt beim Hören schnell auf. Dennoch klingen die Songs auf unheimliche Weise vertraut. Es fällt leicht, sich vorzustellen, dass mit ein wenig mehr Zeit und etwas futuristischerer Technologie die Grenzen zwischen menschen- und computergenerierter Musik bald verschwimmen könnten.

Dies wirft allerdings neue Fragen auf, die bis anhin kein Thema waren, so möchte Open AI nicht nur neue Songs mit Computern erschaffen, sondern auch erforschen, welchen Einfluss künstliche Intelligenz in Zukunft auf geistiges Eigentum haben wird. «Jukebox» ist nur ein erster Schritt in diese Richtung.

(L'essentiel/Dominique Zeier)

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