Faber

31. Oktober 2019 07:52; Akt: 31.10.2019 08:09 Print

«Ich war die letzten sechs Jahre besoffen»

Am Freitag veröffentlicht Julian Pollina (26) alias Faber sein zweites Album «I Fucking Love My Life». 20 Minuten sprach mit dem Zürcher über ebendieses Leben als gefeierter Musiker.

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Ihm gings «verschissen»

«Die letzten beiden Jahre waren wirklich verschissen. Ich hatte mega Liebeskummer, es gab Todesfälle in der Familie. Darum habe ich in dieser Zeit durchaus laut dem Albumtitel ‹I Fucking Love My Life› gelebt, um das alles nicht zu sehr an mich heranzulassen.»

«Aktuell bin ich in der Emo-Phase»

«Ich hatte also so etwas wie eine zweite Jugend: Zuerst ist mega viel Scheiß passiert, dann musste ich darüber nachdenken und schließlich werde ich erwachsen. Aktuell bin ich aber immer noch in der Emo-Phase.»

«Vielleicht wäre es viel leichter allein» – in «Sag mir wie du heißt Pt. 2» besingt Faber seinen Liebeskummer. (Quelle: Youtube/FABER)

Er trank zu viel ...

«Das gehört vielleicht auch ein bisschen zu diesem Erwachsenwerden: Ich war etwa die letzten sechs Jahre besoffen – und ich will das nicht mehr. Ich habe diese Zeit genossen, aber es ist in Ordnung, wenn diese Phase zu einem Ende kommt.»

«Aus Angst, Müdigkeit oder Überforderung zu trinken, kommt nicht mehr in Frage»

«Ein Schluck vor dem Auftritt ist immer noch okay, aber aus Angst, Müdigkeit oder Überforderung etwas zu trinken, kommt für mich nicht mehr in Frage. Also das sage ich jetzt – die Tour hat ja noch nicht begonnen.»

… und wurde darin bestärkt

«Irgendwann trinkst du nicht mehr aus Spaß. Irgendwann – und das passiert in der Musikszene häufig – machst du es, weil dir gewisse Dinge unangenehm sind, weil du Schiss hast, ein Konzert zu spielen, oder weil es dir nicht gut geht.»

«Das ist sehr übel von der Musikindustrie»

«Und alle sagen dir ohne Scheiß: ‹Sauf einfach eins, dann gehts.› Das ist sehr übel von der Industrie, dass die Schwäche, die man vielleicht eh schon ein bisschen hat, so hart ausgenutzt wird.»

«Ich bin so dumm, ich weiß nicht mal, wer ich bin»: «Generation YouPorn» vom neuen Faber-Album «I Fucking Love My Life». (Quelle: Youtube/FABER)

Er weiß nicht, ob er den Fame mag

«Ich habe gemerkt, dass mir die Aufmerksamkeit durch Faber gar nicht so liegt. Dadurch fühle ich mich manchmal beobachtet. Alles, was ich sage, wird gleich auf die Goldwaage gelegt, es wird kommentiert und es wird darüber geurteilt.»

«Aufmerksamkeit ist schon schön, aber sie tut einem unter Umständen gar nicht so gut – wenn du die mal hattest und sie dann weg ist. Ich fürchte mich davor, dass ich sie dann suchen würde.»

«Aufmerksamkeit bekommen ist wie eine Sucht»

«Das ist wie bei allem, das toll und dann plötzlich fort ist. Es ist wie eine Sucht. Ich habe darüber schon oft und lange nachgedacht – und bin noch immer zu keinem Schluss gekommen.»

Auf Mundart ist er verletzlicher

Der Albumcloser «Heiligabig ich bin bsoffe» ist das erste und bislang einzige Mundartlied von Faber. Geschrieben hat Julian es vergangenes Jahr fürs Weihnachtsspecial von Evelinn Trouble (30).

«Eigentlich hätte sie nur 15 Sekunden gebraucht, aber ich habe für mich dann den ganzen Song gemacht. Warum genau er auf Schweizerdeutsch ist, kann ich auch nicht sagen – ich wusste einfach, dass er nicht meiner gewohnten Linie folgen sollte.»

«Alles, was mir heilig isch, bisch du. La mi nöd ellei»: So klingt Faber auf Schweizerdeutsch. (Quelle: Youtube/FABER)

«Er hätte zunächst auch gar nicht aufs Album gesollt, aber ich fand den Chor so schön. Und er ist eine sehr ehrliche, wenn auch überspitzte – ich nehme ja nicht acht Xanax, dann wäre ich tot – Abhandlung des letzten Jahres.»

«Das Hochdeutsch bildet eine dünne Schutzmauer zwischen mir und dem Publikum»

«Ich hätte nicht gedacht, dass es einen Unterschied machen würde, ob ich auf Mundart oder Hochdeutsch singe, aber ich finde, es kommt nochmals ungefilterter daher. Es ist nicht künstlich, wenn ich Hochdeutsch rede und singe – aber ein ganz wenig anders bin ich dadurch schon. Ich habe eine dünne Schutzmauer zwischen mir und dem Publikum.»

Er schämte sich beim Fotoshooting

«Die Königsdisziplin der Selbstinszenierung ist ja, wenn du dich nicht mehr gut, sondern einfach nur noch darstellen willst. Darum haben wir selbst Paparazzi-Fotos inszeniert», erklärt Julian die Ästhetik des Album-Artworks, «ich fand diese Idee so lustig, habe sie aber völlig unterschätzt.»

Zwei Seiten aus dem «I Fucking Love My Life»-Booklet. (Bild: Universal Music)

«Denn: Man muss diese unangenehmen Motive wirklich umsetzen. Und die sind eben wirklich unangenehm, auch wenn du weißt, dass du es fürs Album machst und es nicht echt ist.»

«Vor ein Casino kotzen, ist fucking unangenehm»

«Tu mal so, als würdest du vor ein Casino kotzen, das ist fucking unangenehm. Wir wurden etwa sieben Mal rausgeschmissen, weil du darfst natürlich keine professionellen Fotos im Casino machen, du darfst natürlich nicht vor ein Casino in Monte Carlo kotzen, du darfst dich auch nicht vor ihre Autos stellen und Fotos von dir schießen lassen.»

(L'essentiel)

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