Musik-Phänomen

03. September 2018 08:01; Akt: 03.09.2018 08:01 Print

Warum fahren gerade alle so krass auf K-​​Pop ab?

Wieso ist das Thema K-Pop eigentlich gerade in aller Internet-Munde? Weil die koreanischen Pop-Acts alles richtig machen, was es im Mainstream-Musikgeschäft richtig zu machen gibt.

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Hip-Hop, Reggaeton und Vocal-House dominieren zwar die Charts, das am meisten thematisierte Musik-Genre dieses Jahr aber ist zweifellos K-Pop.

Warum fährt die Welt – oder zumindest das Internet – so krass auf koreanische Popmusik, wie sie BTS, BlackPink oder Wanna One machen, ab? Wir wagen einen Erklärungsversuch in sieben Punkten.

1. Die meinen das ernst

Zwar sieht alles nach Fun, Ausflippen und Zuckerwatte aus, aber erfolgreiche K-Pop-Bands bestehen nicht aus Jungs und Mädels, die einfach mal die Sau rauslassen. Südkoreanische Plattenfirmen stellen die Gruppen zusammen, trainieren sie und lassen sie erst auf die Bühne, wenn ihr Auftreten und ihre Auftritte perfektioniert sind. K-Pop ist dann zu ihrem Lebensinhalt geworden und diese Identifikation überträgt sich auf ihre Fans.

2. Sie machen Alben wie Spotify-Playlists

K-Pop als Genre zu bezeichnen, ist eigentlich falsch, es handelt sich nämlich einfach um populäre Musik aus Südkorea. Einem festen Genre unterwerfen sich die Bands nämlich nicht, von Taylor-Swift-Pop über «Fast & Furious»-Trap bis Street-Parade-Rave ist alles dabei – meistens auf demselben Album. Damit machen die Acts Musik, die das sprunghafte Youtube- und Spotify-Konsumverhalten ihrer jungen Hörerschaft repräsentiert.

K-Pop darf alles – auch kaugummiverklebte Chiptunes wie hier bei Red Velvet. (Quelle: Youtube/SMTOWN)

3. Sie sind Ohrwurm-Brutstätten

Sperrige Melodien und Refrains, die sich nicht schon beim ersten Hören im Ohr einnisten, gibt es beim K-Pop nicht. Die Sprachbarriere durchbrechen die Bands mit geschickt eingeflochtenen englischen Ausdrücken oder mitsingtauglichen «Oh yeah»s und «Dü-Dü-Dü»s. Das zeigt auch schonungslos auf, dass der Text eines Popsongs in der Regel mehr schmückendes Beiwerk als tragendes Element ist.

Der Songtitel ist bei BlackPink Programm: «Ddu-Du Ddu-Du». (Quelle: Youtube/BLACKPINK)

4. Sie tragen supersimple Namen

Genauso eingängig und leicht merkbar sind die Namen der Bands: BTS, BlackPink, Wanna One, Twice, Red Velvet, EXO, Girls' Generation, JBJ, Seventeen, GFriend, Super Junior, Girl's Day, Highlight, Infinite oder Apink. Entweder werden drei, vier Buchstaben aneinander gereiht oder Ausdrücke kreiert, die so simpel sind, dass sie auch Detlef D! Soosts «Popstars»-Hirn entspringen könnten (never forget: No Angels, BroSis und Overground).

5. Ihre Videos sind eine LSD-Ersatzdroge

Die Produktions-Standards von K-Pop-Musikclips treiben der der meisten Netflix-Originalfilme die Schamesröte ins Gesicht. Gedreht wird in der Regel im Studio und am Computer kommen die Filter, Effekte und Abgedrehtheiten dazu, welche die Outfit- und Haarfarb-Kombis, Kamerafahrten und Gruppen-Choreos noch betörender erscheinen lassen. Wer sich eine Stunde lang K-Pop-Videos gibt, spart sich locker den Gang zum LSD-Dealer.

«Idol» von BTS hält neu den Rekord der meisten Youtube-Klicks eines Musikvideos innerhalb der ersten 24 Stunden nach Release. Und der Clip ist trippy as hell. (Quelle: Youtube/ibighit)

6. Sie bieten das ganze Programm

Apropos Choreos: Die sind pro Video nicht nur aufwendiger als die einer ganzen Staffel «Let's Dance», die Gruppen haben sie auch live drauf. Und kaum etwas reißt an einem Konzert derart mit wie synchrone Tanzeinlagen – dass der Gesang bei so viel Rumgeturne eher ab Tonband statt aus dem Mund kommt, wird da schnell zur Nebensache.

Eine fehlerfreie Tanzchoreo mit neun Bandmitgliedern? Für K-Pop-Acts wie Twice ein ganz normaler Tag im Büro. (Quelle: Youtube/Skpb K-Music Live [VOD])

7. Sie sind Social-Media-Maschinen

Musik und Show sind mittlerweile nur noch die halbe Popstar-Miete, (vermeintlich) private Einblicke ins Leben der Bands gehören 2018 genauso zum Erfolgsrezept. Die Instagram-Followerschaft der größten K-Pop-Exponenten wie der Mitglieder von BTS, BlackPink oder EXO bewegt sich darum gerne im zweistelligen Millionenbereich und viele der Popstars haben schon mehrere Hundert Beiträge rausgehauen. Fans bekommen für ihren Follow eine Menge Content geboten – so geht Kundenbindung.

Ein Beitrag geteilt von EXO_CY (@real__pcy) am Jul 21, 2018 um 5:19 PDT

Chanyeol (25) von EXO hat über 15,2 Millionen Insta-Follower und zeigt diesen unter anderem, wie er trainiert. Das Video hat bald fünf Millionen Plays. (Quelle: Instagram/real__pcy)

(L'essentiel/shy)

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