«Telling Lies»

10. Oktober 2019 07:48; Akt: 10.10.2019 11:47 Print

Cleverer Game-​​Thriller kombiniert Spiel und Film

Der Mix aus Realfilm und Videogame steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Trotzdem ist das Krimi-Game «Telling Lies» ein großer Schritt vorwärts.

Höhepunkt einer Entwicklung: «Telling Lies». (YT)

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Das Crossover von Videogame und Spielfilm respektive Game und TV-Serie wurde immer wieder versucht. Meistens endete es in einem Desaster. Vor allem die Filmsequenzen konnten dabei selten überzeugen – und als Folge davon wurde auch das Game-Erlebnis in Mitleidenschaft gezogen. Seit zwei, drei Jahren jedoch mehren sich Beispiele, bei denen die Symbiose erstaunlich gut funktioniert. Etwa «Late Shift», «The Bunker» oder kürzlich auch «Erica».

Der interaktive Krimi «Telling Lies» ist nun der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Das Game überzeugt mit einer cleveren Story, bietet spannende Detektivarbeit und durchaus passable schauspielerische Leistungen. Bereits sehen erste Experten dank diesem auch in Insiderkreisen abgefeierten Game den Durchbruch für das neue Format, denn ein Erlebnis wie in «Telling Lies» kann kein anderes Medium bieten.

Könner am Werk

Ein Blick zurück: 2015 veröffentlichte der britische Game-Designer Sam Barlow mit «Her Story» das bis dato beste Full-Motion-Video-Game. Darin wühlt man sich in einer Polizeidatenbank durch Videos von einem Verhör mit einer jungen Frau.

Mit «Telling Lies» liefert Barlow nun einen würdigen Nachfolger – professioneller, cleverer und aufwendiger. Dabei bleibt sich das Prinzip größtenteils treu: Man spielt sich diesmal durch einen PC, auf dem eine gestohlene NSA-Datenbank mit Videomaterial liegt. Per Suchmaske lassen sich die vielen Stunden von Videoaufnahmen nach Schlagworten durchsuchen. So kann man Filme der Hauptfiguren anschauen und muss das Rätsel lösen, beziehungsweise die Beziehung der Figuren untereinander ausloten. Allerdings bekommt man immer nur eine Seite der Konversation zu sehen – das steigert die Spannung. Zumal die ganze Geschichte aus einem dichten Geflecht aus merkwürdigen Beziehungen, Lügen und Abhängigkeiten besteht.

Überzeugen kann «Telling Lies» durch seine Schauspieler, die sich nicht hinter ihren Kollegen von normalen Film- und TV-Produktionen verstecken müssen. Auch die Produktionsqualität kann mithalten; und nicht zuletzt lebt das Spiel vom gleichen Gut, das jeden erfolgreichen Film oder jede erfolgreiche Serie ausmacht: einem cleveren Drehbuch.

Tatsächlich hat man nie das Gefühl, dass hier einfach ein Game mit ein paar Filmsequenzen aufgemotzt wurde, wie das bei bisherigen Crossover-Spielen oft der Fall war. Barlows Spiel überzeugt als Symbiose, bei der beide Parts – Gameplay und der Film – gleichermassen überzeugen.

Noch nicht perfekt

Dass das Format dennoch erst in den Kinderschuhen steckt, ist trotzdem klar. Das Potenzial jedenfalls scheint riesig, und auch «Telling Lies» hat noch Luft nach oben: Nicht alles in der Datenbank führt die Geschichte auch wirklich sinnvoll weiter. Stellenweise ist der Game-Krimi ein wenig zu komplex und führt zu einer Überforderung des Spielers. Auf der anderen Seite durchschaut man die nicht sonderlich originelle Story hinter dem Ganzen ab einem gewissen Zeitpunkt dann doch. Nichtsdestotrotz: Man darf gespannt sein, was die Symbiose aus Videogame und Spielfilm in den kommenden Monaten und Jahren noch alles hervorbringen wird.

(L'essentiel/str)

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