Mercedes-Benz

22. November 2020 19:18; Akt: 22.11.2020 19:37 Print

Der 350 SL ist ein Klassiker ohne Allüren

Der Nachfolger der Pagode war mit Sicht auf den amerikanischen Markt als Sicherheitssportwagen entwickelt worden. Und er gefiel anfänglich nicht allen.

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Die Freunde der Pagode, so nannte man den Vorgänger W113 - erhältlich zuerst als 230 SL, danach als 250 SL und 280 SL - konnten mit dem protzigeren und schwerfälligeren Mercedes-Benz 350 SL der Baureihe R107, vorgestellt am 17. April 1971, anfänglich nicht viel anfangen. Dabei war er eigentlich weniger stark gewachsen, als es die Optik erahnen ließ. Elf Zentimeter Längen- und drei Zentimeter Breitenwachstum, das war doch eigentlich verkraftbar, sollte man meinen. Doch nicht nur das Gewichts- und Größenwachstum wurden kritisiert, sondern auch die Linienführung. Fast 50 Jahre später kann man dies kaum mehr glauben. Nicht nur wurde der R107 der erfolgreichste SL bis dahin, er überzeugt vor allem noch heute durch einen klassischen und eleganten Auftritt. Und man sieht ihn sogar noch häufig im modernen Alltagsverkehr.

Wohlbekannt aus dem Fernsehen

Man erkennt ihn sofort, wie könnte man ihn auch vergessen? Schließlich sah man ihn nicht nur auf der Straße, sondern häufig auch im Kino oder im Fernsehen, etwa aus der Fernsehserie Dallas. Man gewöhnte sich damals schnell an den neuen 350 SL, denn er hatte viele Vorzüge gegenüber seinen Vorgängern zu bieten, allen voran deutlich mehr Sicherheit und Komfort.

Ganz freiwillig hatte Daimler-Benz die Sicherheit des Wagens damals nicht gesteigert, denn aus Amerika drohten rigide Vorschriften, die das Vollcabriolet auszurotten drohte. Anfänglich kostete der 350 SL 40’500 Euro, allerdings ohne Automatik, Radio oder Hardtop.

Kein Sportwagen

Zwar bot der 350 SL durchaus konkurrenzfähige Fahrleistungen. 8,4 Sekunden für den Spur von 0 auf 100 km/h und 215,6 km/h Spitze waren schließlich nicht von schlechten Eltern. Da aber viele Kunden (man sprach damals von 60 %) die 4-Gang-Automatik-Version der Handschaltversion mit gleich vielen Übersetzungen vorzog, mussten sie sich mit 11,0 Sekunden für den Standardsprint und 211,8 km/h Spitze bescheiden, wenn sie nicht in die Schaltvorgänge eingriffen.

Wegen seines kurzen Radstands (2460 mm) und der kopflastigen Natur entpuppte sich der 350 SL als stark untersteuernder Wagen, der in Kurven schnell ins Gegenteil wechseln konnte, wenn man das Gas lupfte oder die Haftung abriss. Nicht ganz ins Bild des fortschrittlichen Tourensportwagens wollte der Verbrauch passen, denn gegen 20 Liter Super pro 100 km waren nicht die Ausnahme.

Klassiker ohne Allüren

Zum 350 SL gesellten sich schon bald ein 280 SL und ein 450 SL, auch eine deutlich längere Coupé-Version (SLC) kam dazu. Erst 1980 wurde der 350 SL durch den etwa hubraumstärkeren 380 SL abgelöst, bis dahin wurden 15’304 3,5-Liter hergestellt. Bis 1989 wurde die Baureihe R107 gebaut.

Wer schon einmal Mercedes gefahren ist, kommt mit dem 350 SL auf Anhieb zurecht. Der Motor startet auf Anhieb, die acht Zylinder sind sofort hörbar. Die seltene Viergang-Handschaltung wirkt ein wenig haklig, lässt sich aber nach kurzer Angewöhnungsphase gut schalten. Die Servolenkung unterstützt und macht das Cruisen angenehm. Man schätzt die formidablen Platzverhältnisse und kann offen überhaupt nicht nachvollziehen, warum man dem R107 einst mangelnde Übersichtlichkeit zur Last gelegt hatte. Wer es nicht zu sportlich angehen lässt, fühlt kaum Unterschiede zu späteren Modellen der Baureihe, der Komfort ist wegen der Siebzigerreifen sogar noch besser. Und rot sieht er doch wirklich fesch aus, nicht wahr? Wir jedenfalls haben uns fast ein wenig in den klassischen Benz verliebt.

(L'essentiel/Bruno von Rotz)

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