Probefahrt

24. Juli 2020 12:51; Akt: 24.07.2020 12:55 Print

Elektro-​​Spaß auf hohem Niveau

Die amerikanische Marke Zero bietet bereits mehr als zehn Jahre Elektromotorräder an. Spitzenmodelle sind die neue SR/F und ihre Schwester SR/S.

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Geht man von den ersten Fahreindrücken mit der SR/F und der SR/S aus, schaffen es die neuesten Produkte der amerikanischen E-Motorrad-Marke Zero spielend, sich in den Punkten Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Ladezeiten und Fahrzeuggewicht an die Spitze der E-Motorräder zu setzen. Und das für vergleichsweise eher günstige Tarife, was aber immer noch einen Preis ab fast 20.500 Euro bedeutet.

Wer sich die neuen Modelle im Detail anschaut, darf sich über eine vorzügliche Verarbeitungsqualität und hochwertige Materialien sowie gute Komponenten bei Fahrwerk und Bremsen freuen. Zudem sind E-Motor, Akku und das Energiekontroll-Management inzwischen auf einem hohen Niveau angekommen. Die Dauerleistung des Motors beträgt 40 kW (54 PS), die offizielle Maximalleistung liegt bei 82 kW (110 PS). Zugunsten der Reichweite wird das Höchsttempo auf 200 km/h begrenzt. Mit der nutzbaren Akkukapazität von 12,5 kWh liegt die Praxis-Reichweite im gemischten Verkehr je nach Sensibilität der Fahrerhand zwischen 140 und 175 Kilometern. Das liegt auf dem Niveau der Harley-Davidson Livewire (13,6 kWh nutzbar, 80 kW Leistung, ab 34.000 Euro), während die wesentlich schwerere Energica Eva EsseEsse9+ (18,9 kWh nutzbar, 80 kW Leistung, ab 24.300 Euro) mehr Reichweite bietet.

Tadelloses Fahrwerk

Im Fahrbetrieb stellt sich schnell heraus, dass die Kombination aus dem extrem durchzugsstarken E-Motor und dem vergleichsweise niedrigen Gewicht von 220 Kilogramm den größten Vorteil der Zero SR/F darstellt. Sie lässt sich ausgesprochen leichtfüssig fahren und erscheint weniger frontlastig als andere E-Motorräder. Damit gestaltet sich auch das Befahren kurvenreicher Strecken lustvoll. Der Druck des 110 PS leistenden Triebwerks ist dem jedes üblichen Verbrenners bis mindestens 160 PS überlegen.

Sehr gut gelöst hat Zero die Abstimmung des Controllers, der das Motormanagement regelt. Die Leistung wird sehr feinfühlig abgegeben, nichts ruckelt und zuckelt. Auch die Rekuperation, also die Stromrückgewinnung beim Verzögern, arbeitet vorteilhaft: Sie ist abhängig vom gewählten Fahrmodus. Vier davon stehen zur Auswahl, sie unterscheiden sich deutlich voneinander.

Die Ausrüstung der SR-Baureihe mit Showa-Fahrwerkselementen ist gelungen: Das Ansprechverhalten der vollständig einstellbaren USD-Gabel ist sensibel, beim ebenfalls voll einstellbaren Zentralfederbein wirkt sich der füllige Federweg von 14 Zentimetern vorteilhaft für den Komfort aus. Die Fahrstabilität ist bei Landstraßentempi untadelig. Kurven umrundet die Zero SR/F absolut stabil, ein nennenswertes Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven ist nicht feststellbar.

Auch die Bremsen gefallen. Das Ansprechverhalten der vorderen, groß bemessenen Radialanlage ist einwandfrei, die Wirksamkeit ebenfalls tadellos. Auch die Wirkung des schräglagenoptimierten Bosch-ABS stellt absolut zufrieden. Insgesamt hat die Bremsanlage mit dem relativ leichtgewichtigen Elektrobike leichtes Spiel.

Schneller laden kostet extra

Gut gelöst haben die Entwickler auch den Punkt Ergonomie. Der Kniewinkel ist entspannt, die Fahrerbreite günstig gewählt, die Fußrasten sind gut platziert. Auch bieten die Spiegel der F-Version ordentlichen Rückblick. Bei der verkleideten S, deren Sitzposition etwas sportlicher ausfällt, sind die Spiegel tiefer montiert, der Rückblick ist dadurch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Bedienung der Schalter und Hebel erschließt sich leicht, auch die Bedienung des Bordcomputers im übersichtlichen TFT-Display lässt sich innerhalb einiger Fahrten erlernen. Die Ablesbarkeit des Instruments ist ausgezeichnet. Auch der LED-Doppelscheinwerfer – bei der S-Version gibt es vier einzelne Leuchten – inklusive Tagfahrlicht ist gelungen. Die Aerodynamik der F-Version ist für ein Naked Bike gut, die kleine Hutze vor dem Display bricht den Winddruck erstaunlich wirkungsvoll. Der Windschutz auf der S ist erwartungslaut fülliger – sie ist aber auch lauter.

Die Ladeprozedur ist bei der Zero SR (F wie S) vergleichsweise einfach: Serienmäßig ist ein 3-kW-Lader installiert, mit dessen Hilfe der Akku an Level-2-Ladestationen wie auch an der Haushaltssteckdose in vier Stunden zu 95 Prozent geladen sein soll. Beim optionalen Premiumpaket wird ein zweites 3-kW-Ladegerät installiert, was die Ladezeit halbiert. Wer dann noch den 6-kW-Zusatzlader draufsattelt, verliert zwar das Ablagefach unter der Tankattrappe und steigert zugleich das Fahrzeuggewicht auf etwa 232 Kilogramm, gewinnt dafür aber die Möglichkeit, den Akku an einer passenden Säule innerhalb einer Stunde auf 95 Prozent zu bringen. Die letzten 5 Prozent dauern aus Gründen der Batterieschonung in jedem Fall 30 Minuten. Unverständlich ist, dass Zero seine Bikes ohne jedes Ladekabel ausliefert. Darüber hinaus fällt nur eine Kleinigkeit auf, die an Zero SR/F und SR/S nicht ins Bild passt: Es sind die mit Glühlampen bestückten Blinker (SP-X).

(L'essentiel/Ulf Böhringer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tiptop sou eppes am 26.07.2020 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wenigstens kein Lärm, wenn sie im Rudel fahren und es riecht nicht nach Abgasen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tiptop sou eppes am 26.07.2020 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wenigstens kein Lärm, wenn sie im Rudel fahren und es riecht nicht nach Abgasen.