VW Golf I Cabriolet

10. August 2020 09:04; Akt: 10.08.2020 09:05 Print

Himmel und Henkel

Der Überrollbügel war beim VW Golf Cabriolet von Anfang an ein Stein des Anstoßes. Aber mit der Zeit gewöhnten sich die Besitzer daran, schließlich er auch Vorteile.

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Offene Volkswagen haben eine lange Tradition. Bereits 1938 wurde das erste Käfer-Cabriolet gesichtet, offiziell gab es ab 1949 sowohl eine 2+2-sitzige Hebmüller-Version, die allerdings nur ein Jahr lang gebaut wurde, als auch das viersitzige bei Karmann gebaute Cabriolet. Als 1977 die ersten Bilder vom kommenden VW Golf Cabriolet in der Presse erschienen, da verkaufte sich das Käfer-1303-Cabriolet noch ganz hervorragend. Dass Volkswagen trotzdem am Nachfolger arbeitete, lag auch daran, dass der Käfer schlecht dafür gerüstet war, die scharfen Abgasnormen der Amerikaner zu erfüllen, ein Problem, welches der Golf nicht hatte. Und so schnitt man dem Golf das Dach ab und verpasste ihm eine Stoffkapuze. Auf einen Überrollbügel (im Volksmund «Henkel» genannt) schien man, für viele Beobachter überraschend, verzichten zu wollen.

Doch mit Bügel

Fast genau zwei Jahre später und gerade rechtzeitig zum 30. Geburtstag des offenen Käfers wurde dann das Golf Cabriolet enthüllt, und nun trug es diesen ominösen Überrollbügel. Umfangreiche Versteifungsmaßnahmen waren nötig, um den Golf cabriolettauglich zu machen, 130 kg mehr wog der offene Golf als sein geschlossener Bruder. Immerhin konnte dafür die Sitzmasse beibehalten werden, und selbst der Kofferraum hatte mit nun 280 Litern immer noch ausreichend Volumen. Das mehrschichtige Dach erlaubte dank umfangreicher Fütterung den Ganzjahresbetrieb.

Ab Mai 1979 wurde der offene Serien-Golf erwartet, ausgerüstet mit dem 1,5-Liter-70-PS- oder dem 1,6-Liter-110-PS-Motor. Nur günstiger als das Käfer-Cabriolet, wie 1977 noch erwartet, wollte der Golf nun nicht mehr sein, trotzdem erwarteten die Karmann-Leute 60 produzierte Autos pro Tag.

14 Jahre lang

Bis 1993 wurde das erste Golf-Cabriolet gebaut, über 300.000-mal. Einiges wurde über die Zeit angepasst und verbessert, so gab es ab Mitte der Achtzigerjahre Katalysatormotoren und wenig später an den Zeitgeschmack angepasste, in Wagenfarbe lackierte Stoßfängerverkleidungen und Verbreiterungen. Trotzdem blieb sich der Golf treu und sorgte für zuverlässige Fortbewegung bei jedem Wetter.

Erdbeerkörbchen in Fahrt

«Erdbeerkörbchen» wurde das Golf-Cabriolet wegen seines Henkels oft etwas abschätzig genannt. Natürlich wirkt der Wagen auch heute im Vergleich zu einem Alfa Spider oder einem Mazda MX-5 weniger elegant. Aus Fahrersicht spielt dies allerdings kaum eine Rolle, denn schließlich schaut man meist nach vorne. Und am liebsten nutzt man das Golf I Cabriolet, das heute in den meisten Fällen bereits Oldtimer oder aber zumindest ein alter Youngtimer ist, natürlich mit versenktem Dach.

Fahrerisch unterscheidet sich die offene Golf-Version wenig von einem «normalen» Golf I. Die Rundumsicht ist – nach vorne und zur Seite – gut, nur das Rückwärtsfahren macht etwas mehr Mühe. Der fast 100 PS starke Golf beschleunigt sportlich und hat genügend Temperament für alle Lebenslagen. Aus heutiger Sicht ist er trotz fast 1100 kg ein Leichtgewicht. Dank kompakter Dimensionen ist ihm keine Straße zu schmal, und enge Landstraßen werden zum reinen Vergnügen. Der Vierzylindermotor kann es an Musikalität zwar nicht mit dem «Cuore Sportivo» von Alfa Romeo aufnehmen, aber er tönt angenehm im Ohr und wird nie störend. Das Fünfganggetriebe lässt sich gut schalten, und auch die Zahnstangen-Lenkung vermittelt genügend Bodenkontakt. Eigentlich hätte der Golf I als Cabriolet gar nie eines Nachfolgers bedurft, aber das sagte man ja auch vom Käfer-Cabriolet bereits.

Weitere Informationen, viele Bilder und historische Verkaufsliteratur zum VW Golf 1 Cabriolet gibt es auf www.zwischengas.com.

(L'essentiel/Bruno von Rotz )

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