Opel-Zukunft

20. August 2019 09:13; Akt: 20.08.2019 09:13 Print

Muss man sich um Opels Zukunft sorgen?

Opel gibt PR-Vollgas. Doch der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer warnt vor falschen Hoffnungen.

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«Unser Comeback ist gut gelungen», freute sich Opel-Chef Michael Lohscheller Ende Juli. «Wir wachsen profitabel und nachhaltig.» Grund der Freude: Nach jahrelangen negativen Schlagzeilen sorgte Opel Ende Juli mit den Halbjahreszahlen endlich wieder für ein positives Ausrufezeichen.

Denn zwei Jahre nach der Übernahme durch die Groupe PSA (Citroën, DS, Opel, Peugeot und Vauxhall) trugen die Rüsselsheimer im ersten Halbjahr 2019 rund 700 Millionen Euro zum Betriebsergebnis des französischen Konzerns bei – das entspricht einem Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Was auf den ersten Blick so positiv klingt, hat aber auch Schattenseiten. «Opel hat seine Verluste durch ein rigoroses Jobabbau-Programm abgebaut», warnt der deutsche Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Bei der Übernahme durch PSA im August 2017 hatte Opel in seinen deutschen Werken 19.300 Mitarbeiter und plante bis zum Jahr 2023 in Deutschland 6380 Jobs abzubauen.

30 Prozent höherer Aufwand bei Opel

Nach neusten Analysen des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen könnten das aber deutlich mehr werden. «Denn der Aufwand pro Mitarbeiter ist nach unseren Daten bei Opel-Vauxhall etwa 30 Prozent höher als bei Peugeot-Citroën-DS in Frankreich», so Dudenhöffer. Darum macht es für PSA-Chef Carlos Tavares natürlich am meisten Sinn, in erster Linie Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. «Für die Arbeitnehmer in Deutschland konnte Tavares damit zur Schreckensfigur werden», warnen die Auto-Analysten des CAR.

Dabei gehen Tavares und Lohscheller sehr behutsam vor. «Beispielhaft ist das erkennbar an der Verkleinerung des Warenverteilzentrums in Rüsselsheim», heißt es im neusten Bericht des CAR. So wurde vergangene Woche nach Presseberichten über den Personalabbau im Rüsselsheimer Warenverteilzentrum durch einen Opel-Sprecher mitgeteilt, dass künftig nur noch 100 Beschaftigte im Logistik-Center arbeiten werden. Für Dudenhöffer eine sehr subtile, Stück-für-Stück-Verkleinerung von Teileinheiten, um öffentliches Aufsehen zu vermeiden. «Das scheint der Kern, der Opel-Schrumpfstrategie zu sein.»

Davon ist im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt allerdings nichts zu merken. Die Marke mit dem Blitz will Mitte September groß auffahren und vor allem einschlagen. «Auf der IAA zeigen wir bei Opel, wie die automobile Zukunft Realität wird. Bei uns stehen die Kunden und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. Deshalb geben wir nicht einen bestimmten Weg vor, sondern bieten das gesamte Antriebsportfolio – von wegweisenden Elektro- und Hybridantrieben bis zum effizienten Verbrenner», gibt sich Opel-Chef Lohscheller extrem optimistisch. «Alle unsere neuen Modelle sind mit modernsten Technologien ausgestattet – und bereits bestellbar!»

Weltpremieren Corsa und Grandland

Highlights sind die Weltpremieren des Corsa und des Grandland X Hybrid4. Denn der neue Opel Corsa fährt nicht nur als verbrauchsarmer klassischer Verbrenner vor, sondern erstmals auch als batterie-elektrische Variante Corsa-e – und das mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 330 Kilometern laut dem neuen Messzyklus WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure). Der Corsa-e basiert, genau wie die anderen E-Modelle aus dem PSA-Konzern auf einer gemeinsamen Architektur namens CMP (Common Modular Platform). Die ist, anders als zum Beispiel die Milliarden Euro teure Plattform MEB (Modularer Elektrobaukasten) von VW, nicht rein elektrisch ausgelegt, sondern kann auch konventionelle Antriebe aufnehmen. Das spart Kosten.

Als zweite Weltpremiere ist der neue Grandland X Hybrid4 mit Allradantrieb auf dem Opel-Stand zu sehen. Der Plug-In-Hybrid verbindet die Kraft aus einem 1,6-Liter-Turbobenziner und zwei Elektromotoren, die eine Systemleistung von bis zu 300 PS bieten. Der Treibstoffverbrauch beträgt laut WLTP 1,6 l/100 km, die CO2-Emission 37 g/km (vorläufige Werte). Zwei Autos, die laut Ferdinand Dudenhöffer für ein besseres Image sorgen könnten. «Allerdings dürften die genannten Preise für wenig Begeisterung und Verkäufe bei der klassischen Opel-Käufergruppe sorgen. Ein elektrischer Corsa für knapp 30.000 Euro ist mehr als doppelt so teurer wie der Standard-Corsa von heute.»

Sorgen um die Marke Opel

Längerfristig machen sich Dudenhöffer und sein Team große Sorgen um die Marke Opel. «Was Opel genau ist und ausmacht, wird in der Zukunft immer weniger erkennbar werden», warnt Dudenhöffer. «Während Seat, Skoda oder andere VW-Konzernmarken noch immer Eigenständigkeit als Unternehmen besitzen, geht Opel völlig in PSA auf. Oder – wenn man es patriotisch aus deutscher Sicht betrachtet –, eher unter. Die Fahrzeuge werden überwiegend in Paris entwickelt, in Rüsselsheim verfeinert man mit ein paar Designern die Hülle der PSA-Opel. Opel wird so zum Label – für PSA ein profitables Geschäft, für Opel als eigenständige Marke wohl eher das Ende.»

Opel seit 1862

Opel wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und begann 1899 mit der Automobilproduktion. Seit August 2017 gehört Opel zur Groupe PSA. Weltweit sind Opel und die Schwestermarke Vauxhall in mehr als 60 Ländern vertreten und verkauften 2018 über eine Million Fahrzeuge. Gegenwärtig setzt Opel seine Strategie zur Elektrifizierung des Portfolios um. Bis 2024 wird es bei allen europäischen Pw-Baureihen auch eine elektrifizierte Variante geben. Diese Strategie ist Teil des Unternehmensplans Pace! mit dem Opel «nachhaltig profitabel, global und elektrisch» werden will.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dusninja am 20.08.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch, ich hatte schon längst das Gefühl, dass das nur umgebaute PSA-Modelle sind. Haben sie nicht noch vor Jahren mit dem Made in Germany in Frankreich geworben?

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  • jimbo am 20.08.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opel waert keen um Weltmart vermëssen. Wann en aktuell bei Opel schafft, ass et elo un der Zäit sech eng nei Arbecht ze sichen amplatz mei speit mat dausenden Aneren op der Strooss ze kräichen!

  • loshein am 20.08.2019 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    It‘s dead, Jim.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nie mehr einen Franzosen von PSA am 21.08.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schade, hatte 8 Jahre lang PSA Autos und kannte alle Mechaniker mit Vornamen, wechselte dann zu Opel und fuhr 1x pro Jahr in die Wartung. Niemand will einen Franzosen mit deutschem Logo. Qualität verliert.

  • Julie am 21.08.2019 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Opel wird Vorreiter für eine eine Serie von deutschen Automarken die keine Zukunft haben : Schaut euch den Beitrag gestern von Herrn Resch der Deutschen Umwelthilfe betreffend dem Untergang von deutschen Autobauern an !

  • jimbo am 20.08.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opel waert keen um Weltmart vermëssen. Wann en aktuell bei Opel schafft, ass et elo un der Zäit sech eng nei Arbecht ze sichen amplatz mei speit mat dausenden Aneren op der Strooss ze kräichen!

  • loshein am 20.08.2019 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    It‘s dead, Jim.

  • Dusninja am 20.08.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch, ich hatte schon längst das Gefühl, dass das nur umgebaute PSA-Modelle sind. Haben sie nicht noch vor Jahren mit dem Made in Germany in Frankreich geworben?

    • Julie am 21.08.2019 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      Made in Germany wurde ursprünglich von den Engländer eingeführt damit die Leute das nicht kaufen, nach dem Brexit wird genau diese Bedeutung wieder Bestand haben

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