Crahtests

22. Oktober 2018 10:25; Akt: 22.10.2018 12:17 Print

Wie gefährlich sind SUV als Unfallgegner?

Im Ernstfall hat ein Kleinwagen keine Chance gegen einen der großen Geländewagen. Das zeigen verschiedene Crashtests.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es gleicht dem Kampf «David gegen Goliath», wenn es zu einem Unfall zwischen einem SUV und einem Kleinwagen kommt. Das haben Crashtests der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (UDV) gezeigt. Auch in Luxemburg hat die Zahl der großen, schweren «Sports Utilitiy Vehicle» im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen und nahezu jede Automarke hat mittlerweile ein SUV-Modell in ihre Produktpalette aufgenommen.

Im Ernstfall hat ein Kleinwagen gegen einen SUV keine Chance, weil die in einer anderen Gewichtsklasse als beispielsweise ein Opel Corsa kämpfen. Schon bei einem geringeren Tempo richten die hohen Geländewagen deutlich höhere Schäden an, als kleinere Pkw, die weniger Bodenfreiheit mitbringen.

Unterschied von einer Tonne

Ein Test, bei dem ein Seitenaufprall bei Tempo 40 durchgeführt wurde, hat ergeben, dass Kleinwagenfahrer mit schwersten Verletzungen rechnen müssen. «Betroffene erleiden schwerste Rippenfrakturen und Lungenverletzungen. Bei 60 km/h dürften die Insassen eines herkömmlichen Wagens nicht überleben, wenn sie von einem SUV getroffen werden», sagt Unfallforscher Axel Malczyk.

Nicht selten bringen SUV ein Gewicht von zwei Tonnen auf die Straße. Kleinwagen wiegen oft nur die Hälfte. Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden der Kleinwagen in den Tests: die unterschiedliche Höhe der Fahrzeuge. Bei einem Unfall dringt der SUV weiter in seinen Unfallgegner ein. «Ein Crashtest, bei dem ein Fiat 500 und ein Audi Q7 bei Tempo 58 frontal ineinanderfahren, hat gezeigt, dass der Fiat-Fahrer wahrscheinlich nicht überleben wird, während die Fahrgastzelle des Audis vollkommen intakt bleibt», erklärt der Unfallforscher.

Keine «jungen Raser» am SUV-Steuer

Die Forscher schätzen, dass derzeit etwa 40 SUV-Modelle der «gefährlichen Kategorie» zuzuordnen sind. Glücklicherweise seien die großen Geländewagen vergleichsweise selten in Unfälle verwickelt. «Sie werden in der Regel nicht von jungen Menschen gefahren», erklärt der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann. Laut den Forschern verunfallen Fahrer zwischen 46 und 65 Jahren am häufigsten mit einem SUV.

Bei Crashs zwischen einem herkömmlichen Pkw und einem SUV werden rund 20 Prozent der Kleinwagen-Fahrer verletzt und etwa fünf Prozent der Geländewagenfahrer. Eine amerikanische Studie kam zum Ergebnis, dass bei einem Frontalcrash zwischen einem normalen Fahrzeug und einem SUV die Pkw-Insassen ein siebenmal höheres Todesrisiko tragen, als die Passagiere des SUV. Die UDV fordern deshalb, dass alle SUV mit einer Art zweiter Stoßstange ausgestattet werden sollen: Ein sogenannter elastischer Unterfahrschutz soll Energie bei einem Aufprall abbauen und verhindern, dass die SUV tief in die Kleinwagen eindringen.

(L'essentiel)