Ford Sierra RS Cosworth

02. Juni 2020 14:50; Akt: 02.06.2020 18:06 Print

Überflieger mit Überflügel

Ford hatte mit dem «Cossie» die erfolgreichen Sportler BMW M3 und Mercedes 190 E 2.3-16 im Visier und wollte im Rennsport in der Gruppe A für Furore sorgen.

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Die amerikanische Pop-Band The Bangles lag 1987 in der deutschen Hitparade mit ihrem Ohrwurm «Walk Like an Egyptian» auf Platz 1 und die Frauen trugen dicke Schulterpolster und breite Hüftgürtel. Was war damals auf unseren Straßen los? Dort durften sportliche Autos noch mit gewaltigen Heckflügeln geschmückt werden, ohne gleich «politisch unkorrekt» zu wirken.

Die sportlichen Limousinen und Zweitürer vom Schlag eines BMW M3 der Baureihe E30 und des Mercedes 190 E 2.3-16 waren angesagt, als Ford 1985 am Genfer Automobilsalon die Bühne mit dem Sierra RS Cosworth betrat. Die Karosseriewahl fiel auf die Variante mit zwei Türen, Heckklappe und fünf Sitzen. Seine Aufgabe war es, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren erzielten Erfolge des Capri zu wiederholen und in den Tourenwagen-Rennen der Gruppe A Siege einzufahren.

Auftrag nach England

Fords Special Vehicle Operations (SVO) in England beauftragte die erfolgreiche Motorenschmiede Cosworth damit, dem ungewöhnlich gezeichneten Dreitürer ein kompetitives Sportaggregat zu bauen. Die Briten machten Tabula rasa: Außer dem Grauguss-Motorblock und der Wasserpumpe blieb vom 1993 ccm großen Vierzylindermotor nichts übrig, es handelte sich also um ein lupenreines Cosworth-Triebwerk. Die Engländer verpasstem ihm einen Aluminium-Zylinderkopf und einen Garrett-Abgasturbolader mit Ladeluftkühler, der mit einem Druck von 0,55 bar arbeitete.

Nach dem Eingriff leistete die Maschine 204 PS bei 6000 U/min, was für eine Höchstgeschwindigkeit von rund 240 km/h gut war. Für den knapp über 1200 Kilogramm leichten Renner war die Motorisierung auf jeden Fall mehr als ausreichend. Den Sprint von null auf 100 km/h erledigte der «Cossie», wie ihn Liebhaber gerne nennen, in rund sechs Sekunden – das ist heute noch ein beeindruckender Wert. Wichtiger als die PS-Zahl war aber das Drehmoment von 276 Newtonmetern, von dem bereits 80 Prozent bei nur 2300 U/min verfügbar waren.

Große Klappe

Der Antrieb erfolgte auf die Hinterräder und das handgeschaltete Getriebe stammte aus den Ford Mustang. Die unabhängige Radaufhängung entsprach im Grundlayout dem der Serie, wurde aber mit härteren Federn und strafferen Stoßdämpfen auf Sportlichkeit getrimmt. Verzögert wurde mit Scheibenbremsen und zum sicheren Stoppen der Fuhre war sogar ein Antiblockiersystem an Bord.

Der Kofferraum mass mit umgeklappter Rücksitzbank ganze 1465 Liter, ein beachtliches Ladevolumen für einen Sportwagen. Er war also nicht nur schnell, sondern auch alltagstauglich. Mit knapp 4,50 Metern Länge und einer Breite von 172 Zentimetern ist der «Cossie» für heutige Verhältnisse überraschend kompakt.

Begrenzte Stückzahl

Für die Homologation der Gruppe A der deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) musste Ford 5000 Fahrzeuge bauen, bei Produktionsende 1987 waren es dann annähernd 6000. Vom 20 PS stärkeren Evolutions-Modell RS 500 wurden 1987 gar nur fünfhundert Stück gebaut. Ab 1988 wurde der Cosworth-Motor in die Stufenheckvariante eingebaut, und ab 1990 sogar mit Allradantrieb angeboten. Heute sind aber die selteneren ersten Modelle am begehrtesten.

Gute Fahrzeuge erzielen an Auktionen auch schon mal hohe fünf- oder gar sechsstellige Beträge. Der porträtierte Sierra kommt am 30. Mai 2020 an der Bonhams May Motoring Auction unter den Hammer, als Schätzpreis werden 63.000 bis 86.000 Euro angegeben.

(L'essentiel/Daniel Koch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niemand am 04.06.2020 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch echte Fahrzeuge für die Ewigkeit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Niemand am 04.06.2020 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch echte Fahrzeuge für die Ewigkeit.