Autonomer Verkehr

11. September 2018 10:22; Akt: 11.09.2018 10:27 Print

Dürfen wir künftig nicht mehr selber Auto fahren?

Autonomer Verkehr verhindert Staus: Das ist das Resultat einer neuen Analyse. Allerdings nur, wenn Menschen die Hand vom Lenkrad lassen.

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Die Studie Volvo 360c macht es vor: in der Zukunft des autonomen Verkehrs gibts nur noch Passagiere, keine Fahrer. (Bild: Volvo)

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Die Strategie- und Innovationsberatung Arthur D. Little veröffentlicht eine Analyse zum Straßenverkehr, in der eine klassische Verkehrssituation mit manuell gesteuerten Fahrzeugen, vollautomatisierten Autos sowie einem Mischverkehr verglichen wird. Abgeleitet wurde das Simulationsmodell hierfür aus dem realen Verkehrsfluss einer deutschen Bundesstraße. Die Berater kommen zum Schluss, dass sich die Kapazität der Straße in dieser Situation circa verzehnfachen ließe, wenn ausschließlich autonome Fahrzeuge mit hierfür optimierten Verkehrsregeln zum Einsatz kämen.

Radikale Änderungen

«Auch wenn es sich zunächst um eine Einzelerhebung handelt, verdeutlicht der sehr hohe Faktor 10, dass autonome Fahrzeuge das Potenzial haben, Verkehrsprobleme in Großstädten erheblich zu reduzieren, wenn nicht gar zu eliminieren», schreiben die Experten. Voraussetzung wären allerdings radikale Änderungen wie beispielsweise das Verbot des «personellen» Fahrens mindestens in Stoßzeiten oder auf Engpassstrecken sowie die Einführung von sogenannten Platoons, also «virtuellen Zügen».

Mit dem vollautonomen Fahrzeug gehen nicht nur große Erwartungen betreffend Komfort und Sicherheit einher, auch die Kapazität der bestehenden Straßeninfrastruktur könnte erheblich erhöht werden. Bei der Analyse stellten die Experten fest, dass im Schnitt in jeder Grünphase der Ampel 43 Fahrzeuge passieren. Beim Szenario mit ausschließlich autonomen Fahrzeugen bei optimierten Verkehrsregeln und Platooning ergab die Simulation, dass mehr als 500 Autos – die allerdings nur noch maximal 3 Meter lang sein werden und Platooning nutzen – die Ampel passieren könnten. Die Kapazität der Straße würde sich folglich mehr als verzehnfachen.

Aufgrund der Kommunikation der Fahrzeuge untereinander und fortschrittlicher Sensorik ist ein ausreichender Abstand bei nur einem Meter zwischen den Fahrzeugen gegeben. «Die Reaktionszeit der Fahrzeuge wäre dadurch minimal, wodurch die sich gegenseitig aufschaukelnden Verzögerungen beim Anfahren und Bremsen vermieden würden», heißt es weiter.

Mischverkehr fördert Staus

Weniger positiv ist hingegen die Erkenntnis der Experten, dass ein teilautomatisierter Verkehr, der je zur Hälfte aus manuell gesteuerten Autos sowie Roboterfahrzeugen besteht, die Kapazität der Straße um rund 23 Prozent im Vergleich zu heute reduzieren würde. Das liegt vor allem am unterstellten strikten Einhalten der heutigen Verkehrsregeln durch die Roboter. «In vielen anderen Verkehrssituationen wie beispielsweise dem Linksabbiegen, das ein hohes Maß an Intuition und Forschheit verlangt, funktioniert das Zusammenspiel von Robotern und menschlichen Nutzern eher schlecht», warnen die Experten.

«Unser Modell gibt eine starke Indikation, dass ein Verkehr ohne Stau möglich ist – gerade auch in Innenstädten. Das Potenzial autonomer Fahrzeuge ist insbesondere für globale Megacitys enorm interessant und kann den Status quo deutlich verbessern», bestätigt Studienautor Dr. Klaus Schmitz: «Die Effekte kommen jedoch nur zum Tragen, wenn 100 Prozent der Fahrzeuge autonom bei geänderten Regeln unterwegs sind.»

(L'essentiel)

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