Probefahrt

19. Mai 2020 19:43; Akt: 19.05.2020 19:47 Print

Ein bisschen Spaß darf sein

Bei VW dreht sich derzeit alles um die Einführung des ersten elektrischen ID-Modells. Deshalb, und wegen Corona, ging die Lancierung der Open-Air-Variante des Kompakt-SUV T-Roc fast vergessen.

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VW gibt sich ausnahmsweise mal experimentierfreudig. Denn während die Wolfsburger sonst dem Trend gern hinterherhecheln, zeigen sie sich nun buchstäblich offen für Neues und bringen pünktlich zum Beginn der Open-Air-Saison das erste kompakte SUV-Cabrio an den Start. Wo Nissan den Murano nur in den USA aufgeschnitten und sich der Range Rover Evoque in erster Linie an Besserverdiener gerichtet hat, soll das T-Roc Cabrio zu Preisen ab 34.000 Euro zur bürgerlichen Sommerfrische werden und so all jene Kunden trösten, die noch immer den offenen Varianten von Golf und Beetle nachweinen.

Für rund 6350 Euro Frischluft-Aufschlag gibt es deshalb statt des Blechdachs ein Stoffverdeck, das sich trotz seiner stattlichen Größe innerhalb neun Sekunden nach hinten faltet – und das bei bis zu 30 km/h. Während man sonst im offenen Auto mittendrin ist statt nur dabei, steht man im T-Roc Cabrio allerdings trotzdem ein bisschen über den Dingen – schließlich bleibt die erhöhte Sitzposition des Kompakt-SUV auch für das Open-Air-Modell erhalten. Man genießt also auch weiterhin den besseren Ausblick und fröstelt nicht ganz so oft im Schatten der anderen.

Mehr Spaß, weniger Platz

Was dagegen ein wenig auf der Strecke bleibt, sind die praktischen Tugenden des SUV: Der Kofferraum schrumpft um ein gutes Drittel auf 280 Liter, es gibt nur noch zwei statt vier Türen, und hinten rücken die Passagiere so eng zusammen, dass es nur noch für zwei statt drei Mitfahrer reicht. Allerdings reichen Kopf- und Kniefreiheit selbst im geschlossenen Cabrio auch für Erwachsene, und weil VW die Praktiker nicht ganz vergessen hat, lassen die Wolfsburger sogar die Anhängerkupplung auf der Optionsliste.

Dafür erweist sich das Cabrio in anderer Hinsicht als überraschend alltagstauglich: Nicht nur, dass die Isolierung des Verdecks so gut ist, dass man sich um Wind und Wetter nicht kümmern muss, falls der Frühling etwas Verspätung hat. Sondern unter der straffen Stoffhaube ist es nicht nur hübsch kuschelig, sondern auch überraschend leise. Und für ein Cabrio bietet der T-Roc zudem einen überraschend guten Überblick. Selbst ohne Parkpiepser und Rückfahrkamera kommt man deshalb auch bei geschlossenem Dach ohne Beulen durch die Stadt.

So frisch und neu der Auftritt des offenen T-Roc ist, so vertraut sind Antrieb und Ausstattung: Auch als Cabrio kommt der T-Roc deshalb auf Wunsch mit digitalen Instrumenten und dem stets online geschalteten Infotainment der aktuellsten Generation sowie den beiden Benzinern, die schon dem geschlossenen Modell Beine machen. Zur Wahl stehen zunächst ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 115 PS oder ein 1,5 Liter großer Vierzylinder mit 150 PS – und wer die Modellpolitik von VW betrachtet, weiß, dass es das Cabrio wohl auch bald als R-Modell mit dem gerade für die geschlossene Version avisierten 300 PS-Benziner geben wird. Zwar bläst es einem schon mit der 150-PS-Variante frisch um die Ohren, schließlich beschleunigt der Vierzylinder in 9,6 Sekunden auf Tempo 100. Doch Fahrtwind kann man in einem Cabrio schließlich nie genug haben. Nur mit der Abenteuerlust ist es im Cabrio nicht so weit her – und das wird Schweizer Kunden schmerzen: Den Allradantrieb wird es für den offenen T-Roc nicht geben.

Sozusagen konkurrenzlos

Zwar erweckt VW mit dem ersten SUV-Cabrio für die Kompaktklasse den Anschein von Experimentierfreude und hält zudem einer Nische die Treue, die anderenorts ignoriert wird. Schließlich haben Opel und Ford ihre kompakten Cabrios genauso eingestellt wie Peugeot, auch bei Audi und BMW stehen die Chancen auf eine Verlängerung der Open-Air-Saison für A3 und Zweier eher schlecht, und das Cabrio des Range Rover Evoque wird ebenfalls keinen Nachfolger bekommen. Doch so ganz neu ist die Idee vom offenen VW fürs Grobe freilich trotzdem nicht. Man muss nur in die Wolfsburger Chroniken schauen, dann findet man gleich mehrere Vorläufer: vom Kübelwagen über den Iltis bis hin zum Biagini Passo. Der kommt dem T-Roc zwar als Umbau des Golf Country am nächsten, mag den VW-Oberen aber gleich aus zweierlei Gründen nicht als Vorbild taugen – denn erstens erfolgte der Umbau durch eine fremde Firma, und zweitens wurden davon gerade mal 100 Exemplare verkauft.

(L'essentiel/Thomas Geiger)

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