Lunex-Serie

12. August 2016 14:50; Akt: 12.08.2016 14:51 Print

So wichtig ist mentale Stärke für sportlichen Erfolg

LUXEMBURG - Alioune Touré, Sportpsychologe am Sportlycée in Luxemburg und Dozent der Lunex University, gibt Auskunft über die Rolle der mentalen Stärke im Sport.

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Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton ist bekannt für seine starke Psyche. (Bild: DPA)

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L'essentiel: Wie wichtig ist die Psyche für den Erfolg im Sport? Alioune Touré: Sportlicher Erfolg entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Tägliche Trainingsbelastung, Durchhalten trotz Ermüdung, der richtige Umgang mit Niederlage beziehungsweise einer Verletzung – all das erfordert ausgeprägte, psychische Fähigkeiten. Der sportliche Erfolg hängt daher stark von der psychischen Stärke des Athleten ab. Sie ermöglicht es einem Sportler, seine Komfortzone zu verlassen, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren und den «Spirit» des Sports zu spüren. Während eines Wettkampfes überschreitet der Athlet regelmäßig Limits, die er für seine eigentlichen Grenzen hält. Nach Trainingseinheiten oder Wettkämpfen ist es wichtig, eine Bilanz zu ziehen, um täglich lernen, wachsen und emotional reifen zu können. Die eigenen Emotionen vor, während und nach einem Wettbewerb im Griff zu haben ist ein entscheidender Faktor.

Wie setzt man sich dafür die richtigen Ziele? Wichtig sind Ziele, die S.M.A.R.T. sind: Wenn man zum Beispiel im Folgejahr den ING Marathon in 2,5 Stunden laufen möchte (S & M = specific & measurable) , könnte man sich dieses Jahr einen Semi-Marathon vornehmen (A = accepted) und dafür wöchentlich vier Laufeinheiten über zehn Monate einplanen (T = time-bound). Zu Beginn ist man meistens besonders motiviert, im Laufe erster, intensiver Trainingseinheiten verliert man dann schnell die Motivation, weil das eigentliche Ziel weit weg ist. Hier helfen erreichbare Zwischenziele wie die Teilnahme am Halb-Marathon (R = realistic). Sie sind keine unverrückbaren Ziele im eigentlichen Sinne und können immer wieder angepasst werden.

Wie sieht das in der Praxis aus? Gibt es Beispiele aus Ihrer Arbeit mit Sportlern? Sportpsychologische Methoden sollten täglich angewendet und wiederholt werden, vergleichbar mit dem körperlichen und technischen Training. In der Phase der Trainingsvorbereitung und der Konzentration direkt vor der sportlichen Belastung haben sich zum Beispiel Techniken aus den Bereichen Atmung & Entspannung, mentales Training und das Fokussieren eines Zieles bewährt. Wie die Konzentrationssteigerung durch Atemübungen funktioniert, kann man bei der Vorbereitung eines Freistoßes oder Elfmeters im Fußball beobachten. Ein gutes Beispiel für mentales Training ist der Skispringer, der in Gedanken seinen Kurs immer wieder durchgeht. Das Fokussieren auf ein konkretes Ziel wie eine minimale Verbesserung der persönlichen Bestleistung beim nächsten Wettkampf kann helfen, die Motivation hochzuhalten. In Teamsportarten sind Techniken aus dem Konfliktmanagement wichtig, damit aus Einzelsportlern erfolgreiche Teams werden.

Praxistipps, die zeigen, was man von Sportlern für den Umgang mit stressigen Situationen lernen kann: •Nach einem stressigen Arbeitstag kann man die Freizeit mit Atemübungen einleiten, um Abstand zu gewinnen und zu regenerieren. •Entspannungsübungen helfen, wenn man vor einer unangenehmen Behandlung beim Zahnarzt steht. Die Erwartung des Schmerzes stresst uns oft mehr als der Schmerz selbst. Entspannungsübungen senken das Stressniveau und bieten Ablenkung. •In Lern- und Prüfungssituationen hilft die Technik der Visualisierung. Man kann sich zum Beispiel schwierige Formeln und Regeln besser merken, wenn man sich vor Augen führt, wie sie ganz praktisch eingesetzt werden. •Wer sich gezielt motivieren und Mut machen möchte, ruft sich positive Situationen ins Gedächtnis: Eine solche Prüfung habe ich am Tag XY erfolgreich abgelegt, das hat sich gut angefühlt! •Bei Versagensängsten kann es helfen, sich die realistisch schlimmsten Folgen vor Augen zu rufen: Wenn ich durchfalle, werde ich «nur» die Prüfung in vier Wochen wiederholen müssen, die Schule/das Studium kann ich trotzdem erfolgreich fortsetzen. •Nicht zu vergessen: Konfliktmanagement hilft auch außerhalb des Sports, stressige Situationen zu bewältigen.

(Alioune Touré/Lunex/L'essentiel)

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