Verlassen

16. April 2018 17:51; Akt: 16.04.2018 17:51 Print

Ein Blick auf Zyperns Geister-​​Flughafen

Staub, Stacheldraht, kaputte Möbel: Der Nicosia International Airport in Zypern zerfällt seit 44 Jahren.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema

Der Nicosia International Airport (Griechisch: Διεθνές Αεροδρόμιο Λευκωσίας, Türkisch: Lefkoşa Uluslararası Havaalanı) ist ein fast gänzlich verlassener Flughafen einige Kilometer von Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, entfernt.

In Kriegen genutzt

Erbaut wurde der Nicosia International Airport in den Dreissigerjahren. Da Zypern damals unter britischer Herrschaft stand, war es auch der Sitz der Royal Air Force – und noch heute gehört der Flughafen offiziell dem British Ministry of Defence, dem Verteidigungsministerium der Briten. Ursprünglich sollte der Flughafen nur für militärische Zwecke genutzt werden, ab 1948 flogen ihn aber auch kommerzielle Airlines an.

Davor, in den Jahren 1943/44, wurde die Infrastruktur auch von amerikanischen Bombern genutzt, die von den Luftangriffen auf Ploieti, eine Stadt unter damals deutscher Herrschaft, zurückkehrten. Mit den Bomben sollten Erdölförderanlagen zerstört werden, damit den Deutschen Treibstoff fehlt.

Nicht für kommerzielle Nutzung ausgelegt

Dass vom Nicosia International Airport eigentlich keine normalen Passagierflüge starten oder landen sollten, zeigte sich damals vor allem in der Ausstattung: Es gab nur drei Hangars, die als Zollamt, Einwanderungsbehörde und Sitz der Luftfahrtbehörde gleichzeitig dienten. Ein Restaurant wurde zudem von NAAFI geführt, einer Organisation, die die britischen Streitkräfte und ihre Familien versorgt.

1949 wurde das erste Terminal gebaut, 1959 erweitert. 1968 wurde ein zweites Terminal gebaut und das alte danach von Flugschulen genutzt. Im neuen Terminal gab es Platz für bis zu 800 Passagiere und 11 Flugzeuge. 1974 sollte das Terminal ausgebaut werden und Platz für 16 Flugzeuge schaffen – so weit sollte es allerdings nie kommen.

Zwischen den Fronten

Im Sommer 1974 begann der Zypernkonflikt zwischen den griechisch-zyprischen und den türkisch-zyprischen Gebieten. Ein Drittel von Zypern wurde von türkischen Streitkräften besetzt, nachdem der griechische Teil Zypern sich an Griechenland anschließen wollte. 1983 wurde die bis heute nicht anerkannte türkische Republik Nordzypern gegründet.

Während dieses Konflikts, am 20. Juni 1974, zerstörten türkische Flugzeuge zwei der drei Jets von Cyprus Airways und Teile des Flughafens. Die UNO erklärte den Nicosia International Airport kurz darauf zur Pufferzone zwischen den beiden Gebieten. Für den Tourismus auf Zypern war das eine kleine Katastrophe: Es gab nicht nur bloß noch ein Flugzeug, es musste auch auf einen kleineren Militärflughafen ausgewichen werden.

Pufferzone und Militärstandort

Seit die UNO den Flughafen zur Pufferzone erklärt hatte, mussten beide Parteien mindestens 500 Meter Abstand halten. Das machte den Flughafen faktisch unbenutzbar. Heute stehen dort zwar aktive Helikopter der UNO, der kommerzielle Flugbetrieb wurde aber nicht mehr aufgenommen.

(L'essentiel/Meret Steiger)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.