«Naturpille»

10. April 2019 10:17; Akt: 10.04.2019 10:26 Print

20 Minuten in der Natur – und dir geht's besser

Blätterrauschen, Blüten, Frühlingsduft: Wer es schafft, sich täglich mindestens 20 Minuten in der Natur aufzuhalten, profitiert laut Forschern ungemein.

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Auch in Luxemburg kann man paradiesische Naturlandschaften genießen, wie im Müllerthal.

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In der Natur zu sein ist eine Wohltat gegen Stressgefühle. Wohl kaum jemand wird das bestreiten. Forscher haben nun untersucht, wie lange man für einen positiven Effekt in grüner Umgebung unterwegs sein muss. Und auch, was man dabei besser lassen sollte.

Schon ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft kann helfen, Stress deutlich zu reduzieren, bestätigt eine Studie der US-Universität Michigan. Demnach genügen 20 Minuten täglich im Grünen, um das Level an Stresshormonen merklich zu mindern. Die Forscher sprechen im Fachmagazin Frontiers in Psychology von einer «Naturpille».

Stress schadet

«Wir wissen bereits, dass es Stress reduziert, wenn man Zeit in der Natur verbringt», sagt Ökologin und Hauptautorin MaryCarol Hunter. «Bislang war aber unklar, wie lange und wie oft man in die Natur gehen sollte und auch, welche Art von Naturerfahrung uns nützt.» Die Untersuchung habe nun ergeben, dass schon 20 bis 30 Minuten in einer Umgebung, die einem ein Gefühl von Natur vermittelt, ausreichen, um effektiv den Cortisolspiegel im Körper zu senken.

Cortisol, auch als Stresshormon bezeichnet, wird in der Nebennierenrinde hergestellt und in der Leber abgebaut. Dauerhaft erhöhte Cortisolwerte, etwa durch chronischen Stress, werden mit Übergewicht, einer Schwächung des Immunsystems, Herz-Kreislauf-Störungen, Depressionen und einer Reihe weiterer Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Regelmäßige «Naturpille»

Die Wissenschaftler der Universität Michigan hatten einer Gruppe von 36 Freiwilligen eine regelmäßige «Naturpille» verordnet: Mindestens drei Spaziergänge pro Woche in der Natur mit einer Dauer von zehn Minuten oder mehr. Vor, während und nach dem Experiment wurden die Cortisolwerte der Teilnehmer durch Analyse einer Speichelprobe bestimmt.

Die Freiwilligen konnten den Tag, die Dauer und den Ort ihres Naturerlebnisses selbst bestimmen, damit es zu ihrem individuellen Lebensstil passte. Sie mussten allerdings einige Stressfaktoren minimieren: «Sie sollten die Naturpille bei Tageslicht nehmen, keine sportlichen Übungen machen und Social Media, das Internet, Telefonanrufe, Unterhaltungen und Lesen vermeiden», führt Hunter aus.

Die Untersuchung ergab, dass schon 20 Minuten Naturerlebnis genug waren, um den Cortisolspiegel deutlich zu senken. Am meisten reduzierte sich das Stresshormon, wenn die Teilnehmer etwa 20 bis 30 Minuten sitzend oder gehend im Grünen verbrachten. Die Forscher hoffen nun, dass ihr Versuch die Wirksamkeit der «Naturpille» unterstreicht: als kostengünstiges therapeutisches Mittel zur Eindämmung der negativen Auswirkungen urbanen Lebens, das viele in geschlossenen Räumen und vor Bildschirmen verbringen.

«Ärzte könnten unsere Ergebnisse als evidenzbasierte Faustregel dafür verwenden, was in der Verschreibung einer «Naturpille« enthalten sein muss», fasst Hunter zusammen.

Natur wirkt gesundheitsfördernd

Die Daten reihen sich in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die die positiven Effekte eines Aufenthalts in der Natur oder speziell eines Waldspaziergangs belegen. So stellte der schwedische Forscher Roger Ulrich schon 1984 fest, dass sich allein der Anblick von Bäumen positiv auswirkt: Patienten, die nach einer Operation aus dem Krankenhausfenster auf Grün schauten, benötigten weniger Schmerzmittel und genasen schneller.

2015 ergänzte der US-amerikanische Umweltpsychologe Marc Berman, dass die Anzahl von Bäumen in einer Wohngegend die Gesundheit der Bewohner beeinflusst. Wer in grüneren Gebieten wohnte, litt seltener an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Zuvor hatte eine japanische Studie ergeben, dass regelmäßige und ausgedehnte Waldspaziergänge die Zahl der Natürlichen Killerzellen, eine Untergruppe der weißen Blutzellen und Teil des menschlichen Immunsystems, erhöhte. Im selben Jahr zeigte sich, dass sich so auch das Depressionsrisiko senken lässt.

In Japan ist das «Shinrin-yoku», also das «Baden im Wald», gar Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung. «Waldmedizin» ist seit 2012 ein eigener Forschungszweig an japanischen Universitäten. Hier wird auch erforscht, welche Faktoren genau für die positiven gesundheitlichen Effekte sorgen. So ist noch unklar, ob es etwa an der Luft des Waldes liegt oder an der speziellen Vegetation.

(L'essentiel/fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pia am 10.04.2019 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    daat ass richteg ..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pia am 10.04.2019 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    daat ass richteg ..