Unheimlich

11. Februar 2018 18:40; Akt: 11.02.2018 18:42 Print

Das Geisterhaus von Tuscaloosa

Das Drish House ist nach dem Tod seiner Besitzer durch viele Hände gegangen. Vielleicht weil es dort angeblich spukt?

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In Tuscaloosa, einer Stadt im US-Bundesstaat Alabama, steht das renovierte Drish House, ein stattliches Anwesen und Teil des Nationalen Registers für historische Plätze in den USA. Das Drish House als schützenswert eintragen zu lassen, hatte aber lange keine Priorität – angeblich, weil es dort spukt.

Haus eines Sklavenhalters

Das Haus wurde 1837 innerhalb zwei Jahren gebaut. Es gehörte dem Sklavenhalter John Drish und seiner Frau Sarah. Es war für beide die zweite Ehe, ihre ersten Partner waren gestorben – und Sarahs verstorbener Ehemann hatte ihr ein beeindruckendes Vermögen hinterlassen. Die Sklaven der Drishs spielten beim Bau eine große Rolle: Sie übernahmen fast alle Bauarbeiten.

1867 kam es zu einer Tragödie, die manche wohl auch als Karma bezeichnen würden: Der alkoholkranke Sklavenhalter Drish zitterte nach einer durchzechten Nacht heftig und hatte Halluzinationen. Nachdem Sarah ihn beruhigen wollte, rannte John quer durch den Raum und sprang vom Balkon – er starb sofort.

Vor Kummer verrückt geworden

Sarah Drish wurde so zum zweiten Mal Witwe. Nachdem Sie das Begräbnis nach den aufwendigen Wünschen ihres Mannes ausgerichtet hatte, fiel sie in eine tiefe Depression und war besessen vom Tod – und von Beerdigungen. Nach ihrem Ableben sollte alles genau so gemacht werden wie bei ihrem Mann.

Sie ging so weit, dass Sie sogar die Kerzen wiederverwenden wollte, die beim Begräbnis von John Drish gebrannt hatten. Als Sarah aber 1884 starb, waren die Kerzen nicht mehr auffindbar. Viele Legenden sehen in diesem gescheiterten letzten Wunsch einer Toten der Beginn der Heimsuchungen im Drish House.

Phantomfeuer

Nur wenige Tage nach Sarahs Tod wurde die lokale Feuerwehr alarmiert: Im Turm des Drish House wüte ein Brand, sagten Beobachter. Als die Feuerwehr den Turm betrat, war von einem Feuer aber weit und breit nichts zu sehen. Solche Phantomfeuer wurden in den folgenden Jahren dutzendmal gemeldet.

Die Legende besagt, dass der Geist von Sarah Drish den Turm «anzündet», weil ihr letzter Wunsch mit den Kerzen nicht erfüllt wurde. Aufgrund dieser Sichtungen, dem Aberglauben in der damaligen Zeit und wirtschaftlichen Faktoren ging das Haus in den kommenden Jahren durch viele Hände.

Eine Kirche, ein Schrottplatz und eine Schule

Als die Bevölkerungszahl von Tuscaloosa rapide anstieg, wurde das Drish House in Apartments unterteilt. Später wurde es vom Tuscaloosa Board of Education als Schule genutzt, dann als Schrottplatz und Ersatzteillager. Aus dieser Zeit stammt ein berühmtes Foto des Hauses, aufgenommen von Walker Evans und ausgestellt im Metropolitan Museum of Arts.

Ab 1940 wurde es von der South Baptist Church als Kirche genutzt. Ein Anbau für Sonntagsschulen stammt aus dieser Zeit. 1995 schloss die Kirche aus finanziellen Gründen ihre Türen und das Haus fiel an die Stadt Tuscaloosa, die es eigentlich abreißen wollte. Das konnte jedoch nach der Jahrtausendwende von der Tuscaloosa County Preservation Society verhindert werden.

Geisterjäger und Hochzeiten

Diese Organisation übernahm diverse Reparaturen am Haus, bis es 2008 wieder als sicher galt. Anschließend wurde es an eine Privatperson verkauft. Dieser Besitzer wiederum interessierte sich für Geistergeschichten und paranormale Aktivitäten – und lud zum ersten Mal Geisterjäger ins Drish House ein. Zwar gab es keine bahnbrechenden Entdeckungen, das Team zeichnete aber außergewöhnliche Aktivitäten in und um das Haus auf.

2016 wurde das Drish House vom Besitzer für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben diversen Führungen (mit und ohne Geistergeschichten) kann das Haus für Events, zum Beispiel für Hochzeiten von Grusel-Fans, gemietet werden.

(L'essentiel)

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