Car of the week

11. Mai 2018 16:15; Akt: 11.05.2018 16:17 Print

Der Überflieger – der Golf GTI TCR

Der GTI ist eine Legende. Insofern ist Respekt gefordert – insbesondere dann, wenn man versucht, den Mythos von links zu überholen und noch eins draufzusetzen.

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Es gab Pirelli GTIs, es gab sie als 16S, – aber nur in Frankreich –, 16V und G60. Selbst eine Diesel- und eine 70.000 D-Mark (im Jahr 1989) teure «Limited»-Version kam unters Volk, wobei der Ltd. unter treuen GTI-Vasallen nur als Blender gilt. Deshalb gehe ich mal davon aus, dass Wolfsburgs Obere sich etwas dabei gedacht hatten, bevor sie den neuen, beim Fan-Fest am Wörthersee vorgestellten Super-GTI den Titel TRC verliehen, angelehnt an Volkswagens populäres und durchaus ernstzunehmendes Rennsportinstrument. Des Golfs mega-sportlicher Bruder, offiziell Volkswagen Golf GTI TCR genannt, stellt die straßentaugliche Version des TCR GTIs dar, der in der internationalen Tourenwagen-Serie für VW sehr erfolgreich fährt. Was ihn in der TCR-Rennserie, die alte DTM-Begeisterung unter den Fans wieder aufleben ließ, zum Gesamtsieger machte. Zweimal.

Die Präsentation des brandneuen Über-Golfs ließ die 125.000 Fans entlang der österreichischen Seenlandschaft denn auch in beherzten Jubel ausbrechen. Seit 42 Jahren zerzaust der GTI das Haupthaar meist jugendlicher Fahrer mit dominantem Y-Chromosom (zumeist durch am herausgelehnten Unterarm vorbeigeführten Fahrtwind), zuerst mit vergleichsweise bescheidenen 110 PS, dann wurde per Generation immer noch einer draufgesetzt, weil mehr Power bei solch spezifischer Klientel schon immer ein gutes Verkaufsargument war. Das klappte gut. Der Ur-GTI stellte die Welt herkömmlicher Golf-Fahrer recht ruppig auf den Kopf (im wahrsten Sinne des Wortes), indem er zu gleichen Teilen Spaß und Unfälle verursachte, und so in den 70ern im Alleingang die automobilistische Klasse der «Hot Hatches» kreierte.

Ein 2.0-TSI-Motor im GTI TCR leistet bei Volkswagens neuester Super-Version stattliche 290 PS und beeindruckende 370 Nm Vortrieb, und bei solcher Macht an den Vorderrädern kann selbst ein kleiner Verdreher bei Großbuchstaben zu Kalamitäten führen. Die Rennsport-Variante, unter Renn-Sidern TCR GTI genannt, leistet nämlich mit 350 deutlich mehr ungedrosselte PS, was zeigt, dass der Fahrzeug-Body des Golfs einiges aushalten kann, die Sprachfertigkeit von Fans und Medienvertretern hingegen oft überfordert.

Mit 264 km/h Spitze zum Statussymbol unter Golf-Freunden

An selbigem Motor hängt ein 7-Gang DSG Doppelkupplungsgetriebe, was den GTI TCR zügig auf (abgeregelte) 250 km/h Spitze bringt. Die werksseitige VMax-Freischaltung auf 264 km/h (inklusive 19-Zoll Felgen und Sportfahrwerk) wird mit großer Wahrscheinlichkeit im kommenden Produktionszeitraum (beginnend Ende dieses Jahres) zum Statussymbol unter Golf-Freunden werden und somit zum beliebtesten Extra unter GTI-Aficionados. Ich beuge mich mit dieser Behauptung nicht sonderlich weit aus dem Fenster, denn das flinke Sportpaket wird äußerlich an der 20-Millimeter-Tieferlegung erkennbar sein. Das macht was aus.

Der Über-Golf wird sich auch – nicht überraschend – durch weitere optische und akustische Akzente vom gemeinen Golf GTI unterscheiden. Zwei Wasserkühler – wie beim Rennsportler – sorgen für akzeptable Betriebstemperaturen bei einem Vierzylinder mit einer Literleistung von 145 PS/l. Gelochte Bremsscheiben und spezielle Bremssättel erledigen diese Aufgabe während gewünschter Entschleunigung. Eine Vorderachsquersperre reduziert freiwerdende Produktionen im Kleinhirn und Nebennierenmark der Kundschaft. Digitale Instrumente, Sportsitzbezüge aus gewichtssparender Mikrofaser und ein Lenkrad mit perforierten Griffnischen gestalten den Innenraum sportlich. Rote Akzente und Ziernähte verbreiten kuschelige Golf GTI-Nostalgie. Eine optionale (und nicht ganz billige) Auspuffanlage aus Titan von Akrapovic sorgt für angemessene Akustik und rasche Entladung, der neue Spoiler an der Dachkante für Abtrieb und Bewunderung.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Fan-Gemeinde in Reifnitz am Wörthersee gegenüber dem etablierten Golf R verhalten wird. Der hat zwar mit 310 PS mehr Ooompf und einen Allradantrieb. Bleibt aber, laut Kommentar eines Seefestbesuchers, trotzdem «..nuah an Audi.»

(L'essentiel/Michael Köckritz)

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