Schlechte Planung

03. Dezember 2017 15:33; Akt: 03.12.2017 15:36 Print

Disneyland war bei der Eröffnung ein Horrorpark

Zu viele Besucher, unfertige Bahnen und ein Brand im Dornröschen-Schloss: Der Eröffnungstag von Disneyland Kalifornien war ein Fiasko.

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Disney-Vergnügungsparks haben den Ruf, ein perfektes Erlebnis für ihre Besucher zu schaffen. Es ist ein märchenhafter Ort, an dem nie etwas danebengeht – theoretisch. Am 17. Juli 1955, dem Eröffnungstag von Disneyland Kalifornien, ging aber so einiges schief. Eigentlich alles. Ein Besucher bezeichnete es gar als «das größte Fiasko in 30 Jahren Showgeschäft».

Was war denn das Problem? In erster Linie: die Bahnen. Der Park war am Eröffnungstag schlicht nicht fertig. Die Arbeiter sollen beim Bauherrn um mehr Zeit gebeten haben, wurden aber ignoriert. Und so gab es für die Besucher Wege, die in Wiesen endeten, diverse Bahnen, die nicht in Betrieb waren, und unfertige Dekorationen.

Schlange stehen vor geschlossenen Bahnen

Auch fertige Bahnen waren teilweise noch geschlossen. Jonathan Carr, der am Eröffnungstag neun Jahre alt war, sagte gegenüber Medien: «Uns wurde im Voraus gesagt, dass viele der Bahnen erst ab nächsten Monat geöffnet seien. Trotzdem standen die Leute zum Teil Schlange für geschlossene Bahnen. Es gab nichts zu tun – jeder mögliche Sitzplatz war besetzt, die geöffneten Bahnen hatten ewige Wartezeiten und die Shops waren brechend voll.»

Was ein magischer Tag für Jonathan und seine Familie sein sollte, war einfach nur stressig. «Für mich hat es sich angefühlt wie der Parkplatz eines Einkaufszentrums beim Sonntagsverkauf: Jeder mögliche Platz ist voll und alle kreisen um den Parkplatz, um doch noch einen Ort zum Bleiben zu finden. Das war Disneyland am Eröffnungstag – außer, dass niemand seinen Platz verließ.»

Viel zu viele Tickets verkauft

Das Platzproblem wurde durch die Verkaufstaktik von Disney weiter verschärft: Für den halbfertigen Park hatte Disney viel zu viele Eintrittskarten verkauft. Der Park sollte eine Kapazität von 15.000 Besuchern haben – am 17. Juli stürmten so doppelt so viele hinein.

Disney war vom Ansturm überrascht und versuchte – erfolglos – die Tore zu schließen. Die zusätzlichen Besucher sorgten für einen 11 Kilometer langen Stau auf dem Santa Ana Freeway. Endlich in Anaheim angekommen, hatten viele Angst, nicht mehr reingelassen zu werden. Ein findiger Geschäftsmann stellte darauf eine Leiter neben das Tor und verlangte fünf Dollar von jedem, der den Park so betreten wollte.

Feuchter Asphalt

Die Hauptstraße des Disneylands in Kalifornien war erst am Vortag asphaltiert worden – was sich rächen sollte: Die hochhackigen Schuhe diverser Besucherinnen versanken im immer noch feuchten Boden. Jonathan Carr erinnert sich: «Der Asphalt war richtig gummig, aber ich dachte damals, das sei Absicht. Damit sich Kinder beim Stürzen nicht verletzen.»

Neben den Löchern von hochhackigen Schuhen gab es auch eine ganze Reihe normaler Schuhabdrücke. Disney behauptete später, dass das alles Absicht gewesen sei: So hätten sich die Besucher im Park verewigen können.

Hitze und kein Wasser

Am 17. Juli 1955 war es in Kalifornien heiß. 37,7 Grad heiß, um genau zu sein. Und es gab praktisch keine Möglichkeit, sich abzukühlen: Klimaanlagen waren 1955 noch nicht ansatzweise so effektiv wie heute. Zwar gab es ein «Cool Off»-Areal, bei dem Luft von einigen Bahnen auf einen kleinen Platz geblasen werden sollte, aber dort sammelten sich so viele Menschen, dass das Lüftchen keine Abkühlung mehr brachte.

Es gab auch noch keine Brunnen mit Trinkwasser, und den Essens- und Getränkeständen gingen schon zur Mittagszeit die Lebensmittel und Getränke aus. Die Süssigkeitenläden waren innerhalb kürzester Zeit leergeräumt und die Angestellten verteilten in ihrer Verzweiflung Sirup an die Kinder – pur!

Zu wenig Toiletten

Zu viele Besucher bedeutet in der Regel auch: zu wenig Klos. Jonathan Carr sagt: «Mir ist das nicht so aufgefallen, aber mein Vater hat es mir später erzählt: Die Schlangen vor den Toiletten waren so lang, es bildeten sich neue Schlangen vor inoffiziellen Toiletten – also Büschen, Bäumen und hinter Abfalleimern.»

Dieses Problem bestand tatsächlich nicht nur am Eröffnungstag – und Disney nahm die Wildpinkler erstaunlich locker. Vermutlich war es leichter, einfach wegzusehen, als neue Toiletten zu bauen.

Ein Feuer im Dornröschenschloss

Und um das alles noch zu toppen: Das berühmte Disneyschloss, das Schloss von Dornröschen, fing Feuer. Aufgrund eines Gaslecks ging es beinahe in Flammen auf. Die meisten Besucher hielten die Flammen, die aus einem der Fenster schlugen, für Show. Erst als hektische Park-Mitarbeiter mit Feuerlöschern an ihnen vorbeirannten, wurde klar, dass das hier ein Ernstfall war.

Die rund 70 Millionen Menschen, die die Eröffnung von zu Hause aus beobachteten, bekamen davon natürlich nichts mit. Moderiert wurde diese Eröffnungssendung übrigens von keinem anderen als Ronald Reagan, dem späteren US-Präsidenten.

(L'essentiel)

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