Südafrika

18. Juli 2018 15:20; Akt: 18.07.2018 15:26 Print

Eine Reise durch das Land von Nelson Mandela

Vom Ostkap nach Soweto und Robben Island: Sein Kampf für Freiheit und Demokratie führte Mandela quer durch Südafrika.

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Heute wäre Tata, wie er von den Südafrikanern liebevoll genannt wird, 100 Jahre alt geworden. Seinen runden Geburtstag erlebt der erste schwarze Präsident Südafrikas zwar nicht mehr, sein Name und sein Vermächtnis sind aber auch heute noch allgegenwärtig. Souvenirs, Statuen und Museen erinnern an den Mann, der einen großen Anteil daran hatte, sein Land zu befreien.

Die Reise beginnt in Johannesburg. Im Apartheid-Museum wird gezeigt, wie die schwarze Bevölkerung zur Zeit des Regimes unterdrückt wurde. Sie durfte nicht an Wahlen teilnehmen und wurde aus den Städten vertrieben. Alle Bereiche des Lebens wurden nach Hautfarben unterteilt. Proteste wurden mit aller Gewalt unterdrückt und schwarze Kinder wurden geschlagen und erschossen.

Kampf um die Freiheit

Mandela blieb davon nicht lange verschont. Seine Kindheit verbrachte er in Qunu, einem kleinen und abgelegenen Dorf am Eastern Cape. Auf den saftigen Wiesen im Hinterland der Küste hütete er die Schafe seines Vaters. Seine Eltern nannten ihn Rolihlahla, was so viel wie Unruhestifter heißt. Dann, am ersten Schultag, ein prägender Moment: Seine Lehrerin verpasste ihm den Namen Nelson. Sein afrikanischer Name war fortan verpönt.

Als junger Mann floh Nelson nach Johannesburg, um seiner eigenen Zwangsheirat zu entgehen. Dort studierte er Jura und trat dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bei, um sich gegen die Ungerechtigkeit der weißen Regierung zu engagieren.

Nach dem Museumsbesuch fährt unsere Gruppe an einem Viertel voller Wellblechhütten vorbei nach Soweto. Es ist eine der Siedlungen, die einst ausschließlich für Schwarze errichtet wurden und wo ab 1946 auch Mandela in einem kleinen Haus lebte.

Mahnmal der Apartheid

Die Gegend lässt sich am besten auf einer geführten Fahrradtour erkunden. Der Lebensstandard der Bewohner könnte allerdings unterschiedlicher nicht sein. Von einer einfachen Hütte bis zum Einfamilienhaus gibt es in Soweto alles. Im Gegensatz zu früher werden Auswärtige aber mit einem Lächeln und voller Neugier empfangen. Einige geschäftstüchtige Einwohner bieten Unterkünfte an, damit Touristen über Nacht bleiben können.

Einige Straßen weiter wartet Antoinette Sithole auf unsere Gruppe. Sie und ihr Bruder Hector Pieterson demonstrierten in den 1970er-Jahren mit Tausenden anderen Schülern friedlich gegen die Einführung von Afrikaans (die Sprache der europäischen Einwanderer) im Unterricht. Als die Sicherheitskräfte plötzlich das Feuer eröffneten, erschossen sie auch den 12-jährigen Hector. «Ich wusste nicht, was passiert war, und rannte mit ihm mit», erzählt Sithole. Das Foto mit dem schlaffen Körper von Pieterson ging um die Welt und wurde zu einem Symbol für die Anti-Apartheid-Bewegung.

Heimlicher Treffpunkt

Doch zurück zu Nelson Mandela, der in Johannesburg als Anwalt arbeitete und zuerst – nach seinem Vorbild Mahatma Gandhi – gewaltfrei protestierte. Im Jahr 1960 wurde der ANC verboten, Mandela musste untertauchen. Mit Sabotageakten und Bombenanschlägen versuchten die Widerstandskämpfer um Mandela und die anderen Anführer, für ein demokratisches Südafrika zu kämpfen.

Die Liliesleaf Farm in einem nördlichen Vorort von Johannesburg wurde zum heimlichen Treffpunkt der Aktivisten. Eine interaktive Ausstellung zeigt heute, wie sie damals lebten, sich versteckten und heimlich Pläne gegen die Regierung schmiedeten. Das ging aber nicht lange gut. Bei einer Razzia wurden viele der Führer verhaftet, auch Mandela ging den Behörden nach einer verbotenen Reise ins Ausland ins Netz. Mandela und seine Kameraden wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Gefangene von Robben Island

Die nächste Station ist Kapstadt, genauer gesagt die Waterfront, einer vor allem bei Touristen beliebten Gegend mit luxuriösen Geschäften und schicken Restaurants. Von hier aus geht die Fähre auf die berüchtigte Gefängnisinsel Robben Island. Die Fahrt dauert etwa eine Dreiviertelstunde und bietet einen guten Ausblick auf die Stadt und den darüber thronenden Tafelberg. Mit etwas Glück sieht man auch Wale oder Delfine, die das Schiff begleiten.

Das frühere Hochsicherheitsgefängnis ist heute eines der bekanntesten Museen des Landes, denn hier verbrachte Mandela den größten Teil seiner insgesamt 27 Jahre in Gefangenschaft. Die Bedingungen waren prekär. Die Gefangenen wurden erniedrigt und mussten tagsüber bei glühender Hitze im Steinbruch arbeiten. An eine Flucht vom südafrikanischen Pendant zu Alcatraz war wegen der gefährlichen Meeresströmung nicht zu denken.

Geschichte zum Erleben

Mit einem lauten Knall fällt die massive Gefängnistür ins Schloss. «Hier mussten wir uns komplett ausziehen», erzählt Thulani Mabaso, der zur selben Zeit wie Mandela auf Robben Island eingesperrt war. «Dann wurden wir auf Krankheiten untersucht und in Gefängniskleidung gesteckt.» Die Führungen über die Insel werden meist von ehemaligen Häftlingen wie ihm geleitet, was den Besuch zu einer emotionalen Erfahrung macht.

«Es war unglaublich kalt hier», erinnert sich Mabaso, als er uns seine frühere Zelle im C-Trakt zeigt. Trotz allem hielten die Inhaftierten zusammen und halfen sich gegenseitig. Mandela debattierte oft mit seinen Leidensgenossen und hatte im Innenhof sogar einen kleinen Garten. Auf die Frage, ob es sich gelohnt habe, sich trotz der harten Strafe für die Freiheit einzusetzen, kämpft Mabaso mit den Tränen. Nach einer Pause sagt er: «Ja, ich würde es wieder tun.»

Wie ein Mitinsasse von Mandela die Zeit im Gefängnis erlebt hat, sehen Sie im Video. (Video: 20M)

Ein Neubeginn

Auch während seiner langen Haft ging Mandela nicht vergessen, sondern wurde zu einer Symbolfigur für die Unterdrückten. In seiner Abwesenheit veränderte sich zudem die politische Landschaft. Das Apartheid-Regime wurde international immer mehr isoliert, und die Regierung begann, mit Mandela über seine Freilassung zu verhandeln. Weil er so lange von der Welt isoliert gewesen war, wurde Mandela in ein kleines Haus auf dem Gelände des Victor-Vester-Gefängnisses in Paarl verlegt.

«Es ging darum, ihn auf die Freiheit vorzubereiten», erzählt Jack Swart, der letzte Wärter von Mandela, der auch täglich für ihn kochte. Die Mikrowelle war komplett neu für ihn, und er konnte nicht glauben, dass Swart damit ein Glas Wasser aufgewärmt hatte. Dann, am 11. Februar 1990, durfte Mandela gehen. Er entschied sich, 100 Meter vor dem Gefängnistor aus dem Wagen auszusteigen und zu Fuß in die Freiheit zu gehen.

Vier Jahre später gewannen Mandela und der ANC die ersten freien und demokratischen Wahlen in Südafrika, er wurde der erste schwarze Präsident des Landes. Weil er statt auf Vergeltung auf Versöhnung mit den früheren Unterdrückern setzte, bekam Mandela den Friedensnobelpreis verliehen. Eine Reise durch die Stationen von Mandelas Leben ist sowohl beunruhigend als auch erbaulich, auf alle Fälle aber sehr interessant und unvergesslich.

(L'essentiel/swe)

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