Selbsttest

01. Oktober 2017 13:25; Akt: 01.10.2017 13:37 Print

«Ich habe eine Woche lang im Büro masturbiert»

Angeblich führt Selbstbefriedigung im Büro zu höherer Produktivität. Unser «Tilllate»-Kollege aus der Schweiz versteht es als seine Pflicht, diese These zu testen.

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Masturbieren im Büro soll produktiver machen.

Zum Thema

Vor ein paar Monaten erklärten Psychologen aus Großbritannien, dass Masturbieren im Büro produktiver macht. Unter anderem weil die Mitarbeiter dann «weniger aggressiv» wären und Selbstbefriedigung zu «mehr Lächeln» im Büro führen würde.

Für die Wissenschaft und den Lebenslauf

Meine Eltern hingegen erzählten mir früher, Onanieren mache blind. Da ich bis heute ohne Brille durchs Leben schreite, habe ich mir einen gesunden Zweifel gegenüber Masturbationsmythen angeeignet. Die einzig logische Konsequenz ist es also, die Behauptungen der britischen Wissenschaftler eigenhändig zu testen. Dann kann ich in ein paar Jahren auch behaupten, eines der größten Medienhäuser der Schweiz habe mich fürs Wichsen bezahlt. Das macht sich gut im Lebenslauf, schätze ich.

Eigentlich bin ich ja nicht so der Ich-wichse-im-Büro-Typ. Diesen stelle ich mir entweder als 25-jährigen Fitness-Fritz auf Steroiden oder eher noch als leicht deprimierten, geschiedenen, dicklichen Mittvierziger mit Halbglatze und Job im mittleren Management vor. Vielleicht macht mich mein wissenschaftliches Experiment eben auch zu so einem Typen, wer weiß? Den Managementlohn zumindest fände ich ganz ok, auf die Halbglatze könnte ich verzichten.

Die großen Fragen

Montag, 10 Uhr, Scheißlaune. Obwohl ich mich viel zu müde fühle, verziehe ich mich aufs Klo. Glücklicherweise gibt's auf unserem Stockwerk eine Ein-Kammer-Toilette und glücklicherweise ist die auch angenehm weit von meinem Arbeitsplatz entfernt. Nachdem ich mich hingesetzt und mir eine Minute lang irgendwas von investigativem Journalismus und Pulitzer-Preis eingeflüstert habe, tue ich das, was man immer tut, wenn man der eigenen Eichel ins Auge blickt: Über die großen Fragen des Lebens sinnieren.

Soll ich Pornhub oder Youporn öffnen? Was ist, wenn mich der Geschäftsführer hört? Werde ich hierfür genug gut bezahlt? Wer hat bisher alles in diesem Raum masturbiert? Hat Steve Jobs auch auf dem Klo onaniert oder war er wegen den LSD-Trips so erfolgreich? Klingt eine Hand, die klatscht, anders als eine Hand, die masturbiert?

Bekommt das jemand mit?

Ich entscheide mich für Porno-Gifs (wegen des fehlenden Sounds), muss dooferweise abwechselnd an Steve Jobs und den Geschäftsführer denken, kriege es aber doch auf die Reihe und komme nach fünf Minuten in die Kloschüssel. Puh. Ich fühle mich erleichtert, aber eher weil die Sache jetzt vorerst vorbei ist. Und ich bin ein bisschen peinlich berührt und wasche mir die Hände beinahe zwei Minuten lang mit Seife, in der Angst, die Mitarbeiter könnten etwas riechen.

Drei Tage und fünf Session später hege ich langsam den Verdacht, dass jemand aus dem Büro mitbekommt, weshalb ich plötzlich ein bisschen länger und öfter auf der Toilette herumhänge. Ich lasse subtil Kommentare über Verdauungsprobleme in Gespräche einfließen und spreche ein paar Stoßgebete gen Himmel. In Bezug auf meine Produktivität stelle ich aber kaum Veränderungen fest. Ich scheine ein bisschen mehr mit Mitarbeiterinnen zu flirten und frage mich, ob mich das nun zu einem Creep macht. Zu besserer Arbeit führt das aber wohl kaum.

Am fünften Tag fühle ich mich bei der Angelegenheit beinahe schon routiniert. So als ob ich seit Jahren täglich PR-Texte verfasse, Make-Up-Tutorials drehe oder mich sonst wie selbstbefriedige. Einmal lief ein Mitarbeiter pünktlich zum Orgasmus ins Vorräumchen der Toilette – das war nicht so sexy. Aber ansonsten waren die Sessions bisher überraschend angenehm und tatsächlich ein kleiner Aufheller im Büroalltag. Nicht ganz so gut wie gratis Schokocroissants, aber besser als eine Sitzung mit der Personal-Abteilung.

Ein paar Statistiken

Nach einer Woche ist die Zeit gekommen (lol), ein Fazit zu ziehen. Ganz wissenschaftlich präsentiere ich euch zuerst die reinen Daten:

• Ich habe an fünf Tagen zehn Mal im Büro onaniert

• Neun Mal mit Hilfe von Pornobildchen, einmal ganz oldschool, mit Fantasie und so

• Zwei Mal lief jemand in den Vorraum der Toilette

• Einmal war mir die Sache so peinlich, dass ich die Übung nach zwei Minuten abgebrochen habe

• Insgesamt habe ich rund 45 Minuten auf Kosten meines Arbeitgebers masturbiert.

Wichtiger als die wissenschaftlichen Ergebnisse ist aber die Analyse. Grundlegend kann ich der Studie nicht widersprechen. Es ist ganz okay, im Büro zu masturbieren – nicht mehr und nicht weniger. Wahnsinnig viel glücklicher machte mich die ganze Aktion aber nur an dem Tag, an dem ich tatsächlich ohne Pornografie masturbierte. Ich hatte das Gefühl, positiver und produktiver zu sein. Aber das lag vielleicht schlicht daran, dass ich an dem Tag eh schon horny war und deshalb weniger auf die Reihe bekam.

Scheiß aufs Schamgefühl

Der größte Gewinn für mich: Sollte ich mich mal wegen akuter Geilheit kaum konzentrieren können, werde ich keine Probleme mehr damit haben, auf dem Büroklo Fünf-gegen-Eins zu spielen. Aber das wars auch schon. Einen Versuch war die Sache garantiert wert. Alleine schon für den Lebenslauf, die Wissenschaft und den Journalismus. Angeblich sei der ja am Arsch, aber wahrscheinlich fehlts dem Land halt einfach an wagemutigen Menschen wie mir. Das ist traurig.

(L'essentiel/Tilllate)

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  • Léon am 02.10.2017 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    Beaucoup d âne sur terre /

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