Japan bizarr

08. Juni 2012 08:00; Akt: 08.06.2012 08:05 Print

Pop besiegt Politik

Eine Mädchenband als Demokratieersatz? Die Suche nach einer neuen Frontfrau für AKB48 hat in Japan mehr Interesse ausgelöst als jeder Wechsel in der politischen Führung des Landes.

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Fotos des neuen Stars dominierten am Donnerstag die Titelseiten der japanischen Zeitungen. AKB48 ist ein Phänomen in der japanischen Popkultur: Die Gruppe basiert auf einem Pool von rund 90 Jugendlichen und jungen Frauen, die je nach ihrer Beliebtheit ins Rampenlicht rücken oder wieder in den Schatten zurücktreten müssen.

Ursprünglich wurden die Mitglieder von AKB48 von ihrem Gründer Yasushi Akimoto bei Castings ausgewählt, doch nach Protesten der Fans wurde die Idee einer «demokratischen Wahl» geboren, wie Musikkritiker Satoshi Hamano berichtet.

Das Konzept ist unglaublich clever: An der Wahl konnte sich nur beteiligen, wer die neueste Single der Mädchenband, «Manatsu no Sounds Good», gekauft hat – der englisch-japanische Text lässt sich kaum übersetzen, hat aber irgendetwas mit Sommer zu tun.

Ein Tag, 1,17 Millionen Singles

Allein am ersten Tag verkauften sich Wahlschein und Single unglaubliche 1,17 Millionen Mal – einige Fans griffen offensichtlich mehrmals zu, um die Chancen ihrer Favoritin zu erhöhen. Hamano erklärt den Hype um die Band mit dem Ohnmachtsgefühl der Jugend gegenüber den «alten Männern», die seit Jahren die Politik dominieren.

«Die Jugend glaubt nicht daran, dass sie die Politik ändern kann, aber sie glaubt, dass sie AKB48 ändern kann», sagt der Kritiker. Die Fans glaubten, sie selbst und nicht die Musikindustrie könnten bestimmen, wer Star wird: «Das ist die japanische Version des amerikanischen Traums.»

(L'essentiel Online/sda)