Restaurants im Libanon

16. April 2018 09:34; Akt: 16.04.2018 09:42 Print

Shisha-​​Qualm und Mezze-​​Wahnsinn

Wer der Völlerei nicht abgeneigt und nicht auf Diät ist, kommt in libanesischen Restaurants auf seine Kosten. Eine Klasse für sich: das Riesen-Resti Al Shams in Anjar.

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Der Libanon ist ein Paradies für Hedonisten. Dafür sorgen nicht nur der ausgezeichnete Wein aus der Bekaa-Ebene und die zahllosen Party-Locations in der Hauptstadt, sondern auch das unglaublich gute Essen.

Als unwissender Besucher dauert es eine Weile, bis man die elementaren Grundregeln begreift: Selbst das Mittagessen kann hier gern einmal zwei bis drei Stunden dauern, das Essen wird ausgiebig zelebriert. Dann gilt es, einen Anfängerfehler zu vermeiden: Wer sich komplett mit den unwiderstehlichen Mezze vollfrisst, wird Mühe haben, auch noch den Hauptgang (meist grilliertes Fleisch oder Fisch) und das Dessert zu meistern. Und zu guter Letzt: Eine Shisha (deren Nachteile für die Gesundheit hier niemanden zu scheren scheinen) rundet das üppige Mahl ab.

Ein Rauchverbot gibt es in libanesischen Restaurants nicht – und so ist die Luft fast überall geschwängert von Zigarettendunst und süßem Shisha-Qualm. Viele Gasthäuser haben eigens Kellner, die nur damit beschäftigt sind, Wasserpfeifen an die Tische zu bringen und Aschehäufchen gegen frische Kohle auszutauschen.

Großfamilien verdrücken Berge von Mezze

Ein Restaurant bleibt besonders in Erinnerung: das Al Shams in der Kleinstadt Anjar, 60 Kilometer östlich von Beirut. Die Bezeichnung Fresstempel passt hier perfekt – im positiven Sinne. Das Al Shams ist riesig und bietet Platz für etwa 3000 Gäste gleichzeitig. Zum Vergleich: Die Stadt Anjar selbst hat nur 2400 Einwohner. Die Halle, anders kann man es nicht nennen, ist so groß, dass man sich auf dem Weg zum WC leicht verläuft. Lediglich der Springbrunnen in der Mitte hilft bei der Orientierung.

Dem Kellner zufolge kommen Libanesen aus dem ganzen Land hierher. Das scheint kaum übertrieben: Beinahe jeder Tisch ist besetzt – hauptsächlich von Großfamilien ab zehn Leuten, die Berge von Mezze verdrücken, Shisha rauchen und gleichzeitig ihre herumtollenden Kinder und schlafenden Babys im Auge behalten. Während Anjar größtenteils von Armeniern bewohnt ist, schlagen sich hier nicht nur Christen, sondern auch Schiiten, Sunniten und andere Religionsangehörige die Bäuche voll. Wie liberal viele Libanesen eingestellt sind, lässt sich auch in diesem Restaurant beobachten: Tischnachbar Mohammed etwa, ein Sunnit aus Tripoli, genehmigt sich gern ein Gläschen libanesischen Rosé.

Mokka gegen das Fresskoma

Trotz der Größe des Restaurants ist das Essen fantastisch. Neben Hummus (Kichererbsenpüree), Tabbouleh (Bulgur-Petersiliensalat), Labneh (Frischkäse) und Moutabbal (Püree aus gegrillten Auberginen) begeistern vor allem die Desserts: kandierte, getrocknete und mit Kardamom und Rosenwasser parfümierte Früchte, saftiger Kuchen und mit einer Art Marshmallow-Maße gefüllte Pralinés. Das Highlight kommt am Schluss: Ein Mann mit beeindruckenden Koteletten und einer ebenso beeindruckenden monströsen Kaffeekanne geht von Tisch zu Tisch und schenkt starken, mit Kardamom gewürzten Mokka aus. Auf einen Schlag ist man aus dem Fresskoma erwacht.

Am Ende rollt der Besucher förmlich wieder auf die Straße hinaus. Der Besuch der nahe gelegenen Ruinen von Anjar (siehe Bildstrecke) wird danach jedenfalls zu einer sehr gemächlichen Angelegenheit.

Die Reise wurde ermöglicht durch die Fluggesellschaft Germania und Mövenpick Hotels.

(L'essentiel)

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