«Ich bin so traurig»

06. April 2018 07:00; Akt: 05.04.2018 22:03 Print

Touristen dürfen nicht auf «schönste Insel der Welt»

Die philippinische Ferieninsel Boracay wird sechs Monate lang für Touristen gesperrt. Keine gute Nachricht für die vom Tourismus abhängigen Einwohner.

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Mit ihren paradiesischen Stränden zieht Boracay, die populärste Urlaubsinsel der Philippinen, alljährlich Millionen an. 2017 wurde sie vom Reisemagazin «Condé Nast Traveller» zur schönsten Insel der Welt gewählt. Ende Monat, am 26. April, aber muss das Paradies seine Tore schließen: Die Insel wird zum Schutz der Umwelt – und zum Ärger der örtlichen Tourismusbranche – für mindestens ein halbes Jahr für Auswärtige und Touristen gesperrt.

Ein entsprechendes Dekret des philippinischen Staatschefs Rodrigo Duterte wurde jetzt von dessen Sprecher Harry Roque verkündet. Bereits im Februar hatte Duterte die Insel als «Kloake» bezeichnet und den rund 500 Hotels, Restaurants und anderen Unternehmen in der Tourismusbranche vorgeworfen, ihre Abwässer ungeklärt einfach ins Meer zu leiten.

Einem offiziellen Bericht zufolge ist die Wasserqualität zwar noch immer so gut, dass beim Schwimmen keine Gesundheitsgefahr besteht. Doch: «Boracay ist als ein Paradies in unserem Land bekannt und diese vorübergehende Schließung soll sicherstellen, dass die kommenden Generationen dies auch noch erleben werden», sagte Duterte-Sprecher Roque in Manila vor Journalisten.

«Sechs Monate keine Arbeit und keinen Lohn»

Noch ist unklar, wie der Beschluss des Präsidenten umgesetzt werden soll. Ein Vorschlag geht dahin, dass in dem halben Jahr nur noch die Bewohner auf die Insel dürfen. Dass offenbar örtliche Tourismusunternehmen in dieser Zeit finanziell unterstützt werden sollen, tröstet die wenigsten. «Ich bin so traurig», sagt Hotelmitarbeiterin Jackie zu 20 Minuten. «Ich werde sechs Monate keine Arbeit und keinen Lohn haben.»

Sie selbst stamme vom philippinischen Festland. Dorthin will sie für den Zeitraum der Schließung wieder zurück. Sie bezweifelt aber, dass sie dort einen neuen Job finden wird. «Ich hoffe, in sechs Monaten wieder auf Boracay arbeiten zu können», sagt Jackie. Sie hoffe, dass sie für den Verdienstausfall eine Kompensation erhalte. Man hört ihr an, dass das eher Zweckoptimismus ist.

Sie ist nicht die Einzige. Mit seiner Entscheidung bringt Präsident Duterte Tausende Philippiner gegen sich auf, die auf Boracay in der Tourismusbranche arbeiten. Pro Jahr kommen zwei Millionen Gäste auf die Insel, der philippinischen Wirtschaft bringt das rund eine Milliarde Dollar ein.

Falls nötig, kommt die Armee

Manuel Raagas, der auf Boracay ein Hostel führt, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Schließung der Insel für Touristen bringe ihn in ein «Dilemma»: «Wir werden kein Einkommen haben und wir müssen Rechnungen zahlen, also weiß ich nicht, ob ich überleben werde.»

Die Behörden kündigten an, die Zeit der Schließung für den Bau neuer Abwasser- und Entwässerungssysteme zu nutzen, in Feuchtgebieten errichtete Gebäude abzureißen und Umweltvergehen zu ahnden. DieSschließung soll von der Polizei und unter Umständen sogar von der Armee durchgesetzt werden.

Chinesisches Casinoresort genehmigt

Experten kritisieren, dass die philippinische Regierung mit der Schließung von Boracay ihrem eigenen Entwicklungskonzept für die Insel widerspreche.

Außerdem sei noch kurz vor Dutertes Dekret der Bau des 500 Millionen Dollar teuren Casinoresorts eines Hongkonger Casinobetreibers genehmigt worden, das an der weniger entwickelten Ostküste der Insel entstehen soll. Kritiker der Anordnung monieren deswegen, dass es Duterte mit der Schließung nicht um die Umwelt gehe, sondern um das Gewinnen ausländischer, vor allem chinesischer Investoren.

Schließung fällt in Nebensaison

Der örtliche Unternehmerverband Boracay Foundation Inc. forderte, nur die Geschäfte von Umweltsündern zu schließen, statt die gesamte Insel stillzulegen. «Es ist ungerecht, dass rechtstreue Unternehmen von der Schließung betroffen sind», sagte Verbandschefin Pia Miraflores der Nachrichtenagentur AFP.

Unter den Schweizer Touristikern löst die vorübergehende Schließung der Insel wenig Aufregung aus, zumal sie hauptsächlich in die Sommermonate und damit in die Nebensaison fällt.

Auch Thailands «The Beach»-Strand geschlossen

Nicht nur auf den Philippinen, auch in Thailand schließt die Regierung Touristenorte zwecks Schonung oder Überholung. So wird etwa der aus dem Film «The Beach» bekannte Strand auf Koh Phi Phi Leh ab Juni 2018 alljährlich für vier Monate gesperrt.

Nach dieser Pause werden ab Oktober täglich «nur» noch 2000 Touristen zur Maya Beach zugelassen und die Boote, die sie auf Koh Phi Phi Leh bringen, dürfen nicht mehr am Strand ankern. Wer schon einmal an der überlaufenen und gar nicht mehr idyllischen Maya Beach war, dürfte diese Maßnahmen begrüßen.

(L'essentiel/gux/afp)

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