Ocean Cleanup

07. September 2018 13:21; Akt: 07.09.2018 13:27 Print

Ab Samstag werden die Ozeane aufgeräumt

Nun geht es dem Plastikmüll in den Weltmeeren an den Kragen. Als Erstes wird der Great Pacific Garbage Patch in Angriff genommen.

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In der Bucht von San Francisco liegt ein riesiger Schwimmkörper für eine einzigartige Säuberungsaktion bereit. Wie Fangarme sollen sich die Enden des 600 Meter langen Kunststoffrohrs um Berge von Plastikmüll legen – zunächst auf dem Pazifik zwischen Kalifornien und Hawaii.

Im Hafen von Alameda, gegenüber der Skyline von San Francisco, wurde die Konstruktion für das Projekt The Ocean Cleanup seit März zusammengebaut und getestet. Nun wird es ernst: Am Samstag soll die U-förmige Anlage unter der Golden Gate Brücke hindurch knapp 500 Kilometer von der Küste weg aufs offene Meer gezogen werden.

Plastik so weit das Auge reicht

Nach weiteren Tests will das Team um den 24-jährigen Niederländer Boyan Slat den riesigen Müllfänger dann zum Nordpazifikwirbel – dem Great Pacific Garbage Patch – schleppen. Das Gebiet gehört zu den fünf größten Strömungswirbeln weltweit, an denen sich gigantische Mengen Plastikmüll sammeln.

Wissenschaftler des Projekts und von verschiedenen Universitäten sprechen von 1,8 Billionen Plastikteilen – allein im am stärksten verschmutzten Pazifikgebiet, das sich über eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern erstreckt – etwa dreimal die Fläche Frankreichs.

Acht Jahre Vorbereitung

Der Schwimmkörper, an dem eine Art Vorhang drei Meter tief ins Wasser hängt, soll durch den Plastikteppich treiben und den Müll einsammeln. Der werde dann später von Schiffen, die als «Müllwagen der Weltmeere» zu den Anlagen fahren, entsorgt und das Sammelgut zur weiteren Verarbeitung an Land gebracht, so Slat.

So soll das Projekt ablaufen. (Video: The Ocean Cleanup)

Schon mit 16 Jahren sei ihm beim Tauchen in Griechenland die Idee gekommen, als er im Wasser «fast mehr Plastik als Fische» sah. Er konnte Investoren sowie zahlreiche Universitäten und Unternehmen für sein Millionenprojekt gewinnen. Die Zentrale ist im niederländischen Delft, vor der Nordseeküste wurden die ersten Prototypen getestet.

Verpackungen, Flaschen, Tüten – gigantische Mengen Plastik verschmutzen die Weltmeere. Wie viel es genau ist, weiß keiner. Schätzungen gehen von bis zu 150 Millionen Tonnen aus. Slat und sein Team haben hochgesteckte Ziele. Vorausgesetzt, bei der Generalprobe in Kalifornien mit System 001 läuft alles wie geplant, sollen 60 derartige Anlagen installiert werden.

Es gibt auch Kritik

Doch das Projekt wirft auch Fragen auf und wird von vielen Experten eher kritisch gesehen. Ein Kritikpunkt: The Ocean Cleanup kratze buchstäblich nur an der Oberfläche. Eben Schwartz von der California Coastal Commission, einer staatlichen Behörde für Küstenschutz, verweist darauf, dass sich der Großteil des Plastikmülls in den Weltmeeren unter der Wasseroberfläche ansammelt, bis zum Meeresboden. Slat stelle die wahren Ausmaße des Problems nicht deutlich genug dar.

«Natürlich gibt es eine Menge Plastikmüll an der Oberfläche des Garbage Patch, aber der macht nicht einmal drei Prozent der gesamten Plastikmasse aus, die jährlich in die Weltmeere wandert», sagt Schwartz. Slat habe bestimmt die «besten Absichten», Müll zu entfernen, doch viel wichtiger sei es, von vornherein zu verhindern, dass weiter Plastik in die Ozeane gelangt.

Bedenken von Forschern, dass sich Meerestiere in der schwimmenden Barriere verfangen, weist das Team von The Ocean Cleanup weitgehend zurück. Mit der Wasserströmung könnten sie unbeschadet unter der Anlage wegtauchen, heißt es auf der Website der Stiftung.

Verschiedene Lösungsansätze gefordert

«Sie sind sehr gut darin, ihr Projekt zu verkaufen», sagt Schwartz über die Initiative, die er zugleich als «sehr beeindruckend und innovativ» beschreibt. «Wir brauchen aber viele Lösungsansätze, nicht nur ein Pflaster, nachdem die Verschmutzung bereits passiert ist.»

Dazu gehört der «Coastal Cleanup Day», den die Behörde entlang der kalifornischen Küste seit 1985 organisiert. Freiwillige Helfer sammeln dabei einmal im Jahr Müll an den Stränden ein. 2017 machten mehr als 63.000 Menschen mit, sie entfernten über 362 Tonnen Müll. In diesem Jahr startet die Aktion am 15. September, eine Woche nach dem Stapellauf von Slats System 001 in der Bucht von San Francisco.

Jeden Tag gelangt mehr Plastik ins Meer. So will Boyan Slat dem ein Ende setzen. (Video: Youtube/The Ocean Cleanup)

(L'essentiel/fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Timon am 07.09.2018 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlech get mol eppes ennerholl, an Industrie muss och mol op Fangeren geklappt kreien, vun der Politik, et ass fir ze kreichen wei Emwelt an Deieren ennert der Dommheet an der Gier vum Mensch leid. Am Supermarché ass alles zig mol verpaak, dàt nervt. Et ass net fir de Fehler emmer dem Bierger ze gin, ech wees vill Leit recyclen, all Respekt, et gin iwwerall schwarz Schof, an mir mussen un Zukunft vun eisen Kanner denken. Sollen dei herno un dem ganzen Dreck erstecken. Eis Welt ass esou wonnerschein.

  • Iris Gläser am 08.09.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow, einmal im Jahr wird Müll am Strand eingesammelt? Das ist ja der Hammer... Natürlich ist die Sammelanlage ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenigstens ein Anfang! Und wenn jeder von uns seinen Müll vom Strand wieder mitnehmen würde, wäre das ein weiterer Tropfen. Ich konnte im Sommer an Belgiens Strand mein Baby nicht krabbeln lassen, weil er pausenlos Zigarettenstummel, Plastikverpackungen oder Dosen gefunden hat. Das ist doch eigentlich common sense, dass man den Strand, an dem sich alle entspannen wollen, nicht zumüllt!

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  • Iris Gläser am 08.09.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow, einmal im Jahr wird Müll am Strand eingesammelt? Das ist ja der Hammer... Natürlich ist die Sammelanlage ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenigstens ein Anfang! Und wenn jeder von uns seinen Müll vom Strand wieder mitnehmen würde, wäre das ein weiterer Tropfen. Ich konnte im Sommer an Belgiens Strand mein Baby nicht krabbeln lassen, weil er pausenlos Zigarettenstummel, Plastikverpackungen oder Dosen gefunden hat. Das ist doch eigentlich common sense, dass man den Strand, an dem sich alle entspannen wollen, nicht zumüllt!

  • Timon am 07.09.2018 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlech get mol eppes ennerholl, an Industrie muss och mol op Fangeren geklappt kreien, vun der Politik, et ass fir ze kreichen wei Emwelt an Deieren ennert der Dommheet an der Gier vum Mensch leid. Am Supermarché ass alles zig mol verpaak, dàt nervt. Et ass net fir de Fehler emmer dem Bierger ze gin, ech wees vill Leit recyclen, all Respekt, et gin iwwerall schwarz Schof, an mir mussen un Zukunft vun eisen Kanner denken. Sollen dei herno un dem ganzen Dreck erstecken. Eis Welt ass esou wonnerschein.