Detox nach Ayurveda

28. Februar 2021 17:06; Akt: 28.02.2021 17:12 Print

«Ayurveda-​​Food stärkt das Immunsystem»

Detoxpraktiken aus der indischen Heilkunst sind gerade super gefragt. Eine Expertin erklärt, wie eine solche Kur funktioniert und was du dabei beachten solltest.

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(Bild: Getty Images/iStockphoto)

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Ständig poppen neue Ayurveda-Food-Pics in unseren Social-Media-Feeds auf. Vor allem in Sachen Detox – das ergibt im Frühling auch Sinn. Denn Entgiftungskuren sollen für neue Energie sorgen. Danach können wir hoffentlich wieder wie ein junges Reh über die Wiese hüpfen.

So ein Detox klappt besonders gut mit ayurvedischen Reinigungspraktiken, da die über 5000 Jahre alte indische Heilkunst mit Gewürzen wie Ingwer, Kreuzkümmel oder Pfeffer die Verdauung fördert, anstatt sie durch Fasten zu schwächen.

Daniela Dörflinger Bruggeman, ganzheitliche Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin sowie Gründerin der Ayurveda-Blogs Ayurfood.ch, erklärt dir im Interview, wie Detoxen nach Ayurveda funktioniert. Dass du dabei auf Alkohol, Kaffee und andere toxische Substanzen verzichtest, versteht sich von selbst.

Daniela, weshalb findest du genau diese Kur besonders effektiv?

Eine ayurvedische Reinigungskur kurbelt nicht nur den Stoffwechsel an und wir nehmen ab, sie stärkt auch das Immunsystem. Zudem fühlst du dich danach klarer im Kopf.

Worin unterscheidet sich diese Art Detox von anderen Reinigungskuren?

Man versucht, mit und nicht gegen den Körper zu arbeiten. Ein Ayurveda-Detox sollte keine Qual sein, weshalb wir hier auf eine feste Tagesstruktur mit regelmäßigen Mahlzeiten (dreimal täglich) setzen. Denn statt zu Fasten, ist der Zweck einer Ayurveda-Kur die Verdauung – im Ayurveda nennen wir das Verdauungsfeuer Agni – stets am Laufen ist. Darum wird das Ayurveda-Detoxen in drei Phasen aufgeteilt: die Abbautage, die Detoxtage und Aufbautage. An den Abbautagen geht es darum, den Körper schrittweise auf die Kur einzustimmen, an den Aufbautagen gewöhnen wir unseren Body langsam wieder an normales Essen.

Wie lange dauert so ein Ayurveda-Detox jeweils insgesamt?

Bei einem Ayurveda-Detox arbeitest du sanft – wie oben erwähnt – mit fließenden Übergängen. Wenn du dich jetzt für drei Detox-Tage entscheidest, rate ich dir davor zu zwei bis drei Abbautagen und nach den drei fixen Detox-Tagen ebenfalls zu zwei bis drei Aufbautagen. Generell gilt aber: Je mehr Zeit du dir für so eine Ayurveda-Kur nimmst, desto weniger hast du mit unangenehmen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit zu kämpfen.

Welche Gerichte nimmt man jeweils während den Abbau-, Detox- und Aufbautagen zu sich?

Weil wir im Ayurveda auf zu viele Reize verzichten, ist es ratsam auf eine Monodiät zu setzen. In anderen Worten: Du isst jeden Tag dasselbe. Zudem ist es wichtig, dass du hier immer warm zubereitete Nahrungsmittel zu dir nimmst und die immer kleiner und suppiger werdenden Portionen gut kaust. So etwa 30 bis 60 mal Kauen sollten reichen.

Den Morgen kannst einer Tasse aufgekochtem Wasser mit Ingwer oder einem Spritzer Zitrone starten, das zu zu einem Porridge auf Basis von Reisflocken kombinierst. Oder du isst einen gedämpften Apfel zum Frühstück, den du mit Zimt und Nelken würzt. Ein typischer Ayurveda-Kur-Lunch ist das sogenannte Kitchari aus grünen Mungobohnen, also ein Eintopf den du eher suppig zubereitest. Die spezielle Mischung von dem Mungdahl und dem Reis wirkt übrigens basisch auf deinen Körper und bindet die Säure. So wird dein Verdauungsapparat sanft gereinigt und entlastet. Am Abend kommt eine leichte Gemüsebrühe gut oder du machst dir nochmals ein Kitchari.

Was sollte man vor Beginn einer Ayurveda-Kur beachten?

Stell sicher, dass du genügend Zeit für dich hast, um dich während der Kur richtig fallen zu lassen. Und informiere dein Umfeld: So ein Detox kann manchmal schon etwas abweisend machen.

«Nach einem Ayurveda-Detox fühlst du dich klarer im Kopf.»
Was ist in Sachen Food auch noch wichtig?

Alles immer gut kochen und saftig zubereiten, denn beim Ayurveda-Detoxen wird keine Rohkost, sondern immer warm und frisch gegessen. Auch das Gemüse, zum Beispiel Wurzelgemüse, Kürbis, Karotten, Pastinaken, Rote Bete, Fenchel, Zucchini oder Gurke. Zudem ist es bei der Zubereitung von vorwiegend Nahrungsmitteln wie Linsen, Mungobohnen oder Basmati-Reis wichtig, sie mit verdauungsfördernden Gewürzen anzureichern. Das hilft, überschüssige Säuren und Gifte auszuscheiden. Tipp: Verwende beim Kochen Ghee (Ghee ist ein dem Butterschmalz verwandtes Produkt und gehört in der Ayurveda-Küche zu den wichtigsten Speisefetten) und eventuell auch Sesamöl als Fettstoff, weil leichter verdaulich.

Welche Gewürze und Kräuter helfen da besonders?

Alle verdauungsfördernden Gewürze wie zum Beispiel Fenchel, Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel oder Stangenpfeffer sind super. Ich verwende aber auch viele frische Kräuter. Darunter Petersilie, Koriander, Basilikum oder Dill. Und jetzt natürlich auch saisonale Kräuter wie Brennnessel, Löwenzahn, Bärlauch oder Gerstengras.

Was können wir tun, wenn uns zwischendurch die Lust auf Süsses oder Snacks packt?

Normalerweise hat man nur am Anfang einer Kur solche Gelüste, weil sich der Körper zuerst an die Ernährungsumstellung gewöhnen muss. Falls es aber nicht anders geht, kannst du deinen Hunger zwischendurch gut mal mit Honig-Reiswaffeln, einer Tasse Chai, Trockenfrüchten oder Mandeln stillen.

(L'essentiel/Irène Schäppi)

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