Wellness in Indien

15. März 2017 15:54; Akt: 15.03.2017 15:59 Print

Ayurveda klingt easy, ist aber harte Arbeit

Massagen, Yoga, Entspannung – Ayurveda klingt wie der Himmel auf Erden. Doch der Weg zur totalen Entspannung kann richtig anstrengend sein.

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Ein Muskelkater von den vielen Massagen! So hatte ich mir meine Wellnessferien nicht vorgestellt. Yoga-Lehrer George kennt trotz Kreuzweh kein Erbarmen: Sonnengruss, Brücke, Bogen. «Habe Vertrauen in deinen Lehrer und in die Götter», sagt er – und hilft mir in den Kopfstand. Ich wusste gar nicht, dass ich den kann! Nach einer Stunde ist die Plackerei vorbei – und die Schmerzen sind wie verflogen. «Yoga ist Selbstmassage», meint George grinsend.

Ayurveda ist viel mehr als nur wohltuende Ölmassagen. Das jahrtausendealte medizinische System verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Dazu zählen Behandlungen genauso wie regelmäßige Bewegung und leichte, vegetarische Kost. «Stellen Sie sich Ihren Körper wie eine Unordnung vor, die wir aufräumen», erklärt Doktor Binu Nair. Dabei wird davon ausgegangen, dass wir alle über eine bestimmte Grundkonstitution verfügen, die sich aus den sogenannten Doshas zusammensetzt. Diese gilt es wieder in Einklang zu bringen.

Auf Basis einer gründlichen Anamnese inklusive Pulsdiagnose und Befragungen zur Lebensweise wird ein individueller Behandlungsplan zusammengestellt. So vergehen die Tage im Süden Indiens mit Yogaunterricht, Arztbesuch, Reis-Stempel-Massagen, Dampfbädern, Kräutermilchaufgüssen, Ohrenausräuchern und Lesen in der Hängematte.

Heimliche Träume von Spaghetti Napoli

Wer etwas mehr von Kerala zu sehen bekommen möchte, kann die Hotels der Soma-Gruppe kombinieren. So geht es für mich nach einigen Tagen vom Backwaters nahe Kochi zum Kovalam Beach in Trivandrum. Fein säuberlich wird meine Patientenakte für den Übertritt vorbereitet. An beiden Orten finden Alleinreisende schnell Anschluss, denn die meisten sind ohne Begleitung unterwegs. Die Finanzexpertin Anfang vierzig genauso wie der 81-jährige Pensionär oder der Yogalehrer Ende 20.

Im Bademantel trifft man sich beim Mittagessen. Gesprächsthema Nummer eins unter der buntgemischten Gästegruppe: der Öleinlauf, mit dem die Reinigungsphase der Panchakarma-Kur abgeschlossen wird. Das Abführen soll die Giftstoffe, die sich im Darm gesammelt haben, ausspülen. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Es ist etwas unangenehm, aber halb so schlimm. Nur bei der Reisgrütze, die nun aufgetischt wird, kommen kurzzeitig Wünsche nach Spaghetti Napoli auf.

Ayurveda ist auf dem Vormarsch

Danach wird der Körper erst mit ganz sanften und dann belebenden Massagen – statt mit den Händen wird der Köper jetzt mit den Füssen traktiert – auf Vordermann gebracht. Bei der täglichen Arztkonsultation fühlt Doktor Binu wortwörtlich den Puls. «Früher konnte die Diagnose allein über diese Methode erstellt werden», erklärt Dr. Binu. «Das Wissen wurde traditionell in der Familie weitergereicht. Seit die moderne Schulmedizin Indien erreicht hat, ist jedoch viel Know-how verloren gegangen», räumt er ein. Dennoch ist heute ein fünfeinhalbjähriges Studium nötig, um Ayurveda-Arzt zu werden. Seit zehn Jahren erfährt die traditionelle Medizin einen Aufschwung. «Das hängt mit dem gesteigerten Interesse aus dem Ausland zusammen. Wir blicken auf euch im Westen», so Nair.

Kaum versieht man es sich, sind die zwei Wochen schon um. Ein letztes Mal Aufwachen zu den Gesängen der Fischer, die am Strand ihre Netze einholen. Ich bin so entspannt wie lange nicht mehr und könnte gleichzeitig Bäume ausreißen. «Jetzt geht es darum, die Wirkung aufrechtzuerhalten», sagt der Arzt. Mein Yogakurs in der Heimat ist gebucht. Mein nächster Kaffee- und Kuchenplausch aber auch. Sorry, Doktor Binu!

(L'essentiel/sei)

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