Rock-A-Field

28. Juni 2014 11:02; Akt: 30.06.2014 10:09 Print

Balsam aus Bayern und ein weißer Zauberer

ROESER – Die Sportfreunde Stiller, 30 Seconds to Mars und Marteria versetzten das Publikum zum Auftakt des Rock-A-Field in Ekstase.

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Man kann von diesem Mann halten was, man will. Seine Musik – für manche ein ziemlich fader Klangteppich. Sein Erfolg – kommt ja nur daher, weil er so ein süßer Schnuckel aus Hollywood und nun auch noch Oscar-Preisträger ist.

Aber damit tut man Jared Leto höchst unrecht.

Denn der mittlerweile auch schon 42-Jährige ist ein begnadeter Rock-Entertainer. Das hat sich am Freitag eindrucksvoll bestätigt: Der weiß gewandete Frontmann feierte mit seiner Band 30 Seconds to Mars einen umjubelten Headliner-Auftritt zum Auftakt des Rock-A-Field-Festivals am Herchesfeld in Roeser. Nicht dabei war übrigens Schlagzeuger Shannon Leto, Jareds älterer Bruder: Er soll derzeit nach einer Alkoholfahrt im Gefängnis sitzen. Doch dem wie üblich opulenten Soundgewand der Kalifornier tat dies keinen Schaden.

Mit furchterregenden Songhymnen wie «A warning to the people, the good and the evil, this is war» zog das freche Jesus-Double gleich vom Anfang weg die Menge am RAF in seinen Bann. Inmitten einer beeindruckenden Lichtshow und bunten Luftballonen rückte die Musik zwar manchmal in den Hintergrund, doch mit Klassikern wie «Kings and Queens», «Do or Die» oder dem Hit «City of Angels» aus dem aktuellen Album «Love Lust Faith + Dreams» kamen die etwa 15'000 Fans voll auf ihre Kosten. Ein bisschen zu dick aufgetragen allerdings die Lobeshymnen fürs Publikum: «Luxembourg is a small country, but really amazing», «I will never forget this moment for the rest of my life» oder «I love you, you're so beautiful». Naja.

Zwischendrin war aber auch genug Zeit für Schabernack: Leto holte Dutzende Fans zu sich auf der Bühne, zwischenzeitlich sangen sogar Männer in Spiderman- und Löwenkostümen mit dem weißen Rock-Zauberer mit. Letos Versuch, einen echten «Luxemburgian who speaks Luxemburgish» auf die Bühne zu holen, endete jedoch im Fiasko: Dem armen Fan versagte einfach die Stimme. Die deutschen Auserwählten, die die Aura des bärtigen Zeremonienmeisters von ganz nah erfahren durften, ernteten dafür ein gnadenloses Buhkonzert.

«Wie, ihr mögt die Deutschen gar nicht?»

Ein kleiner Länderkampf darf in Zeiten der WM natürlich nicht fehlen. Das haben auch die stets gut gelaunten Sportfreunde Stiller bei ihrem Auftritt am frühen Abend unterschätzt. «Wie, ihr mögt die deutsche Mannschaft gar nicht?», fragt Sänger Peter Brugger halb im Ernst in die Menge - um dann doch den Leierkasten zu holen und eine Jahrmarkt-Version von «’54, ’74, ’90, 2006» darzubieten. Stark vorgetragen waren aber auch die alten Evergreen-Nummern «Komm schon», «Ich, Roque» und «Ein Kompliment». Es ist schwer, sich dem Charme und dem Optimismus der Band zu verschließen. Jede Songzeile bayerischer Balsam auf die geschundene Seele: «Will ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand, legst du mir Helm und Hammer in die Hand». Am RAF gab es hochverdienten «Applaus, Applaus» für diesen Auftritt der Sportis. Da sangen sogar einige der vielen belgischen Besucher am RAF mit.

Den Schlusspunkt eines chilligen, aber dennoch heiteren Musik-Abends setzte auf der kleinen Bühne der aktuelle deutsche Rap-König Marteria. Unterstützt von einer grandiosen Band stampfte das Ex-Model aus Ostdeutschland mit brachialer Gewalt auf die Bühne und feuerte die Lyrics im Maschinengewehrtempo in die dunkle Nacht hinein. «Oh mein Gott, dieser Himmel, wie komme ich da bloß rein?» Vielleicht mal Jared Leto fragen.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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