Tourismus in Venedig

07. August 2018 10:11; Akt: 07.08.2018 10:16 Print

Der Canal Grande wird zur «Autobahn im Meer»

Drei Menschen sind in Venedig am Wochenende bei Bootsunfällen gestorben. Politiker fordern stärkere Kontrollen des dichten Verkehrs auf dem Wasser.

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«In einem Maße besungen, beschrieben, gemalt, zerfilmt und totfotografiert, dass alle eigenen Venedig-Empfindungen sich im Zitatsalat verlieren und also erübrigen», schrieb der deutsche Autor Benjamin von Stuckrad-Barre über die italienische Stadt. Trotz oder wegen ihrer Bekanntheit zieht es etwa 30 Millionen Touristen pro Jahr nach Venedig, nur noch etwa 56.000 Einwohner leben dort.

Die Stadt droht zu kollabieren unter dem Maßentourismus, von dem sie gleichzeitig abhängig ist. Mittlerweile müssen die Besucherströme mit Drehkreuzen kanalisiert werden, den Zugang zum Markusplatz soll eine Ampel regeln. Und auch der Canal Grande kommt an seine Grenzen.

Zwei Boote kollidierten

Bei zwei Bootsunfällen starben am Wochenende drei Menschen, acht wurden verletzt. Am Freitag prallte ein Boot mit vier Menschen an Bord gegen ein Fischerboot, das auf dem Kanal bei San Nicolò di Lido am Zugang zur Lagune ankerte. Die beiden 69-jährigen Fischer aus Venedig kamen bei dem Unfall ums Leben, die vier Bootsinsaßen wurden leicht verletzt. Im Süden der Lagune ließ am Samstag eine ungewöhnlich hohe Welle ein Boot mit fünf Menschen an Bord kippen. Ein 76-jähriger Mann starb bei dem Unglück, vier Insaßen wurden leicht verletzt.

Die Zahl der Boote sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen, berichteten die Behörden des Hafens Venedig. Todesfälle seien zwar selten, doch immer wieder komme es in der Lagune zu Verletzungen nach Zusammenstössen zwischen Motorbooten. Starker Verkehr und hohe Geschwindigkeit seien die beiden Hauptprobleme. «Leider ist Venedig eine Autobahn im Meer geworden, auf der Motorboote ohne Regeln rasen», erklärte Stefano Pedica vom Partito Democratico.

«Mehr Tourismus gleich mehr Boote»

«Die Stadt ist stark auf Tourismus angewiesen. Mehr Tourismus bedeutet mehr Boote für den Personen- und Warenverkehr», sagte Marco Agostini, Sprecher der städtischen Polizei. Unter dem Ponte degli Scalzi, einer der vier Brücken über den Canal Grande, verkehren 300 Wasserfahrzeuge pro Stunde, vor allem Vaporetti, Taxi-Motorboote und andere Boote. «Venedig ist wie Bangkok», klagten einige Bewohner der Stadt.

Vielen Bootsbesitzern mangle es an nautischen Kenntnissen. Starke Motorboote würden von Jugendlichen geführt, die auf die Geschwindigkeit nicht achten würden. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, forderte mehr Polizeieinsatz. «Es muss strengere Kontrollen geben», sagte er.

Experten warnen seit längerem, die Bedrohung durch wachsenden Schiffs- und Bootsverkehr sei nicht geringer als die Gefahren durch das häufige Hochwasser. Die Jahrhunderte alten Palazzi stehen auf oftmals maroden Holzpfeilern, die dem Druck der Wellen einfach nicht länger standhalten würden. «Der Canal Grande ist zu einer höllischen Fahrbahn geworden, der Wellengang das Problem Nummer eins in Venedig», warnten lokale Medien.

(L'essentiel/hüt/sda)

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