Während Prohibition

26. Februar 2018 09:29; Akt: 26.02.2018 09:33 Print

Diese Inseln versorgten Amerika mit Alkohol

Während der Prohibition durfte in den USA kein Alkohol verkauft werden. Kleine Inseln vor Kanada sorgten aber für den Rausch der Amerikaner.

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Eine Handvoll kleiner, witterungsgeplagter Inseln einige Kilometer vor der Küste von Neufundland ist alles, was von der französischen Kolonialmacht in Nordamerika geblieben ist. Die Inselgruppe voller bunter Häuschen hat einst eine große Rolle in der Prohibition gespielt – oder in der Umgehung derselben.

Ein neuer Geschäftszweig dank der Prohibition

Entdeckt wurden die Inseln im frühen 16. Jahrhundert von Europäern, waren aber bis ins mittlere 18. Jahrhundert kaum bewohnt. Ab da wechselte die Besitzerschaft öfter zwischen England und Frankreich hin und her, bis es 1815 zwischen den Großmächten ruhiger wurde. Die außergewöhnliche Geschichte der Inselgruppe um Saint-Pierre und Miquelon beginnt aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts, mit der Prohibition, dem Alkoholverbot in den USA.

Über Nacht verboten die USA 1919 die Herstellung, den Transport und den Verkauf von Alkohol mit dem 18. Zusatzartikel der Verfassung. Für die Bewohner der französischen Inseln vor Kanada tat sich plötzlich ein neuer Geschäftszweig auf: das Brennen und Schmuggeln von alkoholhaltigen Getränken.

Genutzt von Al Capone und Bill McCoy

Alkoholproduzenten aus der ganzen Welt verschifften ihre Ware nun nach Saint-Pierre und Miquelon, bevor sie von dort über diverse Transportwege in die Vereinigten Staaten geschmuggelt wurden. Von der Lage der Inselgruppe machten auch bekannte Gangster-Größen Gebrauch: Al Capone und der berühmte Schmuggler Bill McCoy verkehrten dort.

Für die Bewohner der Inselgruppe war die Prohibition ein Segen: Die Fischerei war bereits durch den Ersten Weltkrieg geschwächt, viele Einheimische suchten verzweifelt nach neuen Nahrungs- oder Einkommensquellen. Diverse verbliebene Fischer legten ihre Arbeit nieder und begannen Alkohol zu lagern und zu verschiffen.

Von Frankreich unterstützt

Die Franzosen wollten indes die plötzlich wieder florierende Wirtschaft unterstützen und sorgten für die nötige Finanzierung, um Hafen und Lagerplätze zu vergrößern. Fischzuchten wurden aus Mangel an Arbeitskräften geschlossen und Destillerien an ihrer Stelle gebaut. Eines der Lagerhäuser, in denen früher Fisch gelagert wurde, wurde zum größten Alkohollager der Inseln.

Die Wirtschaft wuchs weiter, bis 1933 die Prohibition wieder abgeschafft wurde. So schnell wie der wirtschaftliche Aufstieg von Saint-Pierre und Miquelon begann, so schnell war er auch wieder zu Ende. Die Bewohner begannen wieder zu fischen, die Brennereien wurden geschlossen. Was bleibt, ist die Erinnerung an die kleinen Inseln, die die USA mit Alkohol versorgten.

(L'essentiel)

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