Ford Sierra XR4i

29. April 2018 20:48; Akt: 29.04.2018 20:50 Print

Doppelt beflügelt hält besser

Einen doppelten Heckflügel hatte außer ihm keiner. Aber das war nicht der einzige Grund, warum der Sierra XR4i vor über 30 Jahren besonders war.

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Als der Ford Sierra im Spätsommer 1982 vorgestellt wurde, erntete seine moderne Formgebung überraschte und skeptische Blicke. Denn im Vergleich zum kantigen und fast schon viereckigen Taunus glänzte der Sierra ausschließlich mit aerodynamischen Rundungen. Auf die Spitze trieb es der XR4i, der mit ungewöhnlicher Seitenfenstergestaltung und einem doppelten Heckflügel aufwartete.

Eigentlich hätte man damals ja einen rundlichen Nachfolger des Granada erwarten können, denn bereits im Jahr 1981 hatte Ford an der IAA in Frankfurt (und 1982 in Genf) mit der Studie «Probe III» gezeigt, in welche Richtung es gehen sollte. Trotzdem überraschte die avantgardistische Formgebung die eigentlich relativ konservativ ausgerichtete Ford-Kundschaft. Drei Seitenfenster, Schrägheck mit großer Klappe und eine rundliche Front ohne herkömmlichen Kühlergrill (beim Ghia und XR4i noch akzentuierter) waren damals sicherlich nicht Standard. Ein CW-Wert von 0,32 auch nicht!

Keine technischen Experimente

Technisch ging Ford auf Nummer sicher. Einen Umstieg von Heck- auf Frontantrieb schloss man aus, die Standardbauweise schien die richtige Wahl zu sein, zumal bereits der Taunus so gebaut worden war. Die Vier- und Sechszylinder-Motoren konnte man vom Vorgänger übernehmen und überarbeiten. Die Räder waren rundum einzeln aufgehängt. Das Interieur wurde wohnlich eingerichtet. Bei der Gestaltung der Polster und Innenausstattung sollen auch Frauen stark zu Wort gekommen sein.

Ein Sportmodell als Speerspitze

Die sportlichste Version namens XR4i wurde am Genfer Autosalon im März 1983 vorgestellt. Sie war besonders komplett ausgestattet (u.a. mit Leichtmetallrädern, Servolenkung, Zentralverriegelung, 3-Wellen-Radio, Heckscheibenwischer etc.) und fiel durch ihren doppelten Heckflügel auf. Nur dreitürig erhältlich wies der XR4i eine andere Gestaltung der Seitenfenster auf.

Ausgerüstet mit dem 2,8 Liter großen V6-Motor mit 150 PS war der XR4i laut Werk für Tempo 210 km/h gut und sollte in knapp 8 Sekunden von 0 bis 100 km/h sprinten. Dabei bot er fünf Leuten angenehmen Sitzkomfort und mit 354 Litern auch noch einen großen Kofferraum. Billig war er allerdings nicht, für 26.100 Euro gab es auch fast einen Alfa Romeo GTV6 oder einen BMW 323i.

Brav und durchaus sportiv

Eine Gebrauchsanleitung braucht man für den bis 1985 etwa 30.000 Mal gebauten XR4i nicht, solange man nicht die Motorhaube öffnen möchte. Deren Entriegelung ist nämlich dort montiert, wo man die Lenkradhöhenverstellung vermutet hätte. Ansonsten aber verhält sich der Sierra so handzahm, wie man es von einem Alltagsauto der Achtzigerjahre erwartet. Man sitzt relativ tief, genießt aber eine gute Rundumsicht, die der Doppel-Heckflügel nur geringfügig stört.

Gestartet wird natürlich per Zündschlüssel, und sofort lässt der V6 ein wohlklingendes, aber wenig aufdringliches Brummen ertönen. Er dreht sauber hoch, die Klangkulisse ist allerdings deutlich weniger inspirierend als diejenige der Konkurrenz aus München.

Eine angenehme Servolenkung und das gut schaltbare Fünfganggetriebe machen das Fahren im XR4i zum Vergnügen, allerdings lässt einen der Wagen nie vergessen, dass er mit 4,46 Metern Länge und 1,73 Metern Breite nicht besonders kompakt und mit 1260 kg Leergewicht (DIN) auch nicht überdurchschnittlich leicht geraten ist.

Auf jeden Fall kann man sich auch heute noch gut vorstellen, mit dem Sierra zur großen Reise aufzubrechen, und später ankommen als mit seinen modernen Nachfahren würde man sicherlich kaum.

Weitere Informationen samt vielen Fotos, Verkaufsprospekt und Tonmuster zum Ford Sierra XR4i gibt es auf www.zwischengas.com.

(L'essentiel)

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