BMW 2500

26. August 2018 15:44; Akt: 26.08.2018 15:49 Print

Erfolgreich nach den Sternen gegriffen

Vor rund 50 Jahren wurde der BMW 2500 der Baureihe E3 präsentiert. Er markierte einen erneuten Aufbruch in die Oberklasse.

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Man kann heute kaum mehr nachvollziehen, warum den Berichterstattern der neue «große» BMW im Jahr 1968 so sensationell vorkam.

Wenn man sich aber erinnert, dass BMW nach dem Barockengel nur noch Fahrzeuge mit maximal vier Zylindern und viele sogar mit noch weniger Zylindern baute, dann versteht man das Interesse am ersten Sechszylinder der Neuzeit.

Aufbruch zu neuer Größe

Die Baureihe E3 trat im Herbst 1968 mit einem komplett neuen Motor, dem M30, an. Bei diesem hatte BMW alle seine Kompetenzen in die Waagschale geworfen und einen wirklich meisterlichen Wurf geschafft. Dank Drei-Kugel-Wirbelwannen-Brennraum und einer siebenfach gelagerten Kurbelwelle erreichten die BMW-Ingenieure eine besonders weiche Verbrennung und einen fast vibrationsfreien Lauf des Reihensechszylinders.

Der Motor wurde bereits in den ersten Berichten in den allerhöchsten Tönen gelobt. Und er leistete unüblich hohe 150 DIN-PS bei 6000 Umdrehungen, was ihn bereits als Sportmotor charakterisierte. Und den BMW 2500 zu überdurchschnittlichen Fahrleistungen befeuerte.

Gelungener Wurf

Aber auch die Karosserie kam bei den Betrachtern sehr gut an. Trotz Ausrichtung auf die Oberklasse übertrieb man es bei den Dimensionen der neuen Limousine nicht. Mit einem Radstand von 269 cm übertraf der E3 die neue Klasse nur um 14 cm, mit einer Gesamtlänge von 470 cm und einer Breite von 170 cm blieb der BMW 2500/2800 kompakt.

Rund 22.000 Euro kostete der BMW 2500 (es gab auch ein teureres und 20 PS stärkeres Modell 2800). Bei der Konkurrenz gab es auch deutlich günstigere Sechszylinder, aber eben keine BMWs.

Kein Schlachtschiff

Setzt man sich heute in den 4,7 Meter langen Oberklassen-BMW, dann fällt einem sofort auf, warum das Auto damals so gut ankam. Man sitzt gut, freut sich über eine fast unbeschränkte Aussicht nach draußen, schaut auf schön strukturierte Instrumente, während die Hand fast von selbst auf den Schalthebel fällt.

Ohne groß nachzudenken gelingen einem all die üblichen Handgriffe und kaum je käme man darauf, das Handbuch zu suchen. Zumindest so lange nicht, bis man die Motorhaube entriegeln möchte. Den Hebel dazu versteckten die BMW-Konstrukteure nämlich unter einer Klappe mit den Sicherungen links am Armaturenbrett – darauf muss man erst einmal kommen.

50 Jahre Fahrfreude

Einmal in Fahrt gebracht, bereitet der BMW 2500 jene Fahrfreude, die den Autos des Münchener Autobauers ja so angeboren ist. Trotz der 1,3 Tonnen fühlt sich die Limousine handlich an, auch die Dimensionen werden heute von jedem VW Passat übertroffen. Das Getriebe lässt sich leicht und exakt schalten, die Bedienkräfte sind überschaubar. Und der samtig agierende Sechszylinder erfreut mit ordentlich Schub, langsam kommt man sich dabei nie vor. Und man kann gut nachvollziehen, dass Abkömmlinge des M30 noch bis in die 1990er-Jahre gebaut wurden.

Der BMW E3 war von Anfang an ein Volltreffer, allzu viele Verbesserungen waren über die Jahre also gar nicht nötig. Trotzdem wurde die BMW-Oberklasse im Sommer 1971 etwas aufgefrischt, womit die gitterartigen Verkleidungen der Zwangsentlüftung in der C-Säule verschwanden und durch schlitzförmige Austritte ersetzt wurden. Veränderte Zierteile und zusätzliche Zierleisten passten den BMW dem Zeitgeschmack an, ohne ihn komplett zu verändern. Ab 1971 gab es auch 3-Liter-Versionen und ab 1974 eine Langvariante.

Bis 1977 wurden rund 190.000 Limousinen der Baureihe E3 hergestellt. Abgelöst wurde der E3 durch den E23, die erste Siebnerreihe.

(L'essentiel)