Schnäppchen

06. August 2017 13:18; Akt: 06.08.2017 15:48 Print

Geisterstadt für 1,85 Mio Dollar verkauft

Johnsonville misst 250.000 Quadratmeter, hat eine Schule und eine Kirche – aber keine Einwohner. Jetzt wurde die Stadt verkauft.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema

Die Kleinstadt Johnsonville liegt direkt am Fluss Connecticut im gleichnamigen US-Bundesstaat. Die Stadt sieht aus, als sei sie einer Fernsehserie entsprungen – und doch ist sie seit über 20 Jahren verlassen.

Auf 25 Hektaren Fläche breitet sich Johnsonville am Flussufer aus. Einst war die Kleinstadt eine aufstrebende Größe in der Textilindustrie. Heute ist sie unbewohnt, abgesehen von einer Art Hausmeister und einem Sicherheitsbeauftragten, der Entdecker und Vandalen fernhalten soll, bis ein Käufer gefunden wird. Johnsonville soll nämlich für knapp 1,85 Millionen Dollar verkauft werden.

Den künftigen Besitzer erwarten diverse Häuschen, Grünflächen und reichlich Platz. Zudem: Die Geister, die die Stadt angeblich heimsuchen. Darunter soll auch der Geist von Mr. Johnson sein, dem Namensgeber der Stadt.

Namensgeber spukt noch durch die Stadt

Die Geschichte von Johnsonville beginnt 1802. In einer Fabrik wurde Garn im großen Stil produziert, das in der flussnahen Region hauptsächlich für Fischernetze genutzt wurde. Rund um die Fabrik entstand nach und nach ein Dorf mit Wohnhäusern, einer Kirche, einem Laden und einer Poststelle. Wie viele Leute zu dieser Zeit dort lebten, ist nicht bekannt.

1965 kaufte schließlich Raymond Schmitt, ein reicher Flugzeugbauer, die Neptune Mill der Familie Johnson. Viele andere Mühlen und Fabriken waren veraltet oder nicht mehr in Betrieb, und nach kürzester Zeit war Schmitt in der Lage, die ganze Stadt aufzukaufen.

Brand war der Anfang vom Ende

Schmitts Glück sollte nicht lange währen: 1972 wurde die Neptune Mill von einem Blitz getroffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Schmitt betrachtete diese Katastrophe jedoch als Chance: Er wollte das immer noch sehr ländliche Johnsonville als Zeitkapsel nutzen.

Schmitt begann damit, alte Gebäude zu renovieren: den Laden, ein Uhr- und Spielzeuggeschäft, die Kirche und die Schule. Teilweise ließ er die weiter entfernt gelegenen Gebäude sogar mehr ins Stadtzentrum versetzen. Diese renovierten Häuser überblicken heute den Johnson Mill Pond, einen kleinen See.

Eigenbrötler mit einem Herz für Liebende

Schmitt mochte keine Auswärtigen. Seine Stadt war für die Öffentlichkeit in der Regel nicht zugänglich. Gelegentlich machte er jedoch eine Ausnahme, wenn er die Kirche oder eine Scheune für Hochzeiten vermietete.

Irgendwann hatte Schmitt jedoch genug: 1994 hängte er Verkaufsschilder an das Ortsschild. Sein ursprünglicher Verkaufspreis lag bei 3,5 Millionen Dollar – dafür fand Schmitt jedoch keinen Käufer.

Altersheim-Siedlung geplant

Schließlich schlug die Hotelkette Meyer Jabara zu. Sie wollte das Grundstück 2001 in eine Art Altersheim-Siedlung umwandeln, verlor aber aufgrund anderer Projekte das Interesse daran.

So stand Johnsonville die letzten 16 Jahren leer – und Meyer Jabara wollte wieder verkaufen. Der Preis sank bereits in den letzten Monaten von 2,4 Millionen auf 1,9 Millionen Dollar. Vor wenigen Tagen ging die Geisterstadt für 1,85 Millionen an einen unbekannten Käufer.

(L'essentiel)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.