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15. September 2016 14:43; Akt: 15.09.2016 14:47 Print

Hippie-​​Oma muss ihr Baumhaus abreißen

Seit 10 Jahren wohnt Shawnee Chasser (65) in einem selbstgebauten Baumhaus. Nun reißen es die Behörden ab.

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Shawnee Chasser ist eine Erscheinung: Die 65-Jährige trägt violette Locken, weite Röcke und bunte Kleider. Sie verdient ihr Geld mit der Herstellung und dem Verkauf von Bio-Popcorn und bezeichnet sich selbst als «Treehugger» und «Hippie» – und sie wohnt seit 10 Jahren in einem selbstgebastelten Baumhaus im Norden von Miami.

Das Baumhaus war viele Jahre lang eine lokale Attraktion und ist keineswegs eine ordinäre Holzhütte. Es beinhaltet ein Büro, ein Schlafzimmer und eine Küche. Sie hat Strom, TV und fließend Wasser. Chasser wohnt dort mit zwei Katzen, zwei Hunden und zwei Waschbären. Es ist ihr einziger Wohnsitz, ihre Adoptivtochter ist sogar in dem Baumhaus aufgewachsen.

Das Problem liegt in der Bausubstanz

Nun könnte alles vorbei sein: Chasser hat keine Bewilligung. Weder für das Baumhaus noch für den zugehörigen Hühnerstall, den sie bei Airbnb vermietete. Der 65-Jährigen droht der Verlust ihres kleinen Paradieses. Bereits musste sie 3000 Dollar Strafe zahlen, weitere 7000 könnten auf sie zukommen.

Das Miami-Dade County verlangt Renovationen, damit das Haus künftig der lokalen Gesetzgebung entspricht. Das Problem? Diese Reparaturen würden rund 150.000 Dollar kosten – Geld, das die Alleinstehende nicht hat. «Sie haben mir drei Monate gegeben, um das Haus zu renovieren. Mein ganzes Geld ging aber schon für die Bussen drauf», sagt Chasser gegenüber Medien.

Das Baumhaus ist zu instabil für ein Hurrikan-Gebiet

Die Behörden sorgen sich indes um die Sicherheit der Menschen im und um das Baumhaus. Ricardo Roig, der Mann der in Miami für die Einhaltung der Bauvorschriften zuständig ist, weiß um die Ungewöhnlichkeit dieses Falles: «Das ist garantiert das erste Mal, dass ich mich mit jemandem beschäftige, der ganzjährig in einem Baumhaus wohnt!»

Er weist auch darauf hin, dass Miami in einem Hurrikan-Gebiet liegt. «Chassers Baumhaus würde keinen Sturm überstehen», sagt Roig. Und fügt hinzu: «Außerdem hat Sie keine Bewilligung für Strom- und Wasseranschlüsse, wir wissen also nicht, in welchem Zustand diese Installationen sind. Aus Sicherheitsgründen muss dieses Baumhaus den hiesigen Standards angepasst werden.»

Mit den Bäumen umarmt Chasser auch ihren verstorbenen Sohn

Chasser sieht das dagegen ganz anders. «Die tun doch nur so, als würde es ihnen um meine Sicherheit gehen. Ich bin 65 Jahre alt, ich kann auf mich selbst aufpassen!» sagt die Seniorin. «Es geht nicht um Schutz, es geht immer nur um Geld.»

Die Frau mit den violetten Locken liebt ihr selbstgebautes Paradies. Sie hat aber auch noch einen anderen Grund, das Grundstück behalten zu wollen: Es gehörte ihrem Sohn Joshua Braden Levy, der 2009 an einem Herzinfarkt starb. «Joshua hat diese Bäume gepflanzt, er hat dieses Grundstück geliebt. Hier fühle ich mich ihm näher», sagt Chasser.

Die 65-Jährige kann sich einen normalen Wohnsitz aber auch nicht vorstellen. Sie ist klaustrophobisch, erträgt keine engen Räume. Sie hat nicht vor aufzugeben. «Ich habe gegen den Vietnamkrieg demonstriert, den Tod meines Sohnes überlebt und ein kleines Mädchen adoptiert. Wenn ich das alles kann, dann werde ich auch dieses Gewitter überstehen. Ich werde das Baumhaus nicht abreißen, auf keinen Fall.»

Hier zeigt Shawnee Chasser ihr Baumhaus:

Sie suchen ein Haus, das bereits den Bauvorschriften entspricht?

(L'essentiel/mst)

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