Cavalier King Charles Spaniels

19. September 2021 14:16; Akt: 19.09.2021 14:35 Print

Keine Hunderasse hat mehr Genmutationen

Große Kulleraugen und flauschige Schlappohren machen Cavalier King Charles Spaniels aus. Doch ausgerechnet diese Merkmale werden ihnen zum Verhängnis.

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Die besten Freunde des Menschen wurden nicht immer wie Freunde behandelt: Dank Zucht haben sich viele Hunderassen im Lauf der Zeit ganz schön verändert. Und das nicht immer zum Guten. Das belegen Forschende der schwedischen Uppsala Universität am Beispiel der Hunderasse Cavalier King Charles Spaniels: Die Art weist mehr krankheitsverursachende Mutationen als jede andere Hunderasse auf.

Für die im Fachjournal «Plos Genetics» erschienene Studie hat das Team um Erik Axelsson das Genom von 20 Hunden acht gängiger Rassen untersucht, darunter Beagle, Deutscher Schäferhund und Golden Retriever.

Ganze Palette von Krankheiten

Axelsson und seine Kolleginnen und Kollegen stießen dabei unter anderem auf solche Genvarianten, die mit der sogenannten myxomatösen Mitralklappenerkrankung (MMVD, siehe Box) in Verbindung stehen, die bei Vertretern der, auch in der Schweiz beliebten Spanielart, häufig vorkommt. Grundsätzlich könne eine MMVD zwar gut behandelt werden, so Julika Fitzi, Veterinärin und tierärztliche Beraterin beim Schweizer Tierschutz (STS). «Allerdings nur, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird und die Gewebeschäden noch nicht zu stark ausgeprägt sind.» Doch die Erkrankung werde oft erst viel zu spät erkannt.

Die MMVD ist allerdings nicht das einzige Leiden, mit dem sich die Spaniels plagen. «Sie werden häufiger wegen Epilepsie, Herz- und Kreislaufbeschwerden und Verhaltensstörungen vorstellig», sagt Fitzi, die in ihrer Praxis schon mehrfach mit Vertretern der Art zu tun hatte. «Manche haben auch einen Wasserkopf mitsamt den damit verknüpften neurologischen Problemen.» Dazu zählen unter anderem Koordinationsstörungen, Sehstörungen, Schielen und Kopfschmerzen.

Mindestens 1000-jährige Zuchtgeschichte

Dass die Cavalier King Charles Spaniels derart viele schädliche Gene aufweisen, führen Axelsson und seine Kollegen auf deren mindestens 1000-jährige Zuchtgeschichte zurück (siehe Box). Immer wieder habe es «Flaschenhälse» gegeben, bei denen nur ein kleiner Prozentsatz der Population seine Gene an die nächste Generation weitergegeben habe, zitiert Sciencedirect.com aus der Studie: «Diese Engpässe könnten dazu geführt haben, dass die schädlichen Gene im Genom des Cavalier King Charles Spaniels häufiger vorkamen, bevor der Hund schließlich 1945 als Rasse anerkannt wurde.»

Gesundheitliche Probleme treten bei Zuchthunden häufig auf. Denn um den Schönheitsidealen der Menschen zu entsprechen, wurde oft Inzucht betrieben. Das führte dazu, dass die Tiere vermehrt genetisch bedingte Krankheiten vererben. Beispiele dafür sind etwa die in den Sozialen Medien gehypten Teetassen-Hunde, Möpse oder Französischen Bulldoggen, American-Staffordshire-Terrier und Labradore mit besonderen Fellfarben:

Entsprechend rät Fitzi beim Kauf von Zuchttieren, besondere Vorsicht walten zu lassen. «Ich stehe dem schon kritisch gegenüber, gehe aber davon aus, dass seriöse Züchter versuchen werden, durch entsprechende Zuchtauslese diese Prädispositionen und Erbkrankheiten so gut es geht zu eliminieren. Es gibt sicher Zuchtlinien, die ohne eine Vergrößerung des Genpools nicht mehr zur Zucht verwendet werden sollten.»

Dass es unter den Cavalier King Charles Spaniels auch gesunde Tiere gibt, will die Veterinärmedizinerin nicht ausschließen. «Aber sie können trotzdem noch die genetischen Anlagen für bestimmte Krankheitsbilder vererben, wenn sie zur Zucht eingesetzt werden, und dann zeigen sich die Symptome erst beim Nachwuchs oder sogar ‹nur› bei einem Teil des Nachwuchses.» Daher sei es wichtig, dass Züchter ihre Nachzucht genau im Auge behalten «und alle diagnostischen Möglichkeiten ausschöpfen, um (Erb)Krankheiten frühzeitig und sicher vor dem Zuchteinsatz zu erkennen und die Zuchttiere entsprechend sorgfältig auszuwählen.»

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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