Jede zweite Frau

11. Juli 2019 16:40; Akt: 11.07.2019 17:05 Print

Kennen Sie den Begriff «Orgasm Gap»?

Frauen haben deutlich seltener Orgasmen beim Sex als Männer. Was kann man dagegen tun?

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(Bild: iStock)

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«Fake it until you make it» scheint nicht nur ein prominenter Satz in der Wirtschaft zu sein. Die Häufigkeit eines Orgasmus während dem Sex scheint bei beiden Geschlechtern recht unterschiedlich verteilt zu sein. Frauen sollen viel weniger häufig einen Höhepunkt erleben als Männer. Eine neue Generation von Vibratoren soll das Ungleichgewicht, wenn es um Orgasmen geht, verringern.

Im 19. Jahrhundert entwickelten Ärzte den Vibrator zur Bekämpfung von Hysterie bei Frauen. Als Hintergrund vermuteten sie eine unbefriedigte Gebärmutter. Sie wollten damit den Prozess des «Verrückt-Werdens» verhindern. Nach über einem Jahrhundert Aufklärungsphasen, Frauenrechtsbewegungen, der sexuellen Revolution und Serien wie «Sex and the City» ist diese Meinung glücklicherweise antiquiert.

Jede zweite Frau hat keinen Orgasmus beim Sex

«Orgasm Gap» bezeichnet die augenscheinliche Tendenz, dass Frauen beim Sex seltener einen Orgasmus bekommen als Männer. Zahlreiche Studien bestätigen diese These bereits. In einer der aktuellsten Untersuchungen aus dem Jahr 2017 haben Wissenschaftler der Chapman University 52.500 hetero- und homosexuelle Frauen und Männer zwischen 18 und 65 Jahren dazu befragt. Während 95 Prozent der Männer angeben, sie würden einen Orgasmus bekommen, sind es bei den Frauen nur 65 Prozent.

«Der Grund ist die Vernachlässigung der Klitoris», ist Laurie Mintz, Professorin für Psychologie und Autorin von «Richtig kommen», überzeugt. Auch die Chapman Studie bestätigt das. Jene Frauen, die beim Sex am seltensten einen Orgasmus bekommen, werden nur vaginal befriedigt. Jene Personen, die jedoch tiefer geküsst und manuell oder oral befriedigt werden, gaben an, leichter zu einem Orgasmus zu kommen.

Saugeffekt für Klitoris-Stimulation

Bei einer Stimulation der Klitoris während dem Sex geben 65 Prozent der Frauen an, einen Höhepunkt zu haben. Am höchsten ist die Orgasmus-Quote bei einer Kombination von Sex und Oralverkehr.

Diese Erkenntnis machen sich auch Sexspielzeug-Hersteller zunutze. So verspricht das Unternehmen Wow Tech, mit seinem «Womanizer» die Orgasm Gap zu schließen.

Mit dem Konzept, nicht wie die meisten klassischen Vibratoren Stimulation als Penetration oder purer Vibration zu verwenden, sondern sich mit einem Saugeffekt auf die Klitoris zu konzentrieren. Die Verkaufszahlen sprechen für den Erfolg. Inzwischen haben sich andere Firmen diese Idee schon abgeschaut, die nun auch Klitoris-Vibratoren herstellen.

Höhepunkt ist nicht das gleiche wie sexuelle Erfüllung

Pressesprecherin Rief ist überzeugt, dass Geräte wie der Womanizer die Orgasm Gap schließen können. Sie sollen bei Orgasmusstörungen helfen, meint auch Sexualtherapeut Valk gegenüber dem Standard. Bei Selbstbefriedigung herrscht übrigens mehr Gleichstellung: 91 Prozent der Frauen geben an einen Orgasmus zu bekommen und auch 93 Prozent der Männer.

Ein Höhepunkt ist natürlich nicht gleichbedeutend mit sexueller Erfüllung. Lust entwickelt sich nicht nur durch Stimulation, sondern vor allem über Berührung, so die deutsche Sexualtherapeutin Dorothea Perkusic gegenüber dem Standard. Auch Beziehungsprobleme führen dazu, dass man keinen Orgasmus bekommt, weiß die Therapeutin.

Da stimmt sie mit den Ergebnissen der Chapman University überein. Den Studienautoren fiel ebenfalls auf, dass Frauen, die experimentierfreudiger waren oder sich sehr wohl in der Beziehung fühlten, auch eine höhere Chance auf einen Orgasmus hatten.

(L'essentiel/GA)

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