Îles du Salut

11. Mai 2018 18:44; Akt: 11.05.2018 18:49 Print

«Man spürt, wie viel Leid dort herrschte»

Zu Besuch in den Ruinen der berüchtigten französischen Strafkolonien auf den Îles du Salut.

Der französische Fotograf Romain Veillon besuchte die Gefängnisinseln.

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Die Inseln Île Royale, Île Saint-Joseph und Île du Diable in Französisch-Guayana sind berühmt-berüchtigt für die Gefängnisse, die die Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts dort führten.

Von Rettungsinsel zum Gefängnis

Die drei Eilande im Atlantik waren nicht immer ein von Wasser umgebenes Gefängnis: Im 17. Jahrhundert flüchteten einige Nonnen vor einer Gelbfieber-Epidemie und dem sicheren Tod auf dem Festland auf die Inseln. Sie nannten sie Îles du Salut – Inseln des Heils.

1797 wurden die Inseln von den Franzosen entdeckt: Sie nannten sie Île Royale, Île Saint-Joseph und Île du Diable – und verwandelten das Paradies kurzerhand in Gefängnisse für die hinterhältigsten Verbrecher der Nation.

Auch für politische Gefangene

Zu den Insassen in den Strafkolonien im Atlantik gehörte unter anderem der französische Offizier Alfred Dreyfus. Seine falsche Verurteilung wegen Landesverrats sollte Frankreich zutiefst erschüttern. Auch Gegner Napoleons mussten im Dschungel in winzigen Zellen ausharren.

Die Kolonie war rund 100 Jahre in Betrieb. In dieser Zeit lebten insgesamt über 70.000 Gefangene auf den Inseln. Eine Flucht war praktisch unmöglich: Die Kontrollen waren streng, die Gewässer um die Inseln voller Haie.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb

Geschlossen wurde die Strafkolonie erst im Jahr 1953. Noch heute sind die Überreste der Zellen und Gitterstäbe sichtbar, auch wenn sie nach und nach von der Natur überwachsen werden. Dieser Umstand macht die Inseln zu einem beliebten Ziel für Fotografen, darunter auch Romain Veillon.

Der französische Fotograf besuchte eine der Inseln, die Île Saint-Joseph, für sein Projekt «Papillon». «Die Strafkolonien auf den Inseln sind in Frankreich sehr bekannt. Ich habe das Buch «Papillon» von Henri Charrière gelesen, einer der wenigen, der fliehen konnte. Es hat mich sehr geprägt», sagt Veillon, der kürzlich das Buch «Ask the dust» veröffentlichte, auf seiner Website.

«Die Inseln sind so wunderschön, so paradiesisch und wie aus einem Ferienkatalog», sagt der Fotograf gegenüber Medien. «Das Gefängnis auf der Île Saint-Joseph befindet sich auf einem Hügel. Wer es betritt, spürt, wie viel Leid dort herrschte. Man spürt den Schmerz und die Verzweiflung der Gefangenen noch immer.»

Einzelhaft und Krankheiten

Und Leid gab es viel: Die Gefangenen wurden in Einzelhaft in 3,6 Quadratmeter großen Zellen untergebracht. Die Zellen hatten keine Möbel, die Holzbank, auf denen die Häftlinge schliefen, wurde tagsüber aus der Zelle entfernt. Den Gefangenen blieb nichts anderes übrig, als zu stehen.

Die Häftlinge wurden rund um die Uhr von den Wärtern überwacht, die von oben in die Zellen sehen konnten. Die Insassen durften nicht sprechen, lesen, rauchen oder sich hinsetzen. Das heiße Klima, unbekannte Krankheiten und die unmenschliche Behandlung sorgten für eine unglaubliche Sterberate: Einer von drei Insassen überlebte die Haft nicht.

(L'essentiel/mst)

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