Hype um 4Ocean

03. August 2018 11:19; Akt: 03.08.2018 11:25 Print

Mit Plastik-​​Armbändern das Meer retten?

Die Firma 4Ocean verkauft Armbänder und finanziert damit weltweit Müllsammelaktionen. Nicht profitorientierte Organisationen sammeln jedoch effizienter.

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«Man sieht eine hässliche Landschaft - immer ist der Mensch schuld», schreibt Helene Fischer auf Facebook. Dazu hat die Schlagerkönigin unter dem Hashtag #kampfdemplastikmüll ein Foto ihrer Crew gepostet. Alle tragen dasselbe Armband des Unternehmens 4Ocean.

Ein Armband von 4Ocean ist für rund 20 Euro erhältlich und wird aus recyceltem Plastik in Bali hergestellt. Laut Unternehmensangaben werden pro verkauftes Armband rund 450 Gramm Plastikmüll aus dem Meer gefischt. In 27 Ländern hat 4Ocean zusammen mit freiwilligen Helfern bereits Strände und Küsten gereinigt. In eineinhalb Jahren seien so über 505.000 Kilogramm Abfall gesammelt worden.

Armbänder finanzieren Müllsammlung

Dahinter stecken Andrew Cooper und Alex Schulze aus Florida. Sie hätten auf einem Trip nach Bali realisiert, wie viel Müll und Plastik sich an den Stränden und im Meer befindet. Die Idee der Müllsammelaktionen war geboren, die seit Januar 2017 mit dem Armband-Verkauf finanziert werden.

Heute beschäftigt das Start-up mit Hauptsitz in Boca Raton, Florida, über 150 Angestellte. Darunter befinden sich Kapitäne und Angestellte, die täglich in See stechen. 4Ocean wirbt auf Social Media sehr aktiv für die Armbänder. So gibt es regelmäßig limitierte Editionen in einer speziellen Farbe. Auch wiederverwendbare Trinkflaschen verkauft 4Ocean mittlerweile.

Profitorientiert die Umwelt retten

Anhand ausführlicher Berichte und Foto-Reportagen der einzelnen Aktionen wollen Cooper und Schulze beweisen, dass jeder Erlös auch wirklich für den guten Zweck verwendet wird und nicht in der eigenen Kasse landet.

Für Silvan Wild von der NGO Sea Shepherd ist es angesichts der «Plastikflut» dringend nötig, zu handeln. Dabei könnten profitorientierte Firmen einen Beitrag leisten. «Als Spender sollte man gesunden Menschenverstand walten lassen und das Angebot kritisch hinterfragen.» Es sei ein guter Ansatz, die Meeresverschmutzung auch kommerziell anzugehen. Wichtig sei, gleichzeitig auch beim eigenen Konsum anzusetzen: «Wer unnötige Verpackungen boykottiert, kann sofort etwas bewirken. Ebenso kann jeder bei einem Spaziergang selbst Abfall einsammeln.»

«Eine Firma, die Spenden sammelt, sollte die Verwendung der Gelder transparent machen», findet Martina Ziegerer von der Stiftung Zewo, die Gütesiegel an Non-Profit-Organisationen verteilt. Die Stiftung legt Standards fest. Dazu gehören etwa Effizienz beim Einsatz der Gelder und Transparenz. «Im Gegensatz zu einem Produkt, das man bei einer Firma kauft und nach der erbrachten Leistung beurteilt, haben Spender aufgrund fehlender Transparenz hier diese Möglichkeit nicht.»

«Aufklären statt Löhne zahlen»

Roman Peter, Geschäftsführer der NGO Trash Hero World, verfolgt mit seiner Organisation einen anderen Ansatz: «Wir wollen die Menschen mit unserem Virus infizieren. Es geht darum, sie zu informieren und zu motivieren, nicht darum, sie zu bezahlen.» Die Cleanups finden wöchentlich statt, etwa in Thailand, Indonesien oder Malaysia, und werden von freiwilligen Helfern und der lokalen Bevölkerung durchgeführt.

Im ersten Halbjahr haben 40.000 Trash Heroes rund 188 Tonnen Müll gesammelt. Für Aufklärungsarbeit im Wert von 20 Euro werden 15 Leute zu Trash Heroes und räumen rund 72 Kilogramm Müll auf – sehr viel mehr im Vergleich zu den 450 Gramm, die 4Ocean für denselben Preis sammelt. Im Gegensatz zu 4Ocean fischt Trash Hero World jedoch keinen Müll aus dem Meer, sondern reinigt Strände sowie Städte und setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe.

(L'essentiel/jk/pam)

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