Lotus Esprit

25. Juni 2017 20:22; Akt: 25.06.2017 20:23 Print

Muss es ein V8 sein oder reichen 4 Zylinder?

Von 1975 bis 2004, fast 40 Jahre lang, baute Lotus den Esprit. Zuerst mit schmächtigem Vierzylinder, dann mit Turbo-V8. Welcher bringts mehr?

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Über vier Dekaden wurde der Lotus Esprit in drei Design-Generationen und mit zweieinhalb verschiedenen Motorkonstruktion gefertigt. Den Anfang machte der von Giugiaro gezeichnete Esprit S1, der durch einen Zweiliter-Vierzylinder angetrieben wurde. Im Lauf seiner Weiterentwicklung zum S2 und S3 wuchs der Hubraum auf 2,2 Liter, Turbolader erlaubten Leistungssteigerungen auf 200 und mehr PS.

1987 wurde der kantige Giugiaro-Esprit durch einen rundlicheren Peter-Stevens-Entwurf abgelöst, der größer und etwas schwerer als der Vorgänger und formal dem Zeitgeschmack angepasst war. Diese Variante war unter anderem in den Filmen «Pretty Woman» und «Basic Instinct» zu sehen, während James Bond dem Ur-Esprit mit einer tauch- und schwimmfähigen Version zu Filmruhm verhalf.

1993 wurde der Esprit erneut überarbeitet, Julian Thomson war für das vorsichtige Facelift verantwortlich. Ab 1996 gab es acht Zylinder aus eigener Fertigung im Heck. Damit hatte die letzte Phase der Esprit-Existenz begonnen, Sicherheitsvorschriften und finanzielle Engpässe machten dem Supersportwagen den Garaus.

Viel diskutierter Anfang

Bereits 1972 hatte Giugiaro in Turin ein keilförmiges Showcar gezeigt, das der Ausgangspunkt des späteren Lotus Esprit war. Drei Jahre später verkündete die «Automobil Revue» in der Berichterstattung zum Pariser Autosalon Anfang Oktober: «Lotus Esprit in Produktion». Allein, das Auto, das in Paris gezeigt wurde, war noch keineswegs produktionsreif.

Bis sich tatsächlich ein Kunde seinen Esprit in die Garage stellen konnte, vergingen weitere neun Monate. In dieser Zeit verdoppelte sich der anvisierte Preis beinahe, sodass das Mittelmotorcoupé schließlich mit etwa 40.000 Euro in den Preislisten stand. Das war viel Geld für ein Auto mit Vierzylindermotor, der 150 PS leistete, und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Viele Kunden hätten gern mehr gehabt.

Doppelte Zylinderzahl

Es dauerte bis 1996, bis der Esprit in seiner dritte Inkarnation endlich den Motor erhielt, den sich mancher Fan vielleicht schon für den S1 erträumt hatte. Acht Zylinder in V-Form, kombiniert mit zwei Turboladern, sorgten ab sofort für mächtig Schub. Über 350 PS leistete der 3,5-Liter-Leichtmetallmotor mit vier oben liegenden Nockenwellen. Möglich wären auch deren 500 gewesen, aber die wollte man dem bereits in die Jahre gekommenen Renault-Getriebe nicht zumuten. Der Motor war außerordentlich kompakt und nahm nur wenig mehr Platz in Anspruch als der Vierzylinder.

Obschon man sich bemühte, die Gewichtszunahme in Grenzen zu halten, wog der V8-Esprit 1378 kg und damit fast 400 kg mehr als der Esprit S1. Trotzdem war der Esprit immer noch ein leichtes Auto im Vergleich zur Konkurrenz: Ein Ferrari F355 wog sogar über 100 kg mehr. Daher beschleunigte der Esprit auch besser, nämlich in 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Konzeptionell war sich der Esprit treu geblieben. Weiterhin diente ein Kastenrahmen als tragende Basis für die deutlich steifer gewordene Kunststoffkarosserie. Inzwischen sorgten auch hinten doppelte Querlenker für die unabhängige Radführung, eine Servolenkung gehörte schon längere Zeit zur Serienausstattung.

Und heute? Während der Lotus V8 GT von 1998 sich weitgehend wie ein modernes Auto anfühlt, spürt man dem 40-jährigen S1 sein Alter an, aber auf eine gute Art und Weise. Die beiden Wagen sprechen unterschiedliche Fahrer an, tauschen würden sie beide nicht.

Weitere Informationen und viele Bilder sowie Klangmuster zu den beiden Lotus Esprit gibt es auf www.zwischengas.com.

(L'essentiel/ B. v. Rotz)

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