Air France-KLM

10. Juni 2018 16:26; Akt: 10.06.2018 16:30 Print

Nachhaltiger fliegen – geht das überhaupt?

Fliegen schadet der Umwelt. Wie stark, hängt nicht zuletzt davon ab, mit wem man fliegt. Besonders konsequent nachhaltig positioniert sich die Air France-KLM.

Bis Fliegen der Umwelt wirklich weniger schadet, ist es noch ein langer Weg – aber es gibt durchaus Schritte, die die Airlines tun können.

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Die Rechnung ist relativ schnell gemacht: Mit einem von Europa nach Bangkok und zurück verursacht ein Passagier etwa gleich viel CO2-Ausstoß, wie er daheim mit einem Mittelklassewagen während über dreieinhalb Jahren verbraucht. Zwar können Kunden das CO2 über eine der einschlägigen Emissions-Agenturen kompensieren – im konkreten Fall würde das rund 170 Euro kosten. Aber Hand aufs Herz: Viele haben dann doch lieber ein bisschen mehr Taschengeld während der Ferien.

Hinzu kommt, dass viele Airlines die Kompensation zwar anbieten, dies aber teilweise nur gut versteckt oder gar auf separaten Portalen tun. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wer sich um die Umwelt sorgt, der fragt sich bald einmal, ob er überhaupt noch fliegen sollte.

Fliegen mit altem Speiseöl

Einen ganz anderen Ansatz, wie mit diesem strukturellen Dilemma umzugehen ist, verfolgt Air France-KLM: Seit 2005 als erste Airline im Dow-Jones-Sustainability-Index vertreten, hielt sie während 12 Jahren den Spitzenplatz als nachhaltigste Airline der Welt. Seit 2018 liegt sie auf Platz zwei hinter All Nippon, versucht aber weiterhin, das Fliegen ökologischer zu machen.

Bis 2020 hat sie sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß pro Passagier um 20 Prozent zu senken. Nebst konsequenter Flottenerneuerung – neue Flugzeuge sind energieeffizienter als alte – baut KLM die Verwendung von Biotreibstoff laufend aus. Dabei konkurriere man weder die Nahrungsmittelproduktion noch die Biodiversität, so eine Sprecherin: Geflogen wird mit altem Speiseöl aus der Nahrungsmittelindustrie.

Biotreibstoffe könnten den CO2-Ausstoß gegenüber herkömmlichen Treibstoffen sogar um 80 Prozent reduzieren, sie kosten aber auch dreimal so viel. Um die hohen Kosten mittelfristig zu senken, investiert die KLM im Rahmen der KLM- Corporate-Biofuel-Programme in die Entwicklung des Marktes für Biotreibstoffe, indem sie Großkonzerne, aber auch Kommunen wie die Stadt Amsterdam, überzeugt, Biofuel zu verwenden.

Auch wenn die Treibstoffwahl am Ende entscheidend ist in der Nachhaltigkeitsfrage, achtet KLM auf Nachhaltigkeit auch im Kleinen: So arbeitet das Kabinenpersonal komplett papierlos. Statt Berge von Zeitungen und Magazinen gibts für die Passagiere eine E-Reader-App in der Bordunterhaltung, und die Teppiche sind hauseigenes Recycling-Material; sie bestehen einerseits aus alten KLM-Teppichen, andererseits aus alten Uniformen des Kabinenpersonals.

Nicht gegessene Snacks werden noch mal serviert oder zu Biogas verarbeitet

Dass die KLM all diese Anstrengungen nicht aus purem Idealismus verfolgt, liegt auf der Hand: Jeder dank Nachhaltigkeit eingesparte Euro stützt die Marge in einem hart umkämpften Markt, in dem jeder Cent zählt. Besonders konsequent ist die KLM deshalb dort, wo der Umweltschutz unmittelbar mit geringeren Kosten verbunden ist.

Der gesamte Rücklauf der Bordverpflegung etwa ist maximal optimiert: Die konventionelle Wertstofftrennung (Alu, Glas, Plastik, Karton) beginnt bereits an Bord, im Logistikzentrum in Amsterdam geht es konsequent weiter. Jedes abgegessene Menü-Tablar wird haarklein sortiert. Ungeöffnete Wasserportionen, Biskuits oder Salznüsse wandern direkt zurück in den Vorbereitungskreislauf und werden später erneut serviert.

Aber auch angebrochene Spirituosen-Flaschen, aus denen die Flugbegleiter den Gästen Getränke servieren, werden zusammengeschüttet.

Verderbliche und geöffnete Lebensmittel wandern so vollständig wie möglich in Biogasanlagen. Bei Interkontinentalflügen verhindern dagegen staatliche Vorschriften eine ökologische Entsorgung: Statt in der Kanalisation landet dann sogar Wasser in der Kehrichtverbrennung.

Nur 0,2 Prozent der Passagiere buchen CO2-Kompensation

Das Kostenbewusstsein der Airline kommt auch umweltbewussten Passagieren zugute: Weil Air France-KLM die gesamte CO2-Kompensation selber organisiert (zertifiziert mit Gold-Standard), statt sich bei Kompensationsagenturen einzukaufen, kostet die CO2-Neutralisierung den Kunden deutlich weniger. Dass sich trotzdem nur 0,2 Prozent ihrer Passagiere dafür entscheiden, klimakompensiert zu fliegen, ist einer der Schönheitsfehler in der Nachhaltigkeitsstrategie der Airline. Man überlege sich, die Kunden künftig offensiver einzuladen, die Kompensation zu buchen, sagt eine Sprecherin.

Die Airline ist zudem dazu übergegangen, bei einzelnen Strecken die gesamten CO2-Emissionen auf allen Flügen über das eigene Programm zu kompensieren, wie zum Beispiel seit dem 7. Mai die Strecke von Amsterdam-Schiphol ins südschwedische Växjö. Bis zu einer flächendeckenden Biofuel-Strategie ist es aber noch ein langer Weg. Noch gibt es weltweit nur eine Raffinerie in den USA, die Speiseöl zu Flugzeugtreibstoff verarbeitet, und eine Infrastruktur, dies in Europa zu tun, fehlt weitgehend. Maarten van Dijk, CEO der KLM-Airfrance-Tochter SkyNRG, sieht vor allem die hohen Kosten als Herausforderung (siehe Interview).

(L'essentiel/loo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • och eng Wourecht am 11.06.2018 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltiger wäre es, zuhause zu bleiben und auf Balkonien ohne Reisestress auszuspannen.

  • Patrick W. am 11.06.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Super Artikel !!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick W. am 11.06.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Super Artikel !!!

  • och eng Wourecht am 11.06.2018 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltiger wäre es, zuhause zu bleiben und auf Balkonien ohne Reisestress auszuspannen.