«Drunkorexia»

06. Juli 2016 09:23; Akt: 06.07.2016 09:23 Print

Nichts essen, um umso mehr zu saufen

Alkohol hat viele Kalorien. Deswegen verzichten US-Studenten lieber aufs Essen als auf den Booze: «Drunkorexia» ist ein gefährlicher Trend.

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Studienautorin Knight: «Wir sehen ein neues Phänomen. Um keine Alkohol-Kalorien zu sich zu nehmen, wird eine schwere Essstörung in Kauf genommen.» (Symbolbild) (Bild: Israel Leal)

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«Ich mache Bier-Diät!» – Der eine oder andere hat das vielleicht auch schon einmal gesagt. Doch das Bier ersetzt das Brot nicht, auch wenn der Volksmund anders spricht. Vor allem geht mit dieser Vorstellung ein gefährlicher Trend einher: «Drunkorexia» – von «drunk» (betrunken) und Anorexia (Magersucht).

Diesem Suchtverhalten sind Forscher der University of Houston in einer Studie nachgegangen. Im Wissen, dass das Rauschtrinken in den USA zum Studenten-Dasein gehört wie der Campus oder die Bibliothek, befragten die Autoren amerikanische Studenten zu Alkoholkonsum und Trinkverhalten. Die Erkenntnis: Die Mehrheit der Befragten verzichtet aufs Essen, trainiert exzessiv oder übergibt sich nach dem Ausgang bewusst, damit sie ohne Angst vor einer Gewichtszunahme viel trinken kann.

«Hungern, um zu trinken, und trinken, um zu hungern»

Dass Alkohol viele Kalorien hat, ist hinlänglich bekannt. Da liegt es nahe, eine Mahlzeit wegzulassen, um sich später ohne schlechtes Gewissen umso mehr Drinks genehmigen zu können. Kommt hinzu, dass Alkohol auf leeren Magen den Rauscheffekt schneller herbeiführt.

Tatsächlich scheint ein Glas Alkohol das aufkommende Hungergefühl zu dämpfen – obgleich dieses «Hunger wegtrinken» in Wahrheit nicht funktioniert: Der Alkohol entzieht dem Körper wichtige Nährstoffe und senkt den Blutzuckerspiegel, was später dann zu Hungerattacken führt. «Hungern, um zu trinken, und trinken, um zu hungern» kann schnell in einen gefährlichen Teufelskreis und zu einem «Drunkorexia»-Suchtverhalten führen, das nur schwer zu durchbrechen ist.

Männer neigen stärker zu «Drunkorexia» als Frauen

Unter den 1200 von den Forschern der University of Houston befragten amerikanischen Studenten hat sich diese Erkenntnis bislang nicht durchgesetzt, im Gegenteil. Laut der Studie verzichteten 80 Prozent der Studenten ganz auf Mahlzeiten, übergaben sich bewusst, konsumierten Abführmittel oder betrieben vor dem Ausgang übermäßig viel Sport, um dann ohne Angst vor Alkohol-Kalorieren erst recht loszutrinken.

«Dieses Verhalten kennen wir aus der Magersucht», sagt Wissenschaftlerin Dipali Rinker. «Zu unserer Überraschung neigen Männer eher noch mehr zu ‹Drunkorexia›-Verhalten als Frauen. Dies, weil sie ein risikofreudigeres Trinkverhalten an den Tag legen.»

Auch in Australien gehört das Phänomen bereits zum Studentenalltag: 60 Prozent der weiblichen Studierenden zeigen einer Studie des University of South Australia zufolge ein entsprechendes Verhalten. Studienautorin Alissa Knight: «Wir sehen ein neues Phänomen: Um keine Alkohol-Kalorien zu sich zu nehmen, wird eine schwere Essstörung in Kauf genommen.»

(L'essentiel/gux)

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