Per Schiff in den Norden

24. September 2018 14:51; Akt: 24.09.2018 14:58 Print

Sechs Gründe für eine Kreuzfahrt mit der Familie

Kreuzfahrten stellen sich die meisten wie in den TV-Sendungen «Das Traumschiff» oder «Love Boat» vor. Sechs Vorurteile im Check.

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1. Kreuzfahrten sind für Rentner und Partyleute.

Viele gönnen sich mit der Rente eine Kreuzfahrt. Das ist wahr. Aber längst nicht mehr nur. Die schwimmenden Hotelschiffe sind bei Familien immer beliebter. Jeden Morgen an einer neuen Destination erwachen – alle Spielsachen, Windeln und den ganzen Gepäckhaufen inklusive. Ich war mit der Familie auf der Aida Perla unterwegs: von Hamburg über Le Havre und Southampton nach Rotterdam. Während der Sommermonate tummeln sich gut 1000 Kinder und mehr an Bord. Und die sind gut beschäftigt: Piratenpartys, Schatzsuche und Werwolfjagd, Kids-Shows und -Clubs, Poollandschaften und vieles mehr. Eine Familie, die ich kennen lerne, reist zum fünften Mal mit demselben Schiff – wegen dessen Infrastruktur und Familienprogramm. Es bietet ein Event-, Wellness- und Sportprogramm, Ausflüge und Familienkabinen. Die Reedereien haben längst erkannt, dass eine Kreuzfahrt für Familien die perfekte Alternative zu Ferien im Hotel ist.

2. Das Essen ist Maßenverköstigung und All you can eat.

Wer viel essen will, kann dies auf Kreuzfahrt zweifellos. An Seetagen braucht es zu Stoßzeiten Geduld – vor allem an Fleisch- und Dessertbuffets. Keinen Futterneid, bitte! In in den zwölf Restaurants und drei Snackbars ist für alle hungrigen Münder reichlich da. Zwei Buffetrestaurants sind speziell für Familien vorgesehen. Für die ganz kleinen Gäste bietet die Schiffsküche Babygläschen und Breie kostenlos an. Wer es ruhiger und bedient mag, findet im Restaurants mit Bedienung sicher etwas nach seinem Geschmack, ob Steakhouse, Brasserie, Italiener oder Gourmet. Die Kleinen wählen aus der Kinderkarte mit verschiebbaren Guckfensterchen ihr Menü mit Getränk und Dessert. Das Abendessen ist prompt serviert und für kleine Gourmets angerichtet. Ob Babybrei, Currywurst, Sushi-Rolle oder Gourmet-Häppchen, auf Kreuzfahrt ist für alle angerichtet. Zum Glück haben wir erst am letzten Tag die kostenlose Softeis-Maschine auf Deck 14 entdeckt.

3. Meine Familie fühlt sich wie in einem goldenen Käfig.

Das Schiff mit seinen 18 Decks ist so groß, dass wir uns regelmäßig verlaufen. Selbst am letzten Tag entdecken wir noch unbekannte Ecken. Das Unterhaltungs-, Ausflugs-, Wellness-, Fitness- und Kinderprogramm ist so reichhaltig, dass ich mich schon fast gestresst fühle. Kinder werden in verschiedenen Altersklassen betreut, ob Minis, Seepferdchen, Delfine oder Haie. Auf dem Programm stehen Malen, Freispiel, Singen oder Basteln für die Kleinen, Ausflüge, Sport und Freizeitaktivitäten für Teenager oder Kinovorstellungen, Schnitzeljagden, Schlummer- und Familienpartys. Besonders beliebt sind die Mottotage: einen Tag lang Pirat, Indianer, Ritter oder Burgfräulein sein. Auf See und auch an Landtagen sind die Kinder von morgens bis abends unterhalten, sofern die Eltern das wünschen. Sich mal in Ruhe eine Lektüre in der Hängematte auf dem Kabinenbalkon zu gönnen, fühlt sich fast so an, wie wenn man noch keine Kinder hätte.

4. Jeden Tag an einem anderen Ort, das ist doch nur Stress.

In fünf Tagen vier Länder zu erleben – für mich einer der Höhepunkte. Zu jeder Destination werden Ausflüge angeboten mit mehr oder weniger Aktion. Mit einem Kleinkind fallen viele der Angebote weg, etwa der Besuch von London oder Paris. Zwei Stunden Busfahrt hin und wieder zurück wollen wir uns nicht antun. Kleinen Gästen soll es nie langweilig sein: Bauernhofbesuche, Abenteuerspiele oder Erlebnisparks stehen auf dem Programm. Unser Favorit ist Peppa Pig World im Paultons Park, rund eine halbe Stunde Fahrt vom Hafen Southampton. Ein Kinderparadies mit Rutschen, Karussell, Bahnen und den zum Leben erwachten Peppa-Charakteren. Nicht nur die Kleinen staunen, ob dieser Fantasiewelt.

5. Wir werden bestimmt seekrank.

Einen ganzen Tag lang mitten auf dem Meer, da wird mir sicher schlecht, dachte ich. Auf dem Reiseprogramm entdeckte ich gleich zwei Seetage. Doch keine Sorge: Das Schiff ist 300 Meter lang und 54 Meter hoch – so groß, dass es meist ruhig vorankommt. Was die Seekrankheit auslöst, ist die Auf-und-ab-Bewegung, die kaum zu spüren ist. Die Chance, auf einem so riesigen Schiff seekrank zu werden, ist daher eher klein. Es sei denn, man ist anfällig dafür oder in unruhigem Gewässer auf transatlantischer Überfahrt. Die Kreuzfahrtschiffe sind mit Stabilisatoren bestückt: eine Art Riesenflosse auf den Schiffsseiten. Wer für alle Fälle ausgerüstet sein will, packt besser vorsorglich Medikamente gegen Seekrankheit in den Koffer.

6. Kreuzfahrten sind zu teuer für Familienbudgets.

Schiffsreisen gibt es inzwischen für jedes Budget. Wer ein Luxusschiff bucht, kann das Ferienbudget bis ans Limit ausreizen. Auch auf der Aida Perla kann man sich Luxus leisten, wie Eintritt in den Clubbereich, Gourmetmenüs, Private Day Spa oder eine Deluxe Suite für über 9000 Euro. Keinen falschen Luxus finde ich eine Kabine mit Ausblick, also mit Fenster, freiem Blick oder Balkon. Für Familien gibts spezielle Kabinen mit ausklappbaren oder ausziehbaren Kinderbetten und Platz für bis zu fünf Personen. Sie sind kleiner als die meisten Hotelzimmer. Wer mit Kind, Buggy und Familiengepäck reist, muss ein paar Kompromisse eingehen. Vor allem, wenn im Zimmer zusätzlich ein Reisebettchen Platz finden soll, ist nicht mehr viel Bewegungsfreiheit. Tipp: Wem es zu eng wird, findet in der Hängematte auf dem Balkon Zeit zum Durchatmen.

Fazit: Kreuzfahrt-Klischees, auf Wiedersehen!

An Board von Aida Perla können es sich Klein und Groß gut gehen lassen: ob Entertainment, Städtetrips, Ausflüge, Fitness, Wellness, Kulinarik oder einfach nur Ausspannen. Für mich als Kreuzfahrt-Neuling eine gute Mischung aus Action, Entdecken, Erholen und Familienzeit. Ein Service, den auch Ferienresorts auf der ganzen Welt bieten. Doch der Blick aufs Meer oder das Einlaufen in einen Hafen beim Aufwachen sind nur auf dem Schiff hautnah erlebbar. In den nächsten Ferien werde ich wohl das leise Rauschen und Schaukeln beim Einschlafen vermissen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Line am 25.09.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Ihr Werbung für eine Reederei macht, dann bitte angeben dass es WERBUNG ist. Denn in einem Artikel die riesigen Umweltschäden der Kreuzfahrerei nicht zu erwähnen ist unseriös.

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  • Line am 25.09.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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