Sinnlicher Duft

22. September 2021 14:40; Akt: 22.09.2021 14:41 Print

Warum Tabak in der Parfümerie so beliebt ist

Nach Tabak riechen zu wollen mag eigenartig klingen. Doch Düfte mit Tabaknote wirken sinnlich und faszinieren die Parfümeure schon lange.

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US-Designer Tom Ford brachte 2007 den Duft «Tobacco Vanille» auf den Markt. (Bild: Tom Ford)

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Als François Demachy den Duft Tobacolor für Christian Dior enthüllt, beschreibt es der Parfümeur mit «Nuancen eines frischen Tabakblatts, gepaart mit fröhlichen Farben». Das neue Parfüm kommt 100 Jahre nach der Kreation von Habanita auf den Markt.

Habanita war 1921 das erste Parfüm, das Tabak als Grundlage seiner Formel verwendete. «Damals waren es die Goldenen Zwanziger: Frauen trugen Hosen und trauten sich, in der Öffentlichkeit zu rauchen», sagt Marc-Antoine Corticchiato, Nase und Gründer des Pariser Hauses Parfum d'Empire, dessen liebster Inhaltsstoff Tabak ist. Es ist in mehreren seiner Düfte enthalten, insbesondere in Tabac Tabou (2015).

Das Interesse von Marc-Antoine Corticchiato am Thema Tabak als Duftnote ist so groß, dass er im vergangenen Mai in der Osmothèque in Versailles eine Konferenz zu diesem Thema hielt: «De Tabac Blond à Tabac Tabou, la note tabac en parfumerie» also «Von Tabac Blond bis Tabac Tabu, die Tabaknote in der Parfümerie». «Sehr wenige Häuser wagen es, die Tabaknote als zentrales Element einzusetzen. Sie wird als politisch inkorrekt verurteilt und bleibt Tabu, da sich diese konservative Industrie vorwiegend auf ein Publikum fokussiert, dem es an Neugierde mangelt», sagt Corticchiato.

Düfte für alle

«Erst zu Beginn der 2000er-Jahre, als die Nischenparfümerie aufkam, wurde die Tabaknote wiederentdeckt», so Marc-Antoine Corticchiato. Dabei denke er an Düfte wie Fumerie Turque (2003) von Serge Lutens, Havana Vanille (2009) von L’Artisan Parfumeur, Tobacco Vanilla (2007) von Tom Ford, Volutes (2012) von Diptyques und Cuir Cuba Intense (2014) von Nicolaï. Im Gegensatz zu den Produkten des letzten Jahrhunderts richten sich diese sowohl an Männer als auch an Frauen.

«Tabakblätter sind sowohl spirituell als auch erotisch», sagt der französische Parfümeur. Erotisch, weil sein ledriger und blumiger Geruch sehr sinnlich ist. Spirituell, weil es uns zum Ursprung der Parfümerie zurückführt, die darin bestand, duftenden Rauch zu verbreiten, um ihn den Göttern zu opfern.

Synthetische Moleküle sorgen für den Duft

Auch wenn es sich um ein industrielles Produkt handelt, ist die Parfümerie eine Form des Illusionismus: Ein Tabakduft wird nicht einfach aus der Pflanze erzeugt. «Die internationale Gesetzgebung schränkt die Verwendung von Tabak ein. Die Parfümeure greifen daher auf synthetische Moleküle, wie Cumarin und Damascenone, zurück. Sie werden zum Beispiel mit Liatrix Absolute kombiniert, einer Pflanze, die reich an Cumarin ist und nach Pfeifentabak und getrockneten Blättern riecht. Oder mit einem Vanilleextrakt, das zwischen 3500 und 20.000 Euro pro Kilo kostet.

(L'essentiel/Emmanuel Coissy)

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