Monte Carlo des Nordens

24. Juli 2018 15:18; Akt: 24.07.2018 15:24 Print

Was heute Hotel ist, war früher ein Zocker-​​Paradies

Kursaal, Casino und Hotel: Das Atlantic Grand Hotel Travemünde hat wilde Zeiten hinter sich. Heute kann man hier die Seele baumeln lassen.

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Rien ne va plus – nichts geht mehr. So hieß es im Jahr 2004 im Casino an der Kaiserallee 2 in Lübeck-Travemünde zum letzten Mal. Es war das Ende einer bald 60-jährigen Geschichte, in der jede Menge prominente Namen vorkommen.

Schon als reines Ostseeheilbad zog Travemünde Gäste aus aller Welt an. Darunter Größen wie den norwegischen Maler Edvard Munch oder die Schriftsteller Thomas Mann und Franz Kafka. Sie fanden sich in der Regel am Strand oder im Kursaal an der Kaiserallee 2 zusammen.

Doch erst als nach dem Zweiten Weltkrieg das Glücksspielverbot aufgehoben wurde, avancierte der Ort zum wahren Hotspot. Und wieder stand die Kaiserallee 2 im Zentrum.

Monte Carlo des Nordens

Denn um eine Partie Roulette, Rouge et Noire und Pharao zu spielen, ließen sich die Gutbetuchten ab 1949 regelmäßig im ehemaligen Kursaal blicken. Der imposante Raum mit der hohen und reich verzierten Decke verlieh dem neu eingerichteten Casino so viel Stil und Anziehungskraft, dass Travemünde den Spitznamen «Monte Carlo des Nordens» oder kurz «Travemonte» bekam (siehe Box 1).

Dem mondänen Ruf von der Lübecker Bucht folgten unter anderem Sophia Loren, Kirk Douglas, Lyss Assia und Marlene Dietrich. Letzterer verweigerte man der Legende nach den Zutritt zum Casino – weil sie einen Hosenanzug trug, ihr Markenzeichen.

Wie erfolgreich – oder eben nicht – die Herren und Damen waren, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass sie im angeschlossenen Nachtclub La belle Epoque bis in die frühen Morgenstunden das Leben genossen. Genauso wie die Tänzerin Josephine Baker, die mit ihrem Bananenröckchen berühmt wurde.

Neue Nutzung im alten Kleid

An all das erinnert heute nur noch das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude selber. Nachdem 2004 die Casino-Lichter gelöscht waren, wurde es innen zu einem edlen 5-Stern-Hotel mit 72 Zimmern und Suiten ausgebaut (siehe Bildstrecke).

In den Räumlichkeiten des La belle Epoque befindet sich heute das Restaurant Holstein's, das neben norddeutsch angehauchtem Essen auch mit einem Panoramablick über Strand und Ostsee aufwartet.

Einzig der prachtvolle Kursaal ist weitgehend unverändert erhalten geblieben. Seitdem die Spieltische verräumt sind, kann er für Anlässe gemietet werden. Wie er erinnern sonst nur die – vor allem im Restaurant – aufgehängten Schwarz-Weiß-Aufnahmen an die vergangenen Zeiten.

(L'essentiel)

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